Strategiepapier Bremen schnürt Innenstadt-Paket

An Papieren zur Bremer Innenstadt mangelt es nicht, jetzt ist daraus eine Strategie geworden. Am Dienstag wird der Senat darüber entscheiden. Die Regierung legt sich für die nächsten zehn Jahre fest.
15.10.2021, 20:34
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Bremen schnürt Innenstadt-Paket
Von Jürgen Hinrichs

Nach zwei Jahren Vorbereitung wird der Senat am Dienstag über eine Strategie zur Entwicklung der Innenstadt entscheiden. Die Ressorts Wirtschaft, Bau und Verkehr haben zusammen mit der Handelskammer ein umfangreiches Paket geschnürt, zu dem unter anderem Brücken über die Wallanlagen gehören, die Ausweitung der Fußgängerzone, Bademöglichkeiten in der Weser und Fahrradparkhäuser unter der Erde. Ein starker Schwerpunkt ist der neue Nutzungsmix – die Innenstadt soll zu einem Wohn- und Alltagsort mit sozialen und kulturellen Angeboten entwickelt werden.

Auf 58 Seiten haben die Planer zusammentragen, was aus ihrer Sicht in den nächsten zehn Jahren die Hauptaufgaben in Bremens Mitte sind. Das Papier liegt dem WESER-­KURIER vor. Neben allgemeinen Zielen, die mit zehn Punkten in einer „Bremen Charta“ zusammengefasst sind, werden auch viele konkrete Projekte genannt, verteilt auf die verschiedenen Räume in der Innenstadt.

Im Bereich Brill zum Beispiel soll das Parkhaus weiterentwickelt werden und Platz für alle möglichen Mobilitätsformen bieten. Die Bürgermeister-Smidt-Straße steht mittelfristig genauso vor der Umgestaltung wie die Brill-Kreuzung. Das Stichwort heißt Rückbau, ähnlich wie es bereits für die angrenzende Martinistraße geplant ist. Die „Bremen Charta“ formuliert das so: „Der Autoverkehr auf den Straßen im Zentrum wird reduziert, insbesondere der Durchgangsverkehr und das Parken im Straßenraum.“ Von der autofreien Innenstadt, die zum Forderungskatalog der Grünen in der Regierung gehört, ist keine Rede.

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Der Tunnel unter der Brill-Kreuzung könnte zu einem unterirdischen Fahrradparkhaus werden. Genauso der Bunker unter dem Domshof. Der Wochenmarkt soll attraktiver werden, ein Ziel, das trotz jahrelanger Bemühungen bislang unerreicht geblieben ist. In den Fokus kommen auch die Innenhöfe von Baumwollbörse und Landgericht, sie sollen stärker öffentlich genutzt werden. Als Möglichkeiten, die Fußgängerzone auszuweiten, werden in dem Strategiepapier die Bereiche Violenstraße und Museumstraße genannt. Ein weiterer Punkt ist die „Innenstadt als Campus“ für Universität und Hochschule. Das könnte unter anderem auf dem ehemaligen Sparkassengelände am Brill stattfinden, die Uni plant dort bereits mit mehreren Tausend Studierenden.

Das City-Konzept wird vom Senat zu einer Zeit verabschiedet, in der über die Innenstadt so heftig gestritten wird wie selten zuvor. Die Koalitionspartner liegen bei der Frage über Kreuz, ob die Straßenbahn von der Obern- in die Martinistraße verlegt werden soll. Sie sind sich auch über die Gestaltung der Domsheide uneins. Die Handelskammer streitet mit. Trotzdem haben sich jetzt alle Seiten im Grundsatz auf einen Konsens verständigt, allerdings ohne einzelne Konflikte auszuräumen.

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„Es freut mich sehr, dass mit dem vertieften Innenstadtkonzept nun eine Strategie für das Bremer Zentrum vorliegt, für unser Wohnzimmer“, sagte Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) am Freitag auf Anfrage. Durch das gemeinsame Engagement einer Vielzahl von Akteuren der Stadtgesellschaft sei es gelungen, sich auf Ziele wie Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und Attraktivität verbindlich zu verständigen und dabei auch Klimaschutz und Klimaanpassung den nötigen Raum zu geben. „Ich wünsche mir, dass wir diesen Geist beibehalten“, so die Senatorin.

Stellung nimmt auch Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke): „Das Innenstadtkonzept benennt zentrale Aufgaben wie die Ertüchtigung der Glocke, die weitere Profilierung des Domshofes und die Attraktivierung des Einzelhandels.“ Von besonderer Bedeutung sei das Projekt „Innenstadt als Campus“. Die City müsse insgesamt zu einem Labor für gesellschaftliche Zukunftsthemen werden, betont Vogt.

„Das Besondere ist, dass wir jetzt in Räumen denken und nicht mehr nur einzelne Maßnahmen betrachten“, sagt Arne Sünnemann, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung und Wohnungswesen im Bauressort. Er war maßgeblich an dem Strategiepapier beteiligt. Der Zeitpunkt, diese Arbeit abzuschließen, hätte günstiger nicht sein können, meint Sünnemann: „Das ist eine Morgengabe für die neue Innenstadtgesellschaft.“ Die Organisation existiert seit September, sie soll koordinieren und Antreiber sein. Wer Kopf der Gesellschaft sein wird, steht nach Auskunft des Senats in den nächsten zwei Wochen fest. Es hat dazu ein aufwendiges Auswahlverfahren gegeben.

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