Airlines weiten Streckenangebot aus

Bremer Flughafen fährt Betrieb wieder hoch

Schritt für Schritt weiten die Airlines ihr Streckenangebot am Bremer Flughafen wieder aus. Am niedrigsten Stand der Passagierzahlen seit den 1970er-Jahren wird das aber nichts ändern.
06.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Flughafen fährt Betrieb wieder hoch
Von Marc Hagedorn
Bremer Flughafen fährt Betrieb wieder hoch

Historischer Tiefstand: Für den April in dieses Jahres weist die Statistik der Fluggastzahlen am Bremer Flughafen nur 102 Passagiere aus.

Frank Thomas Koch

Die Flughäfen in Norddeutschland fahren ihren Betrieb langsam wieder hoch. Viele Fluggesellschaften weiten ihr Streckenangebot nach Wochen des Stillstands schrittweise wieder aus. Davon profitiert auch der Hans-Koschnick-Airport in Bremen. Seit wenigen Tagen sind Wizzair mit dem Ziel Wien und die Lufthansa-Tochter Eurowings mit dem Ziel Stuttgart wieder am Start.

Als Erstes war die Lufthansa vor gut zwei Wochen wieder nach München geflogen. Sie ist seitdem an sechs Tagen im Einsatz, ab Mitte dieses Monats sollen es zwölf Flüge pro Woche sein. Auch nach Frankfurt geht es dann wieder, und zwar sieben Mal pro Woche. Ryanair hatte am Donnerstag angekündigt, ab Anfang Juli wieder sieben Ziele in Europa von Bremen aus anzufliegen. „Das ist für uns eine gute Nachricht“, kommentierte Bremens Flughafen-Chef Elmar Kleinert. Urlaubsflieger von Ryanair gehen ab Anfang Juli unter anderem wieder nach Mallorca, Alicante, Malaga und Thessaloniki. Nach und nach sollen die weiteren Airlines folgen.

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Hinter dem Hans-Koschnick-Airport liegen Wochen voller schlechter Nachrichten, nachdem das Jahr mit steigenden Passagierzahlen gut begonnen hatte. Aber dann kam Corona und ließ die Fluggastzahlen einbrechen. 73.000 Passagiere im März bedeuteten eine Halbierung im Vergleich zum März 2019. Der Monat April sorgte für einen historischen Tiefststand. 102 Passagiere weist die Statistik für April aus, ein Jahr zuvor waren es für diesen Monat mehr als 211.000 Fluggäste gewesen.

2020 dürfte das Jahr mit den niedrigsten Fluggastzahlen seit Ende der 1970er-Jahre werden. „Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2020 rund 600.000 Passagiere haben werden“, teilte eine Flughafensprecherin mit. Das sind rund 1,7 Millionen weniger als im vergangenen Jahr. „Am Ende hängt es davon ab, wie schnell der Passagierverkehr wieder losgeht“, so die Sprecherin weiter. Bis Ende Juli wollen fast alle Airlines wieder ab Bremen fliegen.

Ab Juli wieder nach Mallorca fliegen

Die Stralsunder Fluggesellschaft Sundair etwa plant, ab dem 14. Juli und damit pünktlich zum Beginn der Sommerferien unter anderem ihre Ziele Antalya, Fuerteventura, Palma und Rhodos anzusteuern. Turkish Airlines nimmt voraussichtlich Ende Juni den Betrieb in Bremen wieder auf, die Billigflieger Pegasus, Sun Express und Corendon im Juli. Ab Juli will auch Eurowings wieder nach Mallorca fliegen. KLM und Air France steigen ab August als Letzte wieder ein.

Am dramatischen Umsatzverlust von 33 Millionen Euro bis Jahresende wird die verstärkte Wiederaufnahme nichts ändern. Bis Juni 2021 benötigt der Flughafen 28 Millionen Euro, um geschäftsfähig zu bleiben. Seit Ende März befindet sich der überwiegende Teil der 450-köpfigen Belegschaft in Kurzarbeit.

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Mit seinen Sorgen und Problemen steht Bremen nicht alleine dar. Auch Hannover beklagt Einbrüche in bisher unbekanntem Ausmaß. „Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich einen mittleren zweistelligen Millionenverlust hinnehmen müssen“, erklärte eine Flughafen-Sprecherin auf Anfrage des WESER-KURIER. Genau wie in Bremen wird auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt der Linienflugverkehr jetzt langsam wieder hochgefahren. Ab Hannover gehen inzwischen wieder täglich Flieger nach Frankfurt und München.

Auch in Hamburg kommt der Flugverkehr wieder in Gang. Bis Ende dieses Monats sollen rund 40 Reiseziele direkt ab Hamburg erreichbar sein. „Fast täglich kommen neue Verbindungen hinzu“, sagte Sprecherin Katja Bromm. Schon jetzt werden Palma, Wien, London und Zürich wieder angeflogen. Ab Ende Juni stehen auch Ziele wie Ibiza, Teneriffa oder Kreta auf dem Flugplan.

Viele Neuerungen

Die Fluggäste müssen sich dabei auf viele Neuerungen einstellen. Mund- und Nasenschutz sind in den Flughafengebäuden sowie in den Fliegern Pflicht. Es gelten Hygiene- und Abstandsregeln. Der Service an Bord ist heruntergefahren. Das Boarding findet in mehreren kleinen Gruppen statt. Auch auf größeren Flughäfen wie Hamburg soll der Weg vom Gate zum Flieger nach Möglichkeit zu Fuß zurückgelegt werden. Wenn ein Bustransfer über das Rollfeld nicht zu vermeiden ist, werde laut Flughafen die maximale Passagieranzahl pro Bus begrenzt, und es würden mehr Fahrzeuge eingesetzt, um Abstand zu gewährleisten.

Wie sehr die Reisebranche in der Krise steckt, zeigt das Beispiel Tuifly. Der Ferienflieger, der zum Tui-Konzern gehört, will seine Flotte von 39 Jets halbieren und Standorte schließen. Für Bremen ändert sich nichts: Hier ist das Unternehmen nicht mehr präsent. Es gebe noch mit einigen Mitarbeitern Altverträge, in denen Bremen als Standort eingetragen sei, sagte ein Tui-Sprecher. Tatsächlich würden diese Mitarbeiter aber längst woanders arbeiten, etwa in Hannover.

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