Bürgerschaftswahl in Bremen Journalist Hinrich Lührssen will AfD-Spitzenkandidat werden

Der Fernsehjournalist Hinrich Lührssen will Spitzenkandidat der Bremer AfD bei der Bürgerschaftswahl im Mai werden. Am Sonntag stimmen die Mitglieder der Partei ab, mit welcher Liste die AfD zur Wahl antritt.
17.01.2019, 15:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Lisa Boekhoff

Wer steht überhaupt drauf? Und vor allem wo? Der Bremer Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) will sich am Wochenende mit diesen Entscheidungen beschäftigen: Am Sonntag stimmen die Mitglieder der Partei ab, mit welcher Liste die AfD bei der Bremer Bürgerschaftswahl im Mai antritt. Ambitionen für die Spitze gibt es schon jetzt: Am Donnerstag gab TV-Reporter Hinrich Lührssen bekannt, dass er für den ersten Platz kandidieren will.

Geht es nach Lührssen, stehen seine Aussichten gut. "Ich habe sehr viel Unterstützung signalisiert bekommen", sagte er dem WESER-KURIER. "Sonst würde ich das auch nicht machen." Die Bewerbung sei keine Überraschung für seine Parteikollegen. "Das war kein geheimer Plan von mir." Wer am Sonntag gegen ihn antreten werde, das sei derzeit nicht klar. "Das ist in der Tat offen." Im Vorfeld sei nichts vereinbart worden. Es werde auf jeden Fall spannend werden, erwartet Lührssen. "Das ist ein offenes Rennen."

Rolle in der Partei scheint geschwächt

Robert Teske, Landeschef der Jugendorganisation Junge Alternative (JA), geht allerdings davon aus, dass es gar kein Rennen gibt, weil ein Gegenkandidat fehlen könnte. Es habe sich bisher kein anderes Mitglied für den ersten Platz beworben. Teske selbst will für den zweiten Platz antreten. Doch seine Rolle in der Partei scheint geschwächt.

Die JA wird durch den Verfassungsschutz in Bremen beobachtet. „Die Botschaften dieser Gruppe sind Rassismus pur“, begründete Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die Entscheidung im September. Der Landesvorstand der AfD, dem Teske nicht mehr angehört, riet der JA im Dezember sogar die Selbstauflösung. Dieser Empfehlung komme man nicht nach, drückte JA-Landesvorstand Marvin Mergard es am Donnerstag höflich aus.

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Fakt ist, dass sein Vorstandskollege Teske in Zukunft nicht mehr das Wahlkreisbüro des AfD-Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden Frank Magnitz betreiben wird. In dieser Woche endet sein Arbeitsverhältnis. Teske zufolge passiert die Aufhebung in beiderseitigem Einvernehmen. Ein Mitarbeiter von Frank Magnitz bestätigte diese Beschreibung der Trennung. Zu den Gründen wollten sich weder Teske noch Magnitz äußern.

Wie Teske kann sich auch Marvin Mergard einen vorderen Platz auf der Liste für die Bürgerschaft durchaus vorstellen. Er wolle sich irgendwo um den fünften Platz herum zur Verfügung stellen. Das liege aber in der Hand der Mitglieder. Teske und Mergard gehen trotz der Beobachtung der JA durch den Verfassungsschutz gelassen in die sogenannte Aufstellungsversammlung. Klar könne das dort Thema sein, sagt beide. Letztlich entschieden aber die Mitglieder.

Journalistische Tätigkeit liegt auf Eis

Lührssen zeigte sich dagegen im Vorfeld der Versammlung optimistisch. Der Wunsch in der Partei sei groß, dass er Spitzenkandidat werde. Als er im vergangenen Juni in den Landesvorstand gekommen sei, sei das aber nicht das Ziel gewesen. "Das hat sich mit der Zeit entwickelt." Im Gespräch sagte Lührssen,die Position gut ausfüllen zu können, weil er durch seinen Beruf gelernt habe, Dinge aufzuarbeiten und zu vermitteln.

Schon an der Redaktion des Wahlprogramms der Bremer AfD habe er jetzt mitgearbeitet. Seine Agenda für den Wahlkampf: Es solle offener über Migration gesprochen werden. Zudem gehe es ihm um das Thema Sicherheit in Bremen. Angesichts des höheren Armutsrisikos in Bremen will er Sozialpolitik bei der Partei stärker verankern.

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Sein bisheriger Auftraggeber Radio Bremen arbeitet mit dem freiberuflichen TV-Reporter Lührssen wegen dessen Mitgliedschaft im Landesvorstand der AfD nicht mehr zusammen. Der Sender will keine journalistischen Auftritte von Funktionären politischer Parteien zulassen. „Für unser Publikum soll immer klar sein, dass Radio Bremen seine redaktionellen Entscheidungen jenseits aller Parteipolitik trifft“, sagte Programmdirektor Jan Weyrauch dazu. Lührssen arbeitet in der Vergangenheit zudem für die Sendung "Stern TV" von RTL. Journalistisch ist er nach eigenen Angaben aber derzeit gar nicht mehr tätig. "Das liegt auf Eis."

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