Restaurantbesprechung

Hochwertige Genüsse und zwangloses Ambiente

Das Jan Tabac bietet hochwertige Genüsse, zwangloses Ambiente und einen herzlichen und zuvorkommenden Service. Diese Kombination möchte man am liebsten immer wieder erleben, wenn man sie einmal genossen hat.
10.10.2018, 22:55
Lesedauer: 3 Min
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Hochwertige Genüsse und zwangloses Ambiente
Von Marcel Auermann

Schon vor dem Restaurant fiel uns auf der Kreidetafel eines besonders ins Auge: Der Gast wird im Jan Tabac geduzt. Und das hielt Chefkoch Pepe Madrid, der an diesem Abend zugleich den Service mitmachte, konsequent durch. Wir empfanden es als passend. Weil das zu diesem kleinen, ja schon fast winzigen Lokal passt. Man rückt etwas enger zusammen und kommt schon auch mal einfach mit den Gästen am Nachbartisch ins Gespräch.

Über die Theke hinweg sieht der Gast immer, was in den Kochtöpfen blubbert. Zudem, und das merkten wir recht schnell, geht es im Jan Tabac recht zwanglos und unkompliziert, an manchen Stellen vielleicht sogar experimentell bis hemdsärmelig zu. Dennoch wollen Pepe Madrid und sein Koch Kevin Schumann einem einen erstklassigen Abend bieten.

Das merkten wir daran, wie Madrid uns die Speisekarte noch einmal in eigenen Worten vortrug und auf jeden Wunsch eingegangen wäre; wie er die Gästen umsorgte; wie er mit Augenmaß 0,1 Liter Wein einschenkte und es ihm egal war, ob da mehr im Glas ist; wie er irgendwann zu späterer Stunde mit der Etagere durchs Restaurant lief und uns von den von Schumann selbst gemachten Pralinen probieren ließ und, und, und. Es waren so viele kleine Dinge, die uns positiv auffielen.

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Sie waren herausragend, weil sich der Gast nicht nur als Zahlemann vorkam. Ins Jan Tabac kommt man als Gast, und geht als jemand, der unbedingt wieder kommen mag, weil er diese Behandlung so sehr genossen hat. Deshalb: Bitte, bitte diesen zwanglosen, herzlichen, zuvorkommenden Stil nie ändern!

Was aber lag nun auf den Tellern? Darauf kommt es ja schließlich auch an. Wir wurden nicht enttäuscht. Meine Begleitung startete mit einer herrlich schaumig geschlagenen Maronensuppe (elf Euro), die einerseits herzhafte, aber auch leicht süßliche Anklänge in sich trug. Dazu servierte die Crew Entenröllchen, die so frisch waren, dass sie beim Schneiden zerfielen.

Ich entschied mich für das Drei-Gänge-Menü, das mit 59 Euro sehr gut kalkuliert ist, da es einen Aperitif (Bellini), zu jedem Gang einen korrespondierenden Wein und zum Nachtisch einen Espresso beinhaltet. Es ging also los mit Shrimp-Cake, was eher drei kleine Shrimp-Frikadellen waren, die eine ganz lockere Konsistenz, eine knackige Schärfe und ein volles Koriander-Aroma besaßen.

Dazu verteilten sich auf dem Teller kleine Kleckse von Guacamole und Kimchi-Mayonnaise, in die ich die Shrimps tauchte und damit den Geschmack noch verfeinerte. Ins Glas schenkte Pepe Madrid zu diesem Gang einen trockenen Riesling von Dr. Loosen von der Mosel, der die von der Schärfe gereizte Zunge mit seiner Fruchtigkeite schön beruhigte. Im Abgang kam sogar etwas Hölzernes zum Vorschein.

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Das Jan Tabac hat stets Steaks vom Grill auf der Karte. So entschied sich meine Begleitung für ein T-Bone-Steak. Und dieser 750-Gramm-Hammer war die Schau. Das Fleisch war auf den Punkt medium gegrillt, zart, mit einer grandios schmeckenden Fettschicht versehen. Dieses erstklassige Fleisch schlug, und das gab es dann erst mit der Rechnung zu sehen, mit 63 Euro zu Buche. Dagegen wirkte mein Hauptgang klein. Für mich gab es Ossobuco, das so mürbe gegart war, dass es nahezu von allein vom Knochen fiel. Als Beilage lieferte der Koch Kartoffelstampf, den ich mir geschmeidiger, cremiger gewünscht hätte und kurz gebratene Möhren, die mit einer schönen Butternote glänzten.

Als ich dann mit meiner Portion fertig war, wanderten die Gabel und das Messer immer wieder hinüber zum T-Bone-Steak meiner Begleitung. Von diesem tollen Teil wollten wir nichts in die Küche zurückgeben. Es war lediglich mit Rosmarinzweigen gebraten und danach mit Fleur de Sel bestreut, aber einfach großartig. Dazu tranken wir beide einen 2013er Pinot Noir vom Weingut Burkhart aus Baden, der mit seiner Kraft dem Fleisch prima standhalten konnte.

Als Nachtisch beinhaltete das Menü eine Safran-Crème-brûlée, die Süße und den Geschmack von Rosen vereinte. Eine interessante, harmonische Verbindung. Meine Begleitung genoss einen Valrhona-Schokokuchen mit flüssigem Kern und weißem Schokoschaum (elf Euro).

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Fazit: Das Jan Tabac bietet hochwertige Genüsse und dazu ein zwangloses Ambiente und einen herzlichen Service. Diese Kombination möchte man immer wieder erleben, wenn man sie einmal genossen hat.

Restaurant Jan Tabac, Weserstraße 93, 28757 Bremen, Telefon: 0421 69891130, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 18 Uhr, teils barrierefrei, Internet: www.jan-tabac.de

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