Regionalausschuss Galopprennbahn

Platz für seltene Arten erhalten

Der Regionalausschuss Galopprennbahn möchte Biologen in die weiteren Überlegungen zur Nutzung der Galopprennbahn einbeziehen. Diese nutzen das Gelände als Lehr- und Lernort.
03.05.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Platz für seltene Arten erhalten
Von Christian Hasemann

Der Regionalausschuss Galopprennbahn hatte in seiner jüngsten Sitzung noch Diskussionsbedarf zu einigen Punkten der Ergebnisse des Runden Tisches Galopprennbahn. Diese sollen nun noch einmal in den Fraktionen diskutiert werden.

Zum Hintergrund: Der Runde Tisch hatte sich einerseits im Konsens auf Qualitätsziele, darunter Natur- und Klimaschutz, und andererseits auf Bausteine für das Flächenprogramm geeinigt. Zentrale Ziele für Letztere: Neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere und Erhöhung der Biodiversität sowie Verbesserung des Stadtklimas und Minderung der Folgen des Klimawandels.

Einigkeit herrschte bei den Teilnehmern des Regionalausschusses, der sich aus den Beiratsmitgliedern der betroffenen Stadtteile Hemelingen und Vahr zusammensetzt, aber darin, zusätzliche Expertise in die Überlegungen einfließen zu lassen, was auf der Galopprennbahn zukünftig möglich sein soll.

Hochschule lehrt auf Rennbahn

Der Grund für diese Anregung aus dem Regionalausschuss für den Runden Tisch geht auf den Vortrag von Dietmar Zacharias und Thomas Kleforth zurück. Die beiden Biologen der Hochschule Bremen sind Zwischennutzer des Geländes und bieten dort den praktischen Methodenteil für Studierende der Hochschule an.

„Wir haben zum Beispiel eine Fischbestandserhebung gemacht und haben mit Netzen, Krebsreusen und Elektrofischen 13 Fischarten in den Gewässern nachweisen können“, beschrieb Kleforth das Tun auf dem Gelände. Darunter seien mit dem Steinbeißer und dem Bitterling Fische gewesen, die besonderem Schutz unterlägen. Bei Letzterem spricht Kleforth von einer Population mit regionaler Bedeutung. Das große Auftreten hänge mit einem starken Vorkommen der Teichmuschel zusammen, auf die der kleine Fisch angewiesen ist.

Seltene Arten in Teichen

In den Gewässern tummelt sich außerdem der Edelkrebs, dessen natürliche Bestände in Deutschland nahezu ausgestorben sind. Die Krebse waren dann auch Forschungsgegenstand. Die Biologen beobachteten, wie sich ausgesetzte Jungtiere über den Winter entwickelten. „Diese Forschung ist für Ansiedlungsprojekte wichtig“, so Kleforth. Tatsächlich haben die Krebse den teils strengen Winter gut überstanden. „Das bedeutet, dass Jungkrebse bei ansonsten geeigneten Gewässern angesiedelt werden können.“

Die Edelkrebs- und Bitterling-Bestände auf der Rennbahn gehen auf eine frühere Ansiedlung zurück, mit der die Gewässer biologisch im Gleichgewicht gehalten werden sollen.

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Vom Bitterling profitiert außerdem ein kleiner, seltener Vogel: „Wir konnten außerdem Eisvögel beobachten“, so Kleforth. Dieser sei genau auf solche Fische wie den Bitterling angewiesen.

Interessanten Baumbestand hat Dietmar Zacharias mit seinen Studierenden in der nordöstlichen Ecke des Geländes entdeckt. „Im Schutze des Zaunes ist so etwas wie eine kleine Wildnis entstanden.“ Aus seiner Sicht sei dieser Bereich wertvoll und sollte so erhalten bleiben. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Bereich ruhig gehalten und sich selbst überlassen wird.“

Sandbunker als Lebensraum

Er fände es gut, wenn der Wildnischarakter in der Ecke erhalten bliebe. Sein Appell für die zukünftige Nutzung: „Es werden viele Menschen kommen, wichtig wäre, dass man viele freie Flächen hat und nicht zu sehr versiegelt.“ Es sollte nicht jedes Sandloch zugepflanzt werden. „Die gehören da hin und sind wichtig“, so die Sicht des Biologen, der mit seinen Studierenden die Abbruchkanten der Sandbunker der Golfanlage als Nistmöglichkeiten für Wildbienen ausgemacht hat.

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Gerhard Scherer (CDU), Sprecher des Ausschusses, schlug vor, dass der Runde Tisch die Biologen der Hochschule in die weiteren Planungen mit einbeziehen sollte. Ein Vorschlag, der im Regionalausschuss als Anregung aufgenommen wurde. Weiteren Diskussionsbedarf gab es allerdings bei anderen Punkten, zu denen der Regionalausschuss Stellung beziehen sollte.

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Gerade der Punkt Multifunktionshalle, der vom Runden Tisch als Möglichkeit für eine zukünftige Nutzung genannt wurde, blieb in der Diskussion umstritten. Kerstin Biegemann (Grüne) befürchtet: „Eine Halle würde eine große Versiegelung bedeuten.“ Zustimmung erhielt sie von Carsten Koczwara (Die Partei). „Eine Halle ist eine Bebauung, die ja eigentlich nicht gewollt ist.“ Der Bau einer Halle würde einen ganzen Rattenschwanz weiterer Maßnahmen nach sich ziehen. „Verkehr, Wege, Parkplätze“, zählte Koczwara auf.

Oliver Saake (Grüne) wiederum erinnerte daran, dass es darum gehe, überhaupt erst Sachen in die Planung zu geben mit der Frage, ob sie mit den Zielen für die Rennbahn überhaupt vereinbar seien. „Wir schaffen hier nur die Grundlagen.“ Ob tatsächlich für alle Vorschläge Flächen angeboten werden können würde sich erst danach entscheiden.

Ralf Bohr (Grüne) erinnerte daran, dass die lokalen Sportvereine und das Sportamt im Regionalausschuss berichtet hatten, dass ein Bedarf bestehe. „Das ist keine Phantomdiskussion, die wir hier führen.“

Eine abschließende Stellungnahme für den Runden Tisch konnte der Regionalausschuss in diesem Punkt nicht erzielen. Nun soll noch einmal in den Fraktionen beraten werden.

Der Regionalausschuss einigte sich hingegen darauf, weitere Punkte zur Prüfung an den Runden Tisch weiterzugeben. Darunter die Forderung, naturschutzrelevante Bereiche von Nutzungen auszuschließen, die Hochschule Bremen mit einzubeziehen und die Prüfung, ob die Tribüne unter Denkmalschutz gestellt werden kann.

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Zur Sache

Naturschutz

Das Thema Wildnis, also Bereiche, in denen sich die Natur komplett ohne menschlichen Eingriff entwickeln kann, rückt zunehmend in den Blick des Naturschutzes. Zwei Prozent der Fläche Deutschlands sollten per Vorschrift bis 2020 Wildnis sein, tatsächlich sind es 0,6 Prozent. Kein Bundesland erreicht das Ziel. In Niedersachsen sind es 0,55 Prozent. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit 1,58 Prozent. Wildnisbereiche gelten als unverzichtbar für den Schutz der Artenvielfalt.

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