Benziner spielt immer noch eine große Rolle

Bremer zögern beim Kauf von E-Autos

Das Interesse in Bremen an Autos mit Elektromotor ist groß. Doch nur die wenigsten würden auch tatsächlich ein E-Auto kaufen. Das zeigt eine exklusive Umfrage
31.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer zögern beim Kauf von E-Autos
Von Stefan Lakeband

Autos mit alternativen Antrieben sind für viele Bremer die Zukunft. Wenn es darum geht, sich ein Fahrzeug mit einem Elektromotor oder einer Brennstoffzelle für den privaten Gebrauch zu kaufen, zögern die meisten – und entscheiden sich lieber für einen Verbrenner. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des WESER-KURIER hervor. Die Untersuchung, für die 726 Menschen aus Bremen und der Region befragt wurden, zeigt, dass Benziner weiterhin die größte Rolle spielen, wenn ein neues Auto angeschafft werden soll. Ein Drittel der Teilnehmer gab an, dass Autos mit klassischem Benzinantrieb auf jeden Fall infrage kämen; bei 36 Prozent kämen sie vielleicht infrage. Ein Fünftel der Befragten schloss den Kauf eines Autos mit herkömmlichem Antrieb aus.

Einen Mittelweg scheinen in Bremen Hybridfahrzeuge darzustellen. Autos, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor haben, stoßen auf relativ hohe Akzeptanz. In Bremen sind die Menschen im Schnitt bereit, 28 800 Euro für ein solches Auto mit Hybrid- oder E-Antrieb zu zahlen. Rund zwölf Prozent würden mehr als 40.000 Euro ausgeben.

Kritik an stattlichen Hilfen für Plug-in-Hybrid Autos

Die staatlichen Hilfen für Autos mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor (Plug-in-Hybride) geraten zunehmend in die Kritik. Anlass ist der CO₂-Ausstoß, wenn die Wagen ohne Elektromotor fahren. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat eine Reihe solcher Modelle getestet. Spitzenreiter war ein Porsche Cayenne mit einem Ausstoß von 429 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer im Sportmodus und 224 Gramm im Normalmodus. Beides liegt weit über dem ausgewiesenen Grenzwert von 90 Gramm pro Kilometer.

„Es ist nicht akzeptabel, dass ein solches Auto als Dienstwagen mit einem Steuerrabatt gefördert wird“, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Porsche dagegen hält diese Tests für nicht aussagefähig. Kommende Woche sollen weitere Beispiele anderer Hersteller vorgestellt werden, für die hohe Kaufprämie gezahlt werden. Resch fordert, staatliche Vergünstigungen für Plug-in-Hybride abzuschaffen. Die Hersteller wollen das verhindern und sich auf dem Autogipfel bei Kanzlerin Angela Merkel weitere Hilfen sichern.

Laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) aus dem April sind in Bremen derzeit 774 Plug-in-Hybride und 860 reine Elektroautos unterwegs. Verglichen mit der Gesamtzahl an Autos in Bremen von etwa 295.000 ist ihr Anteil mit 0,56 Prozent gering. Laut Umfrage ist der Grund dafür nicht nur im Anschaffungspreis zu suchen. Fast drei Viertel geben an, dass die geringe Reichweite sie vom Kauf eines E-Autos abhält. 63 Prozent sehen zudem Probleme beim Laden der E-Auto-Batterie, weil die nötige Infrastruktur fehlt.

Stefan Bratzel überrascht das nicht. Er spricht seit Jahren von der sogenannten RIP-Herausforderung der E-Mobilität. Damit meint er die Reichweite, die Infrastruktur, den Preis – die drei Dinge, die auch Bremer Autofahrer zögern lassen. Bratzel ist Direktor des Center of Automotive Management und verfolgt den Markt für E-Auto seit Jahren. Sein Eindruck: Viele der Vorbehalte gelten nicht mehr. So sei die Reichweite heutzutage kaum noch ein Problem; moderne E-Autos würden mit vollen Batterien locker 300 Kilometer oder weiter kommen.

9000 Euro extra bei Kauf eines E-Autos

Auch der Preis für viele E-Autos ist deutlich gefallen. „Dazu hat die Regierung mit ihrer großzügigen Förderung beigetragen“, sagt Bratzel. In der Corona-Zeit wurde die staatliche Prämie zum Kauf von E-Autos – auch als Umweltbonus bekannt – noch einmal angehoben. Die Bundesregierung hat ihren Anteil so weit aufgestockt, dass Käufer nun bis zu 9000 Euro dazubekommen, wenn sie sich für ein E-Auto entscheiden. Das scheint Auswirkungen auf den Markt zu haben. Laut Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, war der Juli „ein Monat der Alternativen“. Das Kaufinteresse für Elektroautos und Plug-in-Hybride sei besonders stark gestiegen. Demnach wurden im Juli 89 Stromer neu zugelassen. Vor einem Jahr waren es 32. Bei dem Plug-in-Hybriden stieg der Wert von zwölf auf 143.

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Zuletzt hatte es Verwirrung um die Bewilligung der E-Auto-Prämie gegeben. Im Juli wurden in Bremen und Niedersachsen 72 beziehungsweise 73 Prozent der gestellten Anträge stattgegeben. Bundesweit sieht die Situation ähnlich aus. In einer Stellungnahme erklärte das Bundeswirtschaftsministerium: „Nicht bewilligte Anträge sind nicht automatisch abgelehnte Anträge.“ In vielen Fällen handele es sich um Anträge, die noch bearbeitet werden müssen. Die tatsächliche Ablehnungsquote liege momentan bei etwa fünf Prozent. Gründe für eine Ablehnung waren laut der Ministeriumssprecherin etwa Doppelanträge. In anderen Fällen sei der Antragsteller nicht wie vorgeschrieben der Fahrzeughalter gewesen; gelegentlich fehlten auch Unterlagen.

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