S-Bahn statt Autobahn Längere Züge statt Staus auf der A27

SPD und Linke fordern den Ausbau der Regio-S-Bahn-Linie 1 während die A27-Brücke über die Lesum wegen Materialschäden nur eingeschränkt nutzbar ist. Die Nordwestbahn ist skeptisch, ob das funktioniert.
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Längere Züge statt Staus auf der A27
Von Justus Randt

Solange die „Lebensader Autobahn 27“ beeinträchtigt ist, muss die Regio-S-Bahn-Verbindung zwischen Bremen und Bremen-Nord aufgestockt werden. Davon ist Heike Sprehe überzeugt. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD ist mit diesem Vorschlag in der Verkehrsdeputation vorgeprescht. Senator Joachim Lohse (Grüne) räumte im Verlauf der Sitzung ein, dass gegenwärtig schwer einzuschätzen sei, wie umfänglich die Verkehrseinschränkungen durch die marode Stahlkonstruktion der Lesumbrücke im Verlauf der A27 werden könnten.

Heike Sprehe gab Lohse mit auf den Weg, er möge als grundsätzliche Alternative prüfen, ob nicht die Züge der Regio-S-Bahn-Linie (RS) 1 zwischen Bremen und Vegesack häufiger fahren oder wenigstens verlängert werden könnten. Seit Mitte der Woche ist die Autobahn im Bereich der Brücke in beide Richtungen auf zwei Fahrspuren verengt.

Deutliche Schäden und eine schlechte Qualität

„Nachdem es nicht nur Stauprognosen, sondern auch Staus gegeben hat, ist der Zuspruch zur RS 1 noch sehr viel größer geworden. Es sind jetzt schon mehr Leute in den Zügen“, sagt Sprehe, die selbst täglich auf der Strecke pendelt, „und man weiß ja nicht, was mit der Brücke ist.“ Der Bauwerkteil in nördlicher Fahrtrichtung aus den Jahren 1949 und 1956 weise „deutliche Schäden und eine schlechte Qualität“ auf, hatte Lohse erläutert.

Der Senator kündigte an, man werde "gucken, welche Ausweichrouten" möglich seien. Noch sei ungewiss, "ob wir dauerhaft sperren müssen, wir müssen uns das anschauen, in drei, vier, fünf Monaten wissen wir, ob wir das Bauwerk stabilisieren können". Für Heike Sprehe gibt es unterdessen keine Alternative zur Regio-S-Bahn der Nordwestbahn (NWB): "Entweder steht man eine Stunde auf der Autobahn im Stau, oder man steckt wie eine Ölsardine in der RS 1 – was ich trotz Problemen mit der Pünktlichkeit bevorzuge, aus Umweltgründen und weil es immer noch berechenbarer ist." Zu den Hauptarbeitszeiten "haben wir jetzt schon den Viertelstundentakt, aber es wäre gut, die Frequenz zu überprüfen, sagt die Abgeordnete. "Außerdem wäre es ohne Weiteres möglich, die Züge bis Vegesack zu verlängern."

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Schließlich habe es schon einmal funktioniert, dass der Senator eine Aufstockung des Schienennahverkehrs bei der NWB ordern konnte, sagt Sprehe: „Seit anderthalb Jahren haben wir zur Mittagszeit, wenn ebenfalls sehr viele Leute unterwegs sind, längere S-Bahn-Züge.“ Von einer nennenswerten Zunahme der Fahrgastzahlen zwischen Vegesack und dem Bremer Hauptbahnhof, weiß NWB-Sprecher Steffen Högemann nichts. Außerhalb der offiziellen Zählungen gebe es keine genauen Erkenntnisse – und die Fahrgastzahlen auf einzelnen Linien gebe das Unternehmen ohnehin nicht preis.

Den S-Bahn-Verkehr als Sofortmaßnahme aufzustocken, sei nur schwer denkbar, sagt Högemann. In und um Bremen herum sei das Gleisnetz zu voll, um weitere Züge fahren zu lassen, abgesehen davon, dass die Fahrzeuge an anderer Stelle eingeplant seien. Um längere Züge einzusetzen, müsse gewährleistet sein, dass die Bahnsteiglänge dazu ausreicht. „Die RS 1 hat eine sehr, sehr starke Auslastung“, räumt Högemann ein, „aber der Zugverkehr wird sehr kompliziert geplant“, ein Jahr Vorlauf sei normal.

Das zuverlässigste Jahr seit Langem

„Für den Fahrgast ist das schwer nachzuvollziehen“, weiß der NWB-Sprecher, „aber wenn die Politik nach mehr Schienenverkehr schreit, dann brauchen wir mehr Schienen.“ Derzeit ist der Schrei eine Bitte und hat die NWB noch gar nicht erreicht. „Wir werden kurzfristig und sehr ernsthaft prüfen, ob zum Beispiel ausreichend Wagen zur Verfügung stehen“, sagte Lohses Sprecher Jens Tittmann am Freitag.

Sowohl Heike Sprehe als auch der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Nelson Janßen haben derweil einiges am NWB-Angebot auszusetzen. Janßen hat einen Bericht bei der senatorischen Behörde angefordert: „Wir wollen wissen, wie hoch der Prozentsatz ausgefallener Zugverbindungen ist und in wieweit Vertragsstrafen denkbar sind.“ Janßen ist der Überzeugung, Bremen-Nord sei auf die RS 1 angewiesen. „Die A27 verschärft das Problem natürlich. Die Nordwestbahn als privatwirtschaftliches Unternehmen muss die Mobilität gewährleisten.“

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„Häufige Ausfälle, oft nur die halbe Zuglänge und Zugführermangel“ – so sieht Sprehes Nordwestbahn-Mängelliste aus. Steffen Högemann hält die Vorwürfe gegen die Nordwestbahn für nicht gerechtfertigt: „Es ist zwei Jahre her, dass wir immense Probleme im Bereich der Regio-S-Bahn hatten. Störungen im Zugverkehr kommen immer vor, die Infrastruktur ist nicht die modernste. Wir haben genug Triebfahrzeugführer, auch wenn gerade viele krank sind“, sagt er. „Dieses Jahr ist unser zuverlässigstes seit Langem.“

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