Lesumbrücke

Wegen Sperrung der A27: Unternehmen und Verbände rechnen mit Verlusten

Unternehmen und Verbände fürchten starke Einbußen wegen der Teilsperrung der Lesumbrücke. Bereits heute sei das Verkehrsaufkommen auf der A27 groß. Gerade für Schwertransporte könnte es eng werden.
06.12.2018, 20:39
Lesedauer: 4 Min
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Wegen Sperrung der A27: Unternehmen und Verbände rechnen mit Verlusten
Von Lisa Boekhoff
Wegen Sperrung der A27: Unternehmen und Verbände rechnen mit Verlusten

Die Lesumbrücke muss wegen Bauarbeiten gesperrt werden.

Shirin Abedi

Seit dieser Woche steht die Brücke über die Lesum im Fokus. Genau in zehn Tagen muss die Fahrbahn der A27 Richtung Bremen und Hannover dort gesperrt werden, weil der Zustand der Brücke nicht mehr in Ordnung ist. Unternehmen und Verbände rechnen wegen der Baustelle bereits jetzt mit Verlusten. Geschäftsführer Sigward Glomb ist einer von ihnen.

Sein Transportunternehmen Glomb hat den Sitz in Bremerhaven. Der Unternehmer erwartet wegen der Baustelle nun erhebliche Behinderungen. Das koste Zeit, was die Fahrten deutlich teurer werden lasse. „Wir können unsere Kunden nur um Verständnis bitten.“

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Dabei gebe es, sagt Glomb, schon jetzt Staus auf der Strecke. Im Feierabendverkehr stünden seine Fahrer häufig. „Das dürfte nun noch schlimmer werden. Und das gilt ja für beide Richtungen.“ Vertreter der Wirtschaft befürchten, dass die Brücke für Pendler und Spediteure erst recht zum Nadelöhr wird. Glomb kann sich sogar vorstellen, dass Verkehr nach Hamburg abwandert – gerade wenn es Verbote für bestimmte Schwerlasttransporte gebe.

Die bereiten auch Andreas Otto, Geschäftsführer für Standortpolitik, Häfen und Verkehr bei der Handelskammer, am meisten Sorgen. Die Schwerlasttransporte müssten bei der Baustellenplanung unbedingt bedacht werden. Sonst werde der Hafenstandort Bremerhaven geschädigt. „Es gibt sonst keine Chance nach Bremerhaven zu kommen.“

Tatsächlich sind von der Sperrung Schwerlaster mit besonderer Breite von mehr als 5,40 Meter betroffen. „Das ist im Moment der aktuelle Stand“, sagt Martin Stellmann, Sprecher des Amts für Straßen und Verkehr (ASV). Denn wie auch bei allen anderen Baustellen im Land sei eben nur eine gewisse Fahrbahnbreite wegen des Umlenkens einer Fahrbahn möglich – gerade bei einer Brücke. Doch nur ein kleiner Anteil der Schwerlasttransporter müsse deshalb ausweichen. Im Fall der Bremer Logistikgruppe BLG bekommen etwa zehn Prozent der Transporter ab einer Grenze von 5,50 Meter Probleme, weiß Sprecher Andreas Hoetzel von seinen Kollegen. Sicher seien Baustellen eine Belastung, aber diese sei dringend notwendig. „Wir müssen mit der Baustelle leben.“ Nun gehe es darum, dass es kein großes Chaos gebe.

Lösungen für Schwerlastverkehr

„Kaputte Brücken müssen saniert oder neu gebaut werden“, sagt auch Holger Bruns, Sprecher der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports. Dennoch: „Möglicherweise mehrjährige Verkehrsbehinderungen an dieser sensiblen Stelle lösen natürlich erhebliche Sorgen aus.“ Gerade für Schwerlastverkehr mit Überbreite müsse es nun überzeugende Lösungen geben. „Dabei muss eines klar sein: Bremerhaven muss ohne unzumutbare Umwege erreichbar bleiben.“

