Restaurantbesprechung

Ein Ort der Unentschlossenheit

Im Restaurant Browiede in Blender nahe Bremen gilt: Unverhofft kommt oft. Manche Gänge schmecken vorzüglich, andere eher fad. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch.
12.07.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Ort der Unentschlossenheit
Von Marcel Auermann

"Zusätzlich zur Karte bieten wir heute auch noch Straußensteak an“, sagte die Kellnerin und wir schauten uns nur verdutzt an. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. Denn nach einer Fahrt über Weserbrücken, durch ein Wohngebiet, Stock und Stein, landeten wir auf einem besseren Feldweg. Etliche Schilder wiesen uns in Richtung Restaurant Browiede. Da gab es also nichts zu meckern.

So weit außerhalb dachten wir aber nicht daran, dass auf der Karte eben doch nicht das Altbekannte zu finden ist, sondern sich Küchenchef Markus Zersen etwas wagt: Straußensteak also – oder Gambas oder Heidschnucken-Knipp. Aber nicht nur das erschien uns so überraschend. A) Das Navi fand das Lokal nicht unter dem Ort Intschede, sondern nur unter Blender. B) Trotz der Lage lockt es so viele Menschen an, dass wir die ursprüngliche Reservierung um einen Tag verschieben mussten.

Schmuckes Backsteinhäuschen mit Kräutergarten

Dieser Umstand sagte uns, dass es gut sein musste. Schon der Empfang ließ uns staunen. Ein schmuckes Backsteinhäuschen mit eigenem, idyllisch angelegten Kräutergarten stand vor uns. Für Städter mag allein die Ruhe, das angenehme Rascheln der Bäume eine Erholung sein. Deshalb setzten wir uns für die erste Zeit in den Garten, ehe es zu frisch wurde.

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Wir schnappten unsere Gläser und zogen nach drinnen um. Das ging alles ruckzuck, sodass es den Kellnerinnen fast gar nicht recht war, dass wir selbst mit anpackten. Überhaupt präsentierte sich der Service angenehm, sympathisch, zurückhaltend und doch immer zur Stelle.

Lore, Lotte, Erna, Berta – diese Namen fielen uns auf den Schildern auf den dicken Balken sofort ins Auge. Denn die Gäste nehmen im ehemaligen Stall des Hauses Platz, den die Besitzer zu einem rustikalen Restaurant umbauten. Unverhofft kommt oft. Dieses Sprichwort ging uns an diesem Abend oft durch den Kopf. Denn Gegensätze taten sich im Browiede viele auf. Beim Ambiente und auch beim Essen. Unsere Vorspeise bestand aus einer Melonen-Aprikosen-Kaltschale, die sich im Geschmack sehr zurückhielt. Selbst die Kokosflocken brachten keinen nennenswerten Pfiff.

Uns fiel zusätzlich der tiefe Suppenteller auf, der recht flach war und für 8,20 Euro dementsprechend wenig Inhalt hatte. Die Avocado-Schaumsuppe mit gerösteten Pinienkernen und rosa Pfeffer (8,70 Euro) kam unspektakulär in der Suppentasse daher. Auch das Avocado-Aroma wanderte nur langsam auf die Geschmacksknospen. Kurz: Ich hatte schon bedeutend schaumigere und kraftvollere Suppen vor mir.

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Lammfilet besaß eine schöne Würze

Die Küche im Browiede startete ganz langsam und besaß zum Hauptgericht dann die richtige Betriebstemperatur. Das gegrillte Schweinefilet in Marsallasoße (22,60 Euro) überzeugte meine Begleitung. Vor allem erschien uns die Kombination von frischen Pfifferlingen, Lauchzwiebeln, Kirschtomaten und – Achtung – Blaubeeren so gewagt wie spannend und sehr gut.

Von meinem geräucherten Lammfilet (25,50 Euro) war ich begeistert, denn es besaß eine schöne Würze und dazu den richtigen Garpunkt mit einem rosa Kern. Das I-Tüpfelchen setzte die wunderschön reduzierte, gehaltvolle Rotwein-Minzsoße, in die ich gerne die kleinen, geräucherten Rosmarinkartoffeln tunkte. Ja, solche Rosmarinkartoffeln habe ich schon lange nicht mehr so vollmundig, so weich bekommen.

Sie ähnelten von ihrer Art Bamberger Hörnchen. Lecker! Ähnlich gekonnt und prima gewürzt legten die Köche eine ordentliche Portion Ratatouille auf den Teller. Der trockene Spätburgunder vom Weingut Norbert Helde aus Sasbach in Baden (0,2 Liter für 7,80 Euro) passte mit seiner tiefroten Farbe und dem Waldbeeraroma glänzend zum Wildfleisch, das einen starken Begleiter benötigt.

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Das dänische Stachelbeertrifle mit Vanillemousse und Baiser (7,40 Euro) mundete mir noch mehr als meiner Begleitung. Das mag daran liegen, dass für mich Baiser schon die halbe Miete ist. Zum Nichtgefallen bei meinem Gegenüber könnte die Präsentation beigetragen haben. Das Dessert kam in einem Trinkglas auf einem Teller an den Tisch. Das zündet einfach nicht so recht. Entzückend richtete die Küche hingegen mein Halbgefrorenes mit Limoncello und Johannisbeer-Espuma (8.90 Euro) an.

Was also bleibt nach diesem insgesamt doch angenehmen Abend? Das Browiede changiert zwischen rustikal und gehoben. Diese Unentschlossenheit sorgt allerdings bei einem Gast, der mehrere Gänge isst und sich nicht auf eine Richtung festlegt, für Irritationen.

Fazit: Im Restaurant Browiede gilt: Unverhofft kommt oft. Manchmal ist das Unverhoffte positiv, manchmal negativ. Es fehlt die Kontinuität. Manche Gänge gelingen vorzüglich. Manche sind schlichtweg Mittelmaß. Manches verzaubert Augen und Geschmacksknospen. Manches kommt eher farblos und etwas uninspiriert auf die Teller. Das ist schade, weil die Küche mit einigen Kniffs beim Gast doppelt und dreifach so gut landen könnte. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch im Browiede und nicht nur Städter sollten diesen Ausflug ins niedersächsische Umland unbedingt antreten.

Weitere Informationen

Browiede, Hafenstraße 6, 27337 Blender/Intschede, Telefon: 04233 349, Öffnungszeiten: Montag und Dienstag sind Ruhetage, Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr, barrierefrei, Internet: www.browiede.de

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