Wilhelm Wagenfeld-Lampe

Die Rückkehr der Bauhaus-Leuchte

Die berühmteste Lampe Wilhelm-Wagenfelds ist Designklassiker und Statussymbol zugleich. In fünf Jahren wird die Leuchte stolze 100 Jahre alt.
26.07.2019, 20:52
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Die Rückkehr der Bauhaus-Leuchte
Von Alexandra Knief

Der 1900 in Bremen-Walle geborene Designer Wilhelm Wagenfeld hatte als einer der Pioniere des Industriedesigns ein Ziel. Jedes seiner geschaffenen Objekte sollte „so schön und praktisch“ sein, „dass sich der Reichste wünscht, es zu besitzen, und so preiswert, dass auch der Ärmste es sich kaufen kann“. Wagenfeld hat viel dafür getan, dieses Ziel zu erreichen. Hat mit seinen Entwürfen dazu beigetragen, einst wenig beachtete Räume zu beleuchten, hat Formen geschaffen, deren serielle Herstellung viele seiner Lampen für die Masse erschwinglich gemacht hat.

Sein wohl bekanntester Entwurf jedoch ist zu einer Ikone geworden, die sich nicht unbedingt jeder leisten kann, zu einem Statussymbol, für das man schon 400 bis 500 Euro hinlegen muss, wenn man damit sein Wohn- oder Arbeitszimmer bereichern möchte: Seine Leuchte WG24, besser bekannt als Bauhaus-Leuchte.

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Dabei ermutigte sein Bauhaus-Lehrer László Moholy-Nagy Wagenfeld 1924, ein „richtiges Industrieprodukt“ zu schaffen, ganz nach der noch frischen Parole von Bauhaus-Direktor Walter Gropius: „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Doch es dauerte noch einige Jahre, bis das Bauhaus die nötigen Kontakte zur Beleuchtungsindustrie geknüpft hatte und die Entwürfe industrieller gedacht werden konnten. Wagenfelds Lampe war aufwendige Handarbeit und kostete dementsprechend.

So richtig geändert hat sich dies bis heute nicht. 1980, 56 Jahre, nachdem das erste Modell der Wagenfeld-Leuchte auf dem Markt kam, sorgte das Bremer Unternehmen Tecnolumen für ein Revival der Lampe. Genauer gesagt war es der Bremer Tecnolumen-Gründer Walter Schnepel, der der Bauhaus-Leuchte mit einer Reedition neues Leben einhauchte. Er kontaktierte Wilhelm Wagenfeld Ende der Siebzigerjahre und traf mit ihm eine Vereinbarung, die die Bremer Manufaktur bis heute zum exklusiven Hersteller der Leuchte macht. Vier Versionen – nach Original-Entwürfen von Wagenfeld – produziert das Unternehmen.

Auch in Asien sehr beliebt

Laut Tecnolumen-Geschäftsführer Carsten Hotzan ist die Lampe heute nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Italien und den Niederlanden sehr beliebt. Genau wie in Asien, zum Beispiel in Japan und Südkorea. Doch Erfolg bringt Nachahmer mit sich. Das Unternehmen steckt viel Zeit und Energie in den Kampf gegen Fälschungen, bot unter dem Motto „No Fake“ 2012 sogar an, Fälschungen gegen Originale zu tauschen.

Die Lampe ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. 1998 schaffte es die Leuchte im Rahmen der Serie „Design in Deutschland“ außerdem auf eine 110-Pfennig-Briefmarke. Und auch anderen Künstlern und Designern war die Leuchte im Laufe der Jahrzehnte stets eine beliebte Inspirationsquelle und ist es bis heute. 2016 widmeten sich in der Weserburg in der Ausstellung „Leuchte!“ gleich 25 Künstler Wagenfelds Bauhauslampe, und auch die aktuelle Ausstellung „Leuchten“ im Wilhelm-Wagenfeld-Haus zeigt, wie groß der Einfluss der Bauhaus-Leuchte auch auf spätere Designer quer durch die Jahrzehnte war.

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So griff der italienische Designer Vico Magistretti 1979 in seiner Lampe „Nemea“ die Kritik an Wagenfelds Lampe aus einem Buch über Beleuchtungstechnik aus den 20er-Jahren auf. Dort heißt es, dass die Bauhaus-Leuchte vor allem nach unten und damit nur den Fuß anstrahle. Magistretti schuf also eine Lampe mit winziger Kuppel und riesigem Fuß, der das Licht der Glühlampe reflektiert.

Eine fast menschliche Variante

Die italienische Designerin Gae Aulenti macht 1980 quasi genau das Gegenteil. Sie entwirft mit „Parola“ eine der Bauhaus-Leuchte ähnelnde Lampe, deren Kuppel allerdings nach oben geöffnet ist und durch ihre Form fast menschlich wirkt, so als würde die Lampe ihrem Gegenüber das Gesicht zuwenden.

Aufgrund des Bauhaus-Jubiläums ist Wagenfelds Lampe aktuell in Bremen (wo sie sowieso schon viele Fenster erhellt) besonders häufig zu sehen. Zum Beispiel auch in den Schaufenstern von 20 Geschäften in der Innenstadt und im Viertel, im Rahmen einer Aktion der City Initiative, der Interessengemeinschaft „Das Viertel“, von Tecnolumen und dem Wilhelm-Wagenfeld-Haus. Die Aktion läuft noch bis zum 7. September und ist mit einem Gewinnspiel verbunden: Als Hauptpreis gibt es eine Bauhaus-Leuchte zu gewinnen. Die Karten zum Gewinnspiel sind in den teilnehmenden Läden erhältlich. Und schon in fünf Jahren wird es erneut einen Grund geben, die Lampe zu feiern und in der Stadt ordentlich in Szene zu setzen: Dann wird Wagenfelds Leuchte 100 Jahre alt.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Wilhelm Wagenfeld: Leuchten“ ist noch bis zum 27. Oktober im Wilhelm-Wagenfeld-Haus, Am Wall 209, zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr; Dienstag 15 bis 21 Uhr.

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