Andreas Otto plädiert dafür, sich zusammenzusetzen, um eine gute Lösung für die schwierige Situation zu finden. Denn klar sei schon jetzt: Die Sperrung ist eine große Erschwernis – auch für den Stadtverkehr in Bremen. Denn für die Strecke gebe es nur die Bremer Heerstraße als Alternative. "Wir haben sonst keine Bypässe." Die Arbeitsabläufe veränderten sich für die Unternehmen und ebenso die Kostenkalkulation. "Berechnungen sind dadurch Makulatur." Die Entscheidung der Behörde sei richtig, sofort zu reagieren, wenn die Sicherheit nicht mehr zu gewährleisten sei. Von Schuldzuweisungen zwischen Bund und Land will Otto aber nichts hören. Die seien "unerträglich". Der Verkehrsexperte spielt damit auf zwei Stimmen von SPD und Grünen an. „Die Auftragsverwaltung ist Ländersache. Da nun mit dem Finger auf den Bundesverkehrsminister zu zeigen, ist schlichtweg eine Frechheit."

78.000 Fahrzeuge täglich

Die Baustelle bereitet besonders Bernhard Wies, Sprecher des Wirtschafts- und Strukturrats Bremen-Nord, Bauchschmerzen. „Wir sehen das als harten Schlag für die Verkehrsanbindung für Bremen-Nord.“ Denn hier gehe es um eine zentrale Verbindungsachse, wo es schon heute zu Stoßzeiten eng werde. Die Brücke passieren täglich 78.000 Fahrzeuge. Davon sind etwa 5800 Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht. Je länger die Baustelle dauere, desto größer seien die wirtschaftlichen Nachteile für den Standort, sagt Wies. Dieser habe bereits jetzt mit seinem Image zu kämpfen, wolle aber doch gerade Neubürger anziehen. „Das schreckt ab.“ Eine Dauerbaustelle sei da fatal.

Wie Wies ist Geschäftsführer Glomb verwundert, dass die Mängel erst jetzt entdeckt wurden. "Ich muss ganz ehrlich sagen, das hat uns schon überrascht.“ Doch die potenziellen Schäden am Stahlgefüge der Brücke sind laut Martin Stellmann vom ASV zufolge nicht sichtbar gewesen. Die Brücken schaue man immer wieder an. Wegen der großen Anzahl, die geprüft werden müsse, könne man sie aber nur nach Priorität genauer untersuchen. Die Ergebnisse hätten nun zum sofortigen Handeln gezwungen. Stellmann ist wichtig, zu betonen, dass derzeit überall in Deutschland intensiv Brücken kontrolliert, nachgerüstet oder erneuert werden. "Das ist ein ganz großes Manöver." Das sei eine Generationenfrage.

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„Die Versäumnisse der Vergangenheit werden nun sichtbar“, kommentiert auch Robert Völkl, Geschäftsführer des Vereins Bremer Spediteure, die mangelhafte Infrastruktur. Die Bedeutung der Pflege und Instandhaltung der Straßen und Brücken sei der Politik und Öffentlichkeit viel zu spät bewusst geworden. Die Folge sei nun marode Infrastruktur in der gesamten Republik. Nun gebe es im Fall der Lesum-Brücke keine Alternative. „Eine Katastrophe wie in Genua darf nicht geschehen.“ Dort war im Sommer eine Brücke eingestürzt. Viele Menschen starben.

Bis Mitte des nächsten Jahres dauern laut Prognose des ASV jetzt zuerst die Untersuchungen. „Die Stahlproben im Labor zu untersuchen, das ist nur ein Teil davon“, sagt Stellmann. Es müssten zudem etwa alle Schweißnähte geprüft werden. Das dauere. Der Neubau der Brücke werde aber bereits jetzt angeschoben. Das fordert auch Andreas Otto: „Wir müssen umgehend mit der Neuplanung beginnen.“ Die Handelskammer will sich in ihrem nächsten Plenum am Montag mit der Baustelle befassen. Das Verkehrsressort will nach den Worten deren Sprechers Jens Tittmann zufolge mit Verbänden und Transportunternehmen ins Gespräch kommen.

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