Einige Spielefans kommen extra aus der Schweiz

Großer Andrang bei den Bremer Spiele-Tagen

Die Volkshochschule ist am Samstag, 2., und Sonntag, 3. März, ein Eldorado für Spielefans. Sie finden bei den Bremer Spiele-Tagen Neuigkeiten und Klassiker zum Ausprobieren.
02.03.2019, 18:29
Lesedauer: 3 Min
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Großer Andrang bei den Bremer Spiele-Tagen
Von Nina Willborn

Katrin und Stefan Hausner sehen ein bisschen ermattet aus, wie sie da so stehen, an eine Wand gelehnt in der dritten Etage des Bamberger Hochhauses an der Faulenstraße, Kaffeebecher in der Hand. Das Paar aus Syke braucht kurz mal eine Pause von dem ganzen Wahnsinn, der in schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr Ende Februar in der Volkshochschule ausbricht, dann nämlich, wenn Andreas Ebert zu den längst über die Stadt- und sogar die deutsche Landesgrenze hinaus berühmten Bremer Spiele-Tagen einlädt.

An diesem Sonnabend haben Eberts Helfer am Einlass schon 1300 Menschen gezählt, und es ist gerade mal Mittag. Die ersten standen schon zwei Stunden vorm Einlass um 10 Uhr an, um sich als erste auf die Bretter zu stürzen, die für Spielefans ein paar Stunden lang die Welt bedeuten.

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Wessen Kenntnisse von Gesellschaftsspielen ungefähr bei „Risiko“ und „Das verrückte Labyrinth“ aufhören, der wird hier schier erschlagen von der Masse und Vielfältigkeit des Angebots. Über Bretter und Kartenspiele gebeugte Köpfe, alt wie jung, in den Seminarräumen auf insgesamt fünf Etagen, unzählige bunte Figürchen, Würfel, Spielkarten und Pappkartons.

1300 neue Spiele bringen die Verlage in jedem Jahr auf den Markt, die meisten von ihnen können bei den Spiele-Tagen ausprobiert werden. Viele der Verlage haben Mitarbeiter nach Bremen geschickt, die die neuen Spiele vorstellen, erklärt Ebert, der normalerweise die Volkshochschul-Fachbereiche Politik, Gesellschaft und Umwelt verantwortet.

Auch Spiele-Klassiker sind vertreten

Natürlich gibt es ebenso die Klassiker wie „Die Siedler von Catan“, auch Schach hat seinen eigenen Raum. In einem anderen finden sich die optisch spektakulären großformatigen Tabletop-Spiele, bei denen zum Beispiel die Strategie einer Schlacht aus dem englischen Bürgerkrieg nachempfunden werden kann. Und wer mal eine Denkpause braucht, kann sich bei „Wey-Kick“ (in Werderoptik oder in Naturfarben) oder am mobilen Kickertisch von „Flixen“, erstmals bei den Spiele-Tagen vertreten, auspowern – ein bisschen Wartezeit vorausgesetzt, der Andrang ist groß.

Auf Wunsch wird bei jedem Spiel natürlich auch erklärt, wie es funktioniert. „Insgesamt sind 120 Helfer hier, 80 Prozent von ihnen arbeiten ehrenamtlich“, sagt der Organisator, der die Spiele-Tage zusammen mit dem Spieleklub Stechmücke zum ersten Mal 2007 veranstaltete. „Schon damals kamen 1300 Leute, erwartet hatten wir vielleicht 300.“ An diesem Wochenende werden es voraussichtlich wieder mehr als 3500 sein.

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Die Hausners zum Beispiel haben ihre Canasta-Partner mitgebracht. „Die sind eigentlich gar nicht so für Brettspiele zu haben und waren vorher ein bisschen skeptisch, sind aber jetzt auch begeistert“, erzählt Katrin beim Kaffee. Sie und ihr Mann haben sich nach einer ersten Runde „Azul“ vom Bremer Spieleentwickler Michael Kiesling, dem aktuellen „Spiel des Jahres“, für den Nachmittag noch die weiteren Versionen des Taktik-Legespiels vorgenommen. „Wenn man sich mit neuen Spielen beschäftigt, rostet man nicht so ein“, sagt die Sykerin. „Auch unser Sohn ist ein begeisterter Spieler, der bringt uns immer auf Stand, was die Neuigkeiten angeht.“

Erfinder stellen ihre Prototypen vor

Dass sein „Era of Tribes“ auch bald zu den Spiele-Neuigkeiten gehört, hofft Arne Lorenz. Er sitzt im Raum der Erfinder, die ihre Prototypen vorstellen. Rund zehn Jahre, wenn auch mit Unterbrechungen, hat er gebraucht. Jetzt entspricht das Spiel mit dem Ziel, ein Volk sicher durch verschiedene Zeitalter zu bringen, seinen Ansprüchen. „Ich wollte ein Zivilisationsspiel, das man auch in zwei bis drei Stunden spielen kann“, sagt Lorenz, „bei den anderen hat mir immer etwas gefehlt oder sie waren mir zu lang.“ Das Geld für die Veröffentlichung soll bei einer Kickstarter-Aktion im Mai zusammenkommen. „Irgendwann dann 1000 Spiele verkauft zu haben, wäre toll“, sagt Lorenz.

Weitere Informationen

Die Bremer Spiele-Tage sind an diesem Sonntag in der Volkshochschule, Faulenstraße 69, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren, es gibt auch eine Familienkarte für 9,50 Euro.

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