Bekennerschreiben aufgetaucht

Fall Magnitz: Staatsanwaltschaft will Video veröffentlichen

Nach der Veröffentlichung eines Bekennerschreibens im Fall Magnitz untersucht die Staatsanwaltschaft die Echtheit. Für eine Öffentlichkeitsfahndung soll nun auch das Video veröffentlicht werden.
10.01.2019, 11:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn Ina Bullwinkel
Fall Magnitz: Staatsanwaltschaft will Video veröffentlichen

Kriminaltechniker am Tatort.

Reuters/ Fabian Bimmer

Wie der Überfall auf den Bremer AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz abgelaufen ist, wird jetzt öffentlich. Die Ermittler haben sich dazu entschieden, die Bilder, die die Überwachungskamera im Hinterhof des Theaters am Goetheplatz am späten Montagnachmittag aufgezeichnet hatte, freizugeben und damit die Fahndung nach den Tätern auszuweiten. Am Donnerstagnachmittag erteilte das Bremer Amtsgericht die Anordnung für die Aktion, sie ist per Gesetz vorgeschrieben.

Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, sagt: „Ich gehe davon aus, dass das Video möglicherweise schon am Freitag zu sehen sein wird.“ Auch die Bremer Polizei spricht von einer „zeitnahen“ Veröffentlichung, sobald alle technischen Details geklärt seien. Zuvor hatten die Mitglieder der Sonderkommission „Goetheplatz“ die Aufnahmen ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch bereits darüber gesprochen, was auf den Bildern zu sehen ist – ihre Angaben widersprechen der Darstellung des Überfalls durch die Bremer AfD in zwei Mitteilungen.

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Für die Ermittlersteht fest, dass die drei Männer Magnitz nicht mit einem Kantholz oder einem ähnlichen Gegenstand niedergeschlagen haben. Ebenso sind laut Passade die Täter sofort geflohen, nachdem einer von ihnen dem Politiker in den Rücken gesprungen war, und haben nicht auf den am Boden liegenden Magnitz eingetreten. Die AfD war auch nach Veröffentlichung der Details bei ihrer Darstellung geblieben und hatte ihrerseits Einsicht in das Überwachungsvideo verlangt.

Täter weiterhin gesucht

Die drei Männer werden weiterhin gesucht. Die Ermittler werfen ihnen gefährliche Körperverletzung vor. Inzwischen sind laut Sprecher Nils Matthiesen sechs Hinweise auf dem Portal eingegangen, das die Polizei am Mittwoch für Fotos und Videos, die zum Zeitpunkt der Tat in der Umgebung des Goetheplatzes aufgenommen wurden, freigeschaltet hatte. „Wir hoffen auf weitere Fotos, Videos und andere Hinweise“, sagt Matthiesen.

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Während die Veröffentlichung des Überwachungsvideos möglicherweise neue Hinweise auf die Täter und ihre Motive gibt, sorgte ein angebliches Bekennerschreiben im Internet zumindest in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Die Staatsanwaltschaft überprüft derzeit noch die Echtheit des Dokuments. Es gibt aber offenbar, das ist auch aus Sicherheitskreisen zu vernehmen, starke Zweifel daran.

Am Mittwochabend war das Schreiben auf der Webseite Indymedia gepostet, aber danach schnell wieder gelöscht worden. Eine Gruppe namens „Antifaschistischer Frühling“ behauptete darin, sie habe Magnitz „von seinem faschistischen Gedankengut befreien“ wollen. Laut Polizei sind Aktivisten mit dem Namen „Antifaschistischer Frühling“ in Bremen bisher nicht aufgetreten.

Keine Kontrolle vor der Veröffentlichung von Texten

Die linkspolitische Internetseite Indy­media gilt als Nachfolger der seit August 2017 unter anderem wegen verfassungsfeindlicher Inhalte verbotenen Website linksunten.indymedia.org. Auf Indymedia gibt es eine frei zugängliche Funktion, über die jeder Texte ins Netz stellen kann. Inhalte werden vor der Veröffentlichung nicht kontrolliert.

Auch der Bremer Politikwissenschaftler Andreas Klee zweifelt an der Echtheit des Bekennerschreibens. „Das alles ist wenigstens merkwürdig“, sagt er. Er frage sich, warum ein Bekenntnis nicht schon früher veröffentlicht wurde, wenn sich jemand tatsächlich über die Tat habe profilieren wollen. „Gerade als die erste von der AfD veröffentlichte Version zum Ablauf der Tat ins Wanken gerät, taucht ein Bekennerschreiben auf“, sagt Klee.

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In der Regel finde auf etablierten Plattformen wie Indymedia eine relativ große Selbstkontrolle statt. Das schnelle Löschen des angeblichen Bekennerschreibens deutet Klee deshalb als starkes Signal dafür, dass es nicht authentisch sei. „In dem ganzen Fall geht es nicht um einen politischen Konflikt, sondern um eine reine Boulevardinszenierung. Wir alle täten sehr gut daran, ein bisschen Zeit vergehen zu lassen und abzuwarten, was tatsächlich hinter dem Vorfall steckt“, sagt er.

In Mecklenburg-Vorpommern ist am Donnerstag erneut ein AfD-Politiker Ziel einer mutmaßlich politisch motivierten Attacke geworden. Der Briefkasten von Fraktionsvize Stephan J. Reuken wurde durch Böller gesprengt und „Nazischweine“ an die Hauswand geschmiert. Reuken blieb unverletzt.

++ Diese Meldung wurde um 20:45 Uhr aktualisiert. ++

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