Beschlüsse zum Lockdown Kritik an Bremens neuem Kita-Modus

Viele Bremer Eltern mit Kleinkindern fühlen sich derzeit belastet, einige fordern mehr Infektionsschutz in den Kitas. Und die Behörde verschickt ein neues Schreiben an die Familien.
26.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kritik an Bremens neuem Kita-Modus
Von Sara Sundermann

Nach den jüngsten Bremer Beschlüssen zum Kita-Modus im Lockdown mehren sich kritische Stimmen von Eltern. Das stellt die Bremer Zentralelternvertretung (ZEV) fest. Viele Eltern empfänden die Situation als schwierig, sagt Ann-Kathrin Rohde vom ZEV-Vorstand: „Unsere derzeit noch laufende Umfrage unter Bremer Eltern zeigt schon jetzt: Von mehr als 1600 Eltern, die bislang teilgenommen haben, gibt etwa jeder zweite an, die Situation sei derzeit belastend oder sehr belastend.“ Am Montag gingen zwei Offene Briefe beim WESER-KURIER ein, in denen Eltern Bremens Kita-Kurs und die Bildungssenatorin kritisieren.

Unverständnis und Wut seien derzeit ihre vorherrschenden Empfindungen, schreibt Jana Baumann, Mutter von zwei Kindern, an Senatorin Claudia Bogedan (SPD). Schon länger habe sie ein ungutes Gefühl, wenn ihr Sohn in den Kindergarten gehe, sagt die 43-Jährige. Sie kritisiert, dass es für Schulen viele Vorschriften zum Infektionsschutz gebe, für Kitas aber nur wenige: „Da stelle ich mir doch die Frage, ob das Virus weiß, dass es sich gerade in einer Grundschule befindet und nicht in einem Kindergarten?“ Sie plädiert für Maskenpflicht für Erzieher sowie auch in Kitas ein Verbot des Singens und Vorschriften fürs Lüften. Vorstellbar seien auch halbierte Gruppen.

Lesen Sie auch

Jana Baumann wünscht sich vor allem einen Kita-Modus, der längere Zeit beibehalten werden kann. „Klare Entscheidungen, zum Beispiel geschlossene Schulen und Kindergärten mit Notbetreuung, würden mir in Teilen zumindest helfen“, sagt sie. „Es ist ein ewiges Hin- und Her.“ Sie befinde sich täglich in einem Zwiespalt, das zermürbe und sei auch für Kinder „eine Zumutung“.

Einen langfristigen Plan wünscht sich auch der Elternbeirat der Kita in der Augsburger Straße in Findorff in einem Brief an Bogedan. Die Eltern fordern wöchentliche Schnelltests für Erzieherinnen und haben eine Petition für mehr Infektionsschutz in Kitas unterzeichnet. Der Beirat will keine Kita-Schließung, bittet aber darum, mit einer Notbetreuung zumindest die Kontakte der Erzieherinnen zu reduzieren. „Die Situation ist schwierig und belastend“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Sie betont: „Alle Beschäftigten in Kitas haben wie an der Schule die Möglichkeit, sich jederzeit testen zu lassen.“ Interessierte könnten sich per Email bei der Behörde anmelden. „Viele nehmen das an, es werden täglich Erzieher getestet.“ Zwei Schulen und zwei stätische Kitas sollen zudem Kemp zufolge demnächst durchgetestet werden.

Lesen Sie auch

Die Behörde unterstützt Kemp zufolge die Kita-Beschäftigten mit Gesichtsvisieren und Masken für die Arbeit mit Kindern über drei. In Kitas empfiehlt die Behörde das Tragen von medizinischen Masken, in Krippen nur soweit unbedingt möglich. Es gebe auch die Möglichkeit, in Kitas CO2-Ampeln zu nutzen und Luftfilter anzuschaffen, sagt Kemp.

Die Bildungsbehörde hat am Montag zudem die Pläne für den Kita-Betrieb vom 1. bis 14. Februar konkretisiert. Vergangene Woche hatte Bremen nach dem Bund-Länder-Gipfel einen neuen Beschluss gefasst: Demnach soll für die erste Februarhälfte Stufe zwei eines Reaktionsstufenplans für Kitas gelten. Stufe zwei bedeutet eingeschränkten Regelbetrieb, bei dem sich Erzieher und Kinder aus zwei Gruppen nicht mischen sollen. Stufe drei wäre die Notbetreuung mit maximal zehn Kindern pro Gruppe.

Lesen Sie auch

Krippen und Kindergärten sollen wenn möglich die Anzahl der Kinder reduzieren, schreibt Thomas Jablonski, Abteilungsleiter in der Behörde in einem Brief an die Familien: „Eltern werden deshalb gebeten, das Angebot der Kindertagesbetreuung nur dann zu nutzen, wenn eine Betreuung zu Hause nicht möglich ist.“ Es sei auch sinnvoll, Kinder nur an einzelnen Tagen in die Kita zu geben, um kleinere Gruppen zu ermöglichen. Wenn eine Betreuung notwendig sei, solle sie „für den zwingend erforderlichen Zeitraum“ genutzt werden können.

Wegen der Einschränkungen plant der Senat, Eltern zeitweise die Kita-Beiträge zu erlassen. Für Kinder aus allen Familien solle weiter ein regelmäßiger Kita-Besuch ermöglicht werden, ohne dass Kita-Leitungen eine Auswahl treffen müssten, schreibt Jablonski und appelliert an die Solidarität von Eltern. Ann-Kathrin Rohde von der ZEV merkt an: „Das führt dazu, dass wir die Diskussion wieder in die Kitas verlagern, das belastet auch die Kommunikation zwischen Eltern und Kitas.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+