Kritik von zehn Uni-Theologen Latzel-Predigt auf dem Prüfstand

Die umstittene Predigt von Olaf Latzel