Impfungen für Senioren über 80

Bremer Impfzentrum geht den nächsten Schritt

Im Impfzentrum werden mittlerweile auch Seniorinnen und Senioren geimpft, die nicht in Pflegeheimen leben. Derweil bereitet sich das Gesundheitsressort mit Hilfe von „Bremen impft“ auf höhere Impfquoten vor.
23.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine Doll und Jürgen Hinrichs

Im Impfzentrum wird nach knapp vier Wochen Betrieb ein neues Kapitel aufgeschlagen: Erstmals ist in Halle 7 an der Bürgerweide ein Mensch geimpft worden, der nicht zu den Pflegekräften gehört, denen das Angebot bislang vorbehalten war. Die Spritze mit dem Vakzin gegen das Corona-Virus hat eine 92-jährige Frau bekommen. Das ist der Start einer Kampagne, die auf die ältere Bevölkerung zielt. Bis Ende kommender Woche wird die Gesundheitsbehörde eigenen Angaben zufolge 16.500 Briefe mit Einladungen verschicken. Sie richten sich an Menschen im Alter über 80.

Im Impfzentrum sind bislang täglich 100 bis 200 Dosen des Biontech-Vakzins verimpft worden. Diese Zahl wird jetzt kontinuierlich steigen. Das Zentrum hat nach Angaben der Gesundheitsbehörde eine Kapazität von 1500 bis 1800 Impfungen pro Tag. „Es gibt aber schon konkrete Überlegungen, das auszubauen“, sagt Ressortsprecher Lukas Fuhrmann. In Frage komme, das Impfzentrum auf weitere Messehallen auszudehnen. Möglich seien auch dezentrale Lösungen in den Stadtteilen.

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Die Pläne stehen und fallen mit der Menge des Impfstoffs, der zur Verfügung steht. Zurzeit erhält Bremen ungefähr 3000 Dosen pro Woche für die Erstimpfung. Die Unternehmerinitiative „Bremen impft“ hat Vorbereitungen getroffen, in Bremen täglich rund 15.000 Menschen durch das Impfzentrum zu schleusen. In Teilen folgt die Behörde bereits diesem Ansatz, zum Beispiel beim Anmeldeverfahren, das „Bremen impft“ übernommen hat.

Bei den Impfquoten der 16 Bundesländer gibt es teils große Unterschiede: Spitzenreiter ist laut Robert-Koch-Institut Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 2,9 Prozent. Am unteren Ende des Rankings vom Freitag stehen Hessen und Baden-Württemberg mit je 1,3 Prozent. Bremen liegt mit 2,0 Prozent über dem Bundesschnitt von 1,7 Prozent – Niedersachsen mit 1,5 Prozent darunter.

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„Manche Länder verabreichen gleich alle Dosen für die Erstimpfung. Bremen hält die entsprechende Anzahl der Dosen für die Zweitimpfungen zurück„, so Fuhrmann. Weiterer Grund könne sein, wie geimpft wird: „Sind zunächst nur die Pflegeheime an der Reihe, dauert das länger.“ Eine Sprecherin des niedersächsischen Gesundheitsministeriums verweist darauf, dass das Land erst ab dem 4. Januar in die „flächendeckenden Impfungen in Pflegeheimen“ gegangen sei. Am Anfang habe man sich zunächst auf „Hotspots“ konzentriert. Dies seien etwa Pflegeheime mit Ausbrüchen. „Insofern waren wir anfangs ein wenig zurückhaltender.“

Große Unterschiede gibt es auch bei den Impfungen durch mobile Teams: Im Land Bremen fahren 17 Teams Pflegeheime an. „Sie schaffen am Tag zwischen 200 und 800 Impfungen“, so Fuhrmann. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, verabreichen in Hamburg 25 Teams pro Tag 800 Impfungen, in Schleswig-Holstein schaffen 19 Teams 2000 Impfungen täglich. Das Tempo hänge auch an der Größe der Heime. „Kleine Heime bedeuten nicht weniger Aufwand bei Vorbereitung und Ablauf, dort schaffen die Teams aber nicht so viel. Vielleicht gibt es in Schleswig-Holstein mehr größere Heime.“

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Für die Bremer Kliniken gab es am Freitag beim Impfen eine schlechte Nachricht. Dort wird das Vakzin von Moderna verwendet. Die nächste Lieferung war ursprünglich für Mitte der kommenden Woche angekündigt worden, wird nach Mitteilung der Gesundheitsbehörde aber am 31. Januar oder 1. Februar erfolgen. „Es ist verdammt ärgerlich, dass es erneut Abweichungen bei den Lieferplänen gibt", erklärt Senatorin Claudia Bernhard (Linke). Das sorge verständlicherweise für Frust und Unverständnis. Ergebnis sei, dass an den Beschäftigten zunächst keine weiteren Erstimpfungen vorgenommen werden könnten.

Die spätestens am 1. Februar zu erwartenden 1200 Dosen würden zunächst zurückgehalten, um die zweite Impfung mit Moderna sicherzustellen. „Wir werden in der Kalenderwoche 6 die Beschäftigten in den Kliniken zum zweiten Mal impfen, die in der vergangenen Woche ihre erste Impfung erhalten haben. Zur weiteren Planung in den Kliniken müssen wir die nächsten Lieferankündigungen von Moderna abwarten“, so Bernhard.

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Mehr als jeder zweite Pflegeheimbewohner in Deutschland hat laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) inzwischen eine erste Impfung erhalten. Man habe allen Grund zur Annahme, dass bis Mitte Februar in allen Pflegeheimen ein Impfangebot gemacht werden könne. Spahn zeigte sich insgesamt optimistisch: „Dieser Winter ist nicht leicht, aber ich bin sicher, wir haben Aussicht auf einen besseren Sommer.“ Ziel sei, bei weiteren Zulassungen, im Sommer jeden, der möchte, impfen zu können.

Info

Zur Sache

Taxi-Gutscheine

Über 80-jährige Bremerinnen und Bremer, die eine Impfeinladung bekommen, können demnächst kostenlos mit dem Taxi zum Impfzentrum und zurück fahren – wenn die Fahrtkosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Das hat der Senat am Donnerstag beschlossen. Über den konkreten Ablauf will die Gesundheitsbehörde noch informieren. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen auch die gesetzlichen Kassen für Taxifahrten: Die AOK Bremen/Bremerhaven etwa verschickt dafür seit Freitag Taxigutscheine an zunächst ab 85-jährige Versicherte mit Schwerbehinderung und Pflegegrad 3,4 und 5, sie benötigen dafür kein Attest vom Arzt.

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