Beiräte schließen Flächen aus Freiluftpartys bleiben umstritten

Wo dürfen spontane Open-Air-Partys stattfinden und wo nicht? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Stadtteilpolitiker im Bremer Süden. Und manche legen den Feierfreudigen mächtige Steine in den Weg.
17.01.2018, 18:22
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Hasemann und Karin Mörtel

Die Diskussion um nicht-kommerzielle Freiluftpartys ist in den Stadtteilen links der Weser neu entbrannt. Anlass sind die neuen Regeln für spontane Feiern im Stadtgebiet, die die Bremische Bürgerschaft – wie berichtet – Ende 2017 auf den Weg gebracht hat. Diese sollten das Verfahren praxistauglicher machen. Das überarbeitete Ortsgesetz hat im Bremer Süden unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: In manchen Bereichen werden künftig mehr Orte als bislang für Freiluftpartys ausgeschlossen. Andere Stadtteile wollen versuchsweise alle Flächen für Partys freigeben.

Die neuen Spielregeln für Open-Air-Feiern sehen keine Obergrenze von 300 Teilnehmern mehr vor. Außerdem dürfen Partys fortan häufiger gefeiert werden. Bisher galt die Faustregel von fünf Partys pro Jahr an einem Ort, nun sind es sieben. Da es sich um Spontanpartys handelt, dürften diese weder langfristig geplant noch beworben werden. Sie müssen weiterhin bei den zuständigen Behörden angemeldet werden, und die Veranstalter müssen den Platz am folgenden Tag aufgeräumt hinterlassen sowie vorab einen Verantwortlichen beim Stadtamt angeben. Ausgenommen von Partys bleiben Naturdenkmäler, Natur- oder Landschaftsschutzgebiete und Flächen, die der jeweilige Beirat bestimmt. Der Hauptkritikpunkt der Gegner von Freiluftpartys: Müll und Lärm.

Beirat Seehausen: "Kein Platz für Freiluftfeten"

Grund genug für den Beirat Seehausen, weiterhin – wie bereits seit 2016 – darauf zu bestehen, dass in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich keine einzige Party genehmigt werden soll. „Wir haben keinen geeigneten Platz für Freiluftfeten“, sagt Ortsamtsleiter Gerd Aumund. Das Dorf sei umgeben von Naturschutzgebieten, und alle anderen Flächen wie am Weserufer seien zu nah an der Wohnbebauung. Eine im August 2017 vom Stadtamt irrtümlicherweise genehmigte Party im angrenzenden Naturschutzgebiet habe im Ort für große Verärgerung gesorgt. „Wir gehen davon aus, dass man unseren neuen Beschluss nun ernst nimmt“, mahnt Aumund.

Auch in Woltmershausen überwiegend bei den Ortspolitikern die abwehrende Haltung gegenüber spontanen Feiern im Stadtteil. Zum Jahresende schloss der Beirat unter Protest des Linkenpolitikers Mazlum Koc zu den bisherigen vier Flächen zwei zusätzliche aus: die Landzunge des Lankenauer Höft mit Ausnahme der Wiese, die sich gegenüber vom Pier 2 befindet; außerdem sollen auf dem Stromer Berg an der Stromer Landstraße keine Partys mehr steigen.

An der Stromer Landstraße haben 2017 von den insgesamt zehn im Bremer Süden genehmigten Freiluftpartys vier stattgefunden. Die Landspitze des Lankenauer Höft ist mit drei Partys ebenfalls beliebt gewesen, vier weitere fanden auf der Landzunge am Hohentorshafen statt. Letztere Fläche will der Woltmershauser Beirat noch prüfen, ob sie nicht ebenfalls ausgeschlossen werden solle. „So wird hier versucht, eine Kulturart aus dem Stadtteil rauszuhalten. Wir können doch nicht alle Orte verbieten, wo man Freiluftpartys machen könnte“, kritisierte Koc seine Beiratskollegen.

Probezeit für Freiluftfeten

In anderen Stadtteilen scheinen Freiluft­partys kein Aufreger-Thema zu sein. „Aus der Neustadt liegt noch keine Beschluss­fassung vor“, sagt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon. Und auch in der Januarsitzung steht das Thema nicht auf der Tagesordnung. Zur Frage, ob das Stadtteilparlament auch 2018 Orte wie bislang das Werdersee-Ufer ausschließen möchte, haben sich die Beiratssprecher bis Redaktionsschluss nicht geäußert. Das lässt vermuten, dass der Beirat vorläufig keine Ausschlussorte aussprechen will. Einen ähnlichen Pfad schlagen auch die Stadtteile Huchting, Obervieland und Strom ein. Dort verzichtet man ganz selbstbewusst auf eine Neufassung der bisherigen Stellungnahmen, ohne die laut Gesetz automatisch von einer prinzipiellen Freigabe der Beiräte ausgegangen wird.

„Da kann eigentlich nichts schiefgehen, da wir vor einer Party-Genehmigung ohnehin nochmals gefragt werden“, zeigt sich der Obervielander Ortsamtsleiter Michael Radolla gelassen. Sollte sich zeigen, dass es Schwierigkeiten gebe, könne der Beirat immer noch nachträglich Flächen ausschließen, die sich in der Praxis als ungeeignet erweisen. Bislang war vorsorglich der Obervielander Bereich am Werdersee für spontane Feiern tabu. „Bei uns im Stadtteil wurden noch gar keine Partys veranstaltet, daher gibt es bislang auch keinen Handlungsbedarf“, so der Ortsamtsleiter. Seine Amtskollegen in Huchting und Strom argumentieren ähnlich.

Tatsächlich ist es so, dass viele Partys größtenteils unbemerkt von der Öffentlichkeit gefeiert werden. Veranstaltungsort und -datum werden häufig nur über Mundpropaganda bekanntgegeben. Ein Bericht der Polizei Bremen zu den Freiluftpartys liest sich denn auch eher unaufgeregt: Wie im Vorjahr fanden 2017 stadtweit 29 Partys statt. Dabei kam es zu 18 Anwohnerbeschwerden, vor allem wegen Lärms.

In 17 Fällen sei die Polizei eingeschritten, und in allen Fällen habe nach einer Ansprache ordnungswidriges Verhalten abgestellt werden können oder es habe gar keines vorgelegen, heißt es.

Alle Veranstalter hätten sich „durchweg kooperativ“ verhalten. Aufgelöst werden musste keine einzige Party. Die Polizei registrierte auch keine Vorkommnisse wie Sachbeschädigungen oder Körperverletzungen. Müll und Verunreinigungen seien beseitigt worden. Einzig das Wildpinkeln bemängelte die Polizei.

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