Bremen-Hemelingen

Kündigungen für letzte Bewohner der Schlichthäuser

Nun ist es soweit: Den letzten Mietern der Schlichthäuser in der Alten Landwehr und Am Sacksdamm wurde gekündigt. Für einige sucht der Konzern Vonovia noch nach Lösungen. Der Abriss der Häuser rückt näher.
06.09.2017, 20:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Hasemann

Sie haben schon lange gebangt und nun ist es geschehen: Die verbleibenden Bewohner der Schlichthäuser in der Alten Landwehr und am Sacksdamm haben die Kündigung ihrer Mietverträge durch die Eigentümerin – den Immobilienkonzern Vonovia – bekommen. Damit rücken der Abriss und der Neubau von Wohnungen deutlich näher.

Zuletzt war der Widerstand Am ­Sacksdamm gebröckelt, hatten Bewohner neue Wohnungen, die das Immobilien­unternehmen angeboten hatte, bezogen. Andere Mieter ließen sich den freiwilligen Auszug gar versilbern. So gern die Be­wohner in ihrer Siedlung auch wohnen geblieben wären, bis zum Äußersten kämpfen wollten sie nicht, sondern vor allem eines: eine ­passende Wohnung, möglichst in der Nähe.

Für Familie Helber hat die Suche nach einer neuen Wohnung mit der Kündigung nun eine neue Dringlichkeit bekommen. Eine Wohnung für neun Menschen zu finden, das ist schwer, aber Simone Helber möchte die Familie zusammenhalten. „Wir wollen als Familie zusammenbleiben.“ Die Frage sei, wer einer Großfamilie eine Chance gebe. Ideal wäre ein Haus, denn eine Wohnung für neun Personen zu finden, sei sehr schwer. Der bisherige Vermieter Vonovia hat Tage nach der Kündigung der Familie zwei Dreizimmerwohnungen angeboten, die nebeneinanderliegen. Aber eigentlich reiche das nicht für die gesamte Familie, sagt Simone Helber.

Vonovia sucht nach neuen Wohnungen für Betroffene

Der Pressesprecher der Vonovia, Max Gille, betont, dass der Konzern weiter auf der Suche nach Lösungen für die betroffenen Familien sei. „Es sind nur noch wenige Parteien und da sind wir noch dabei.“ Dass der Konzern nun die Kündigungen ausgesprochen hat, habe den Hintergrund, dass der Konzern einen Fahrplan für das Gebiet haben wollte. Im Übrigen seien die Kündigungsfristen sehr großzügig. „Das sind teils mehrere Monate.“

Im Fall von Familie ­Helber ist der 31. Mai 2018 der Stichtag. Andere Mieter müssen schon ein Vierteljahr früher raus. Dort ist der Stichtag der 28. Februar. „Aber wir sind weiter an einer Lösung interessiert“, sagt Max Gille. Die Bemühungen würden mit der Kündigung nicht eingestellt. Mit dem Auszug des letzten Mieters kann der Neubau mit dem Abriss der Schlichthäuser begonnen werden. Ein Architektenwettbewerb habe schon stattgefunden und auch mit den Behörden sei der Konzern in Gesprächen. „Die Pläne sind recht weit fortgeschritten.“

Familie ist enttäuscht von leeren Hilfsangeboten

Für Familie Helber intensiviert sich mit der Kündigung die ­Suche nach einer passenden Unterkunft. „Im Moment ist es schwer für uns, innerlich geht es mir gar nicht gut.“ Enttäuscht ist sie von den Hilfsan­geboten, die nach einer Sitzung des Beirats im Sacksdamm im vergangenen Jahr von verschiedener Seite gemacht wurden, denen aber, nach Simone Helbers Angaben, wenig bis gar nichts folgte. „Das ist schon sehr ­enttäuschend, die Leute haben zugehört, wollten ganz viel machen, aber passiert ist wenig.“

Andere, die sich bemüht hätten, ­seien auf Mauern gestoßen und hätten ihr Engagement eingestellt. „Das war sehr ­ernüchternd. Wir fühlen uns alleingelassen von Menschen, die gesagt haben, dass sie uns helfen.“ Ausnehmen möchte sie dabei das Ortsamt. „Herr Hermening hat sich eingesetzt, aber der Rest hat nicht dazu gestanden“, sagt Simone Helber.

Einen größeren Groll gegen den Wohnungsbaukonzern hegt Helber nicht. „Ich denke, das bringt auch nichts, und ich denke, man sollte sich auf einer friedlichen Ebene trennen.“ Nicht zuletzt sei den Bewohnern ein Recht auf Rückzug in die neuen Wohnungen in Aussicht gestellt worden. Aber: „Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass das für uns stattfinden wird.“ So signalisierte das Unternehmen, dass es bei der Familiengröße noch nicht abzusehen sei, ob passender Wohnraum entstehe.

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