Knotenpunkt in Bremen

Haltestellen an der Domsheide: „Bei einer Zusammenlegung geht es ums Prinzip“

Die Landessprecherin des Fachverbands Fußverkehr, Angelika Schlansky, fordert eine Bündelung der Haltestellen an der Domsheide. Mehrere Organisationen starten dazu eine Aktion am Verkehrsknotenpunkt.
15.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Haltestellen an der Domsheide: „Bei einer Zusammenlegung geht es ums Prinzip“
Von Pascal Faltermann
Haltestellen an der Domsheide: „Bei einer Zusammenlegung geht es ums Prinzip“

Die Landessprecherin des Fachverbands Fußverkehr, Angelika Schlansky, plädiert für eine Zusammenlegung der Haltestellen an der Domsheide.

Christina Kuhaupt
Der Knotenpunkt Domsheide soll umgestaltet werden. Die zentrale Frage, wo die Haltestellen für Busse und Bahnen konzentriert werden, ist aber noch nicht geklärt. Was muss aus Ihrer Sicht passieren?

Angelika Schlansky: Das dauert alles viel zu lange, da muss mal etwas Dampf gemacht werden. Der Senat sollte sich endlich entscheiden, dass die Haltestellen an der Domsheide zusammengelegt werden. Die Pläne zur Umgestaltung liegen entscheidungsreif auf dem Tisch. Wenn wir eine Verkehrswende wollen, muss an dieser Stelle schneller etwas geschehen.

Was sind die Gründe für den stockenden Prozess?

Das weiß ich nicht. Da spielen sicherlich viele Faktoren eine Rolle. Aus 14 Varianten sind zwei in die engere Auswahl gekommen. Die eine Planung sieht die Haltestellen an der Balgebrückstraße und der Domsheide vor, die andere eine Bündelung der Haltepunkte. Es gab 2019 eine große Ausstellung zum Thema Umgestaltung und dann hat man lange nichts mehr davon gehört.

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Was ist an dem Ist-Zustand so schlecht?

Für zahlreiche Fußgänger, Rollstuhlfahrer oder Kinderwagenschieber ist es sehr mühsam, von der Haltestelle Balgebrückstraße zur Haltestelle an der Domsheide zu gelangen. Zudem kreuzen sich an der Balgebrückstraße die Wege von Bussen, Bahnen, Fußgängern, Autos und Fahrradfahrern, was zu gefährlichen Situationen führen kann.

Was spricht dafür, die Haltestellen zusammenzulegen?

Es geht ums Prinzip: Die Umsteige-Situation verbessert sich dadurch wesentlich. Ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr ist das Rückgrat der Verkehrswende. Dafür muss das Bus- und Bahn-Angebot attraktiv sein und das Umsteigen so einfach wie möglich gemacht werden. Wenn das Umsteigen bequemer wird, ist das doch für alle von Vorteil.

Was sagen Sie den Gegnern der Bündelungsvariante?

Ich verstehe die Gegenargumente nicht so ganz. Die Stränge der Straßenbahnschienen verlaufen ja sowieso an der Domsheide – also auch an der Glocke vorbei. Da bietet es sich an, hier auch die Haltestellen anzulegen, die sich jetzt noch in der Balgebrückstraße befinden. Das sollte Vorrang haben gegenüber der Vorstellung, dass hier Platz sein könnte für Kaffeehaus-Stühle, Tische oder so. Zudem ist ja ein schalldichtes Gleisbett vorgesehen, wodurch es weniger Lärmprobleme geben sollte. Die Straßenbahnen würden hier halten. Das wäre leiser, als wenn sie hier vorbeifahren.

Was muss an dem Haltepunkt noch passieren?

Auch städtebaulich muss etwas getan werden, damit sich die Wegebeziehungen und die Aufenthaltsqualität verbessern. Es sollte nicht nur eine Umsteigeanlage sein wie am Hauptbahnhof. Der Platz muss vernünftig ausgestaltet werden; Fußgänger sollten hier Vorrang haben. Sitzgelegenheiten und andere Elemente, die den Raum verschönern, sind ja nicht ausgeschlossen.

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Ganz allgemein: Wird in Bremen genug für die Fußgänger getan? Oder ist es doch weiterhin die vergessene Verkehrsart?

Es gibt zwar derzeit keinen Fußgängerbeauftragten, aber es soll in Zukunft jemanden in der Behörde geben, der sich um diese Fragen kümmert. In Leipzig gibt es das bereits. In Bremen wird das noch vom Team Nahmobilität im Verkehrsressort mit abgedeckt. Die Förderung des Fußverkehrs ist allerdings nicht unbedingt eine Geldfrage, sondern eine Frage des Platzes.

Was sind die größten Probleme?

Was besonders stört, sind die aufgesetzt parkenden Autos auf den Bürgersteigen. Dagegen muss vorgegangen werden, das ist illegal und nicht verhandelbar. Und: Bremen hat anscheinend einen Horror vor Zebrastreifen. Ralph Saxe von den Grünen plädiert seit Jahren dafür. Es gibt so viel Bedarf an Zebrastreifen, vor Schulen, Kindergärten, Seniorenwohnanlagen, Supermärkten und vielen anderen Stellen. In Tempo 30-Straßen sind sie sicherer als an Straßen, auf denen Tempo 50 gefahren wird. Tempo 30 sollte also kein Argument dagegen sein.

Was für eine Aktion haben Sie an der Domsheide geplant?

Der Fachverband Fußverkehr startet diesen Donnerstag um 11 Uhr eine Aktion an der Domsheide. Zusammen mit anderen Verbänden und Initiativen – dem BUND, VCD, ADFC, Einfach Einsteigen und Behindertenverbänden – werden wir die Zusammenlegung der Haltestellen fordern und auf die Probleme aufmerksam machen.

Das Gespräch führte Pascal Faltermann.

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Zur Person

Angelika Schlansky (75) ist Diplom-Ingenieurin für Stadt- und Regionalplanung. Seit gut 30 Jahren ist sie die Bremer Vertreterin und Landessprecherin des Fachverbands Fußverkehr. Sie war zehn Jahre lang Bundesvorsitzende und hat unter anderem ein Fußwegeachsen- und Kinderwegekonzept für die Stadt Kiel erstellt.

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Zur Sache

VCD fordert Zusammenlegung der Haltestellen

Der Bremer Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) fordert wie andere Organisationen eine Zusammenlegung der Haltestellen an der Domsheide. Malte Halim (49), zusammen mit Katharina Bermpohl Vorsitzender des VCD, pocht darauf, dass die Wege kürzer werden. Halim ist auf einen Rollstuhl angewiesen und bemängelt die mangelhafte Barrierefreiheit an dem Verkehrsknotenpunkt. Wer an der Balgebrückstraße aussteige, müsse Schienen und eine Busspur überqueren, die Steigung zur Domsheide hinauf und insgesamt einen relativ weiten Weg zurückzulegen. „Das ist für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen eine Anstrengung. Für manche eine zu große Anstrengung“, sagt Halim. Es seien Hindernisse, die man überwinden müsse. Wenn die Haltestellen dichter zusammengelegt seien, könne man das Problem lösen.?

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