Neues Konzept in der Innenstadt Eine WG auf Geschäftsbasis

Schuhe, Tische, Geschenkartikel: Obwohl oder gerade weil sie so unterschiedlich sind, teilen sich drei Startups an der Bremer Bischofsnadel einen Raum.
09.04.2018, 18:16
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Eine WG auf Geschäftsbasis
Von Nina Willborn

Aller guten Dinge sind drei, heißt es. Die Märchenweisheit funktioniert auch im Bremer Geschäftsleben, genauer an der Bischofsnadel 12. Dort schreiben junge Unternehmer seit Dezember ein bisschen so etwas wie ihr ganz persönliches Märchen, ihre eigene Erfolgsgeschichte. Vanessa Just, 28, Claas Stefes, 25, Malte Blank, 26, und Frederik Dreeke, 27, bilden mit ihren Startups Nur-Manufaktur (Just), Wood you love (Stefes) und Blnks (Blank, Dreeke) eine geschäftliche Wohngemeinschaft.

Auf den ersten Blick könnten die Konzepte der drei Gründer nicht unterschiedlicher sein. Bei Vanessa Just finden die Kunden ein Sammelsurium an Geschenken, ob ess-, hinstell- oder tragbar. Malte Blank und Frederik Dreeke entwerfen Schuhe und Sneaker nach Maß. Claas Stefes verarbeitet Holz mit Geschichte zu Tischen. Was sie verbindet: Alle Produkte haben den imaginären Stempel "made in Bremen und umzu", und sie sind handgemacht.

"Made in Bremen und umzu"

Dass sie so unterschiedlich sind, sehen alle als Vorteil. "Wir kommen uns mit unseren Produkten nicht in die Quere", sagt Vanessa Just, "im Gegenteil. Wir pushen uns gegenseitig, und die Kunden sehen durch die drei Konzepte immer etwas Neues." Wer vielleicht wegen eines neuen Tisches kommt, überlegt angesichts der ausgestellten Schuhe, ob er nicht auch mal ein neues Paar brauchen könnte, oder findet das nächste Mitbringsel für eine Party.

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Wie bei vielen guten Geschichten spielt auch bei der Laden-WG der Zufall eine große Rolle. Er sorgte nämlich dafür, dass die Drei sich fanden, und das kam so: Bauunternehmer Thomas Stefes, der Onkel von Claas, war eines Tages auf der Suche nach Turnschuhen und schaute sich bei Malte Blank um. Der saß damals noch im Citylab, suchte aber wie seine dortige Nachbarin Vanessa Just einen neuen Standort. Man kam ins Gespräch, Stefes senior vermittelte den beiden erst den Kontakt zu seinem Neffen – und schließlich allen dreien die rund 240 Quadratmeter große Fläche an der Bischofsnadel. Wenn man dort hereinkommt, sieht man als erstes die Tische und Sneaker, wendet man sich nach rechts, geht's zu den Produkten der "Nur-Manufaktur".

Alleine wäre die Miete für jeden der drei zu hoch gewesen, so aber passt es. Auch für die Nachbarn in der Bischofsnadel. Vanessa Just: "Wir hören von den Alteingesessenen oft, dass sie sich freuen, weil die Räume nicht mehr leer stehen. Und wir profitieren von dem hohen Durchlauf an Kunden." Unter der Woche sind meistens Vanessa Just, ihre Mutter als Vertretung und einer der Sneaker-Jungs im Geschäft. Claas Stefes arbeitet dann in seiner Werkstatt in Oyten, gleicht aber seine Abwesenheit durch die Versorgung der Kollegen mit frischen Blumen, Süßigkeiten und Putzdiensten am Wochenende aus. Die Aufgabenteilung klappt, ähnlich wie in einer funktionierenden Wohn-WG. Frederik Dreeke: "Wenn einer mal nicht da ist, ist das kein Problem. Wir kennen alle Konzepte so gut, dass wir auch die der anderen vorstellen können."

Geschichten mit Produkten

Mit den Kunden ins Gespräch kommen, auch mal bei einem Kaffee oder einer Weinschorle über etwas ganz anderes zu reden, ist den "Mitbewohnern" wichtig. Claas Stefes: "Wir wollen niemandem auf Zwang etwas aufschwatzen. Bisher haben wir das Gefühl, dass die Kunden gerne wiederkommen. Unsere Art, zu verkaufen, ist eine andere, wir erzählen Geschichten mit unseren Produkten." Deshalb ist der Laden auch nicht nur ein Laden – ungefähr einmal im Monat wird er zur Bühne. Konzerte, Abendessen oder Yoga-Stunden: Reihum organisieren die Gründer kleine Veranstaltungen.

Jan-Peter Halves, Leiter der City-Initiative, kennt Vanessa Just und Malte Blank schon länger. Alles richtig gemacht, lautet sein Urteil. "Das ist ein Paradebeispiel, wie es laufen sollte. Im Citylab konnten sie ausprobieren, ob ihre Ideen funktionieren. Das haben sie, und jetzt beweisen sie sich in der ,echten' Welt." Auch die Standortwahl gefällt ihm. "Eine Nebenlage in der City, also nicht zu teuer und mit hoher Laufkundschaft", sagt er. "Bei einem Stadtbummel wollen viele heute Anregungen. Insofern halte ich Konzept-Stores für zukunftsfähig. In Bremen brauchen wir das: frische Ideen."

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