Detlef Pauls kritisiert Bürgermeister Bremer Dehoga-Chef hat Gesprächsbedarf

Der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Bremen ist sauer auf Bürgermeister Bovenschulte. Der habe trotz der Lage der Branche nicht auf seine Anfrage reagiert. Das Rathaus widerspricht.
22.10.2020, 14:38
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Dehoga-Chef hat Gesprächsbedarf
Von Lisa Schröder

Detlef Pauls ist, wie er selbst schreibt, entsetzt. Offenbar so sehr, dass er seinen Unmut öffentlich macht. Der Bremer Landesverbandspräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) kritisiert, dass er schon seit einiger Zeit um ein Gespräch mit Andreas Bovenschulte (SPD) bitte, dieser aber nicht auf die Anfragen reagiere. „Unsere Branche steht vor dem Ruin, aber der Bürgermeister ist nicht zu Gesprächen bereit“, schreibt Pauls am Donnerstag in einer Erklärung. "Es gehört sich doch wohl zumindest, einen Brief oder eine Mail zu beantworten, egal wer geschrieben hat."

Das Rathaus widerspricht und weist auf einen engen Austausch mit der Branche und Wirtschaft hin. „Der Bürgermeister hat viel Verständnis für die schwierige Lage der Gastronomie und der Wirtschaft allgemein und hat deshalb in den vergangenen Wochen regelmäßig mit verschiedenen Wirtschaftsvertretern gesprochen", sagt der Sprecher des Senats, Christian Dohle. Gespräche habe es etwa mit der Handelskammer, der Handwerkskammer, mit Vertretern der Bremer-Gastro-Gemeinschaft und der Veranstaltungswirtschaft, mit den Gewerkschaften und vielen mehr gegeben. Und auch für den Dehoga-Chef selbst habe es kürzlich am Rande des Handelskammer-Plenums ein persönliches Gespräch mit Bovenschulte gegeben. "Zudem sind das Wirtschaftsressort und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt mit Herrn Pauls und dem Dehoga in regelmäßigem Kontakt". Zuletzt sei das bei einer Video-Konferenz am vergangenen Freitag der Fall gewesen.

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Der Bürgermeister und die Wirtschaftssenatorin, so Dohle, hätten bereits weitere Hilfen für die Gastronomie in Aussicht gestellt. Warum es auf die jüngste Anfrage von Pauls noch keine Antwort gab, hat einen Grund: Pauls habe Mitte vergangener Woche per Mail um ein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister gebeten. "Urlaubsbedingt hat er darauf noch keine Rückmeldung erhalten.“

Pauls spricht von mehreren Anfragen und Bitten um Hilfe. Das Wirtschaftsressort reagiere in kurzer Zeit mit einer Antwort. Doch Bovenschulte habe er persönlich nicht erreichen können. Am vergangenen Mittwoch habe er um ein dringendes Gespräch gebeten. Und er habe zusätzlich Mitglieder der SPD angesprochen, die Anfrage an den Bürgermeister weiterzugeben. Das sei aber erfolglos geblieben.

Dass Bovenschulte mit seiner Branche im Austausch ist, darauf weist Pauls ebenfalls hin. Der Bürgermeister nehme sich auch Zeit für Gespräche mit kleinen Kneipen: "Das finde ich gut." Doch als Landesverbandspräsident vertrete er, sagt Pauls, 500 Unternehmen und deren Mitarbeiter. Gehör zu finden, sei wichtig: Die Branche fühle sich nämlich im Stich gelassen. „Die Hotellerie und Gastronomie steckt unverschuldet in der tiefsten Krise. Die letzten Entscheidungen und Äußerungen aus der Landes- und Bundespolitik bedeuten faktisch einen Lockdown zumindest für die Hotellerie, und auch die Gastronomie ist nicht mehr weit davon entfernt", sagt Pauls. In allen Bereichen werde mehr storniert als gebucht. Die Gäste seien "total verunsichert". Dabei bestätigten Politiker, dass die Steigerungsraten nicht durch die Hotels und Restaurants verursacht werden.

Bremer Hotels leiden vor allem, weil die für die Häuser besonders wichtigen Geschäftsreisenden fehlen. Messen werden abgesagt, viele Unternehmen verzichten in diesen Zeiten auf Dienstreisen: Das macht sich bemerkbar. Bremen gilt seit Kurzem zudem als Risikogebiet – das dürfte Urlauber abschrecken. Die Gastronomie ist derweil durch die wegen der hohen Zahl an Neuinfektionen eingeführte Sperrstunde ab 23 Uhr eingeschränkt. Betreiber von Restaurants und Kneipen klagen nun dagegen (wir berichteten).

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Auch der niedersächsische Tourismus hat im August deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Zahl der Gästeankünfte lag laut Landesamt für Statistik mit annähernd 1,4 Millionen um 20,1 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres. Der Tourismus in Hamburg steht ebenfalls unter Druck: Im August sanken die Übernachtungen nach Angaben des Statistikamts Nord um etwa 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Vor allem Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland seien seltener geworden.

Pauls betreibt das Bremer Hotel Munte am Stadtwald und erlebt die Absagen selbst: Für dieses Wochenende hätten eigentlich 80 Gäste reserviert. Nun seien davon noch 20 übrig. Für das darauffolgende Wochenende sehe es noch dünner aus. Insgesamt gibt es im Haus mehr als 120 Zimmer. "Das ist eine Katastrophe", sagt Pauls. Seinen Kollegen gehe es genauso. Wenn nicht schnell Hilfe komme, werde es Weihnachten viele Betriebe nicht mehr geben. Schon aus diesem Grund dürfte es Gesprächsbedarf zwischen Bovenschulte und Pauls geben.

++ Dieser Artikel wurde um 19.14 Uhr aktualisiert. ++

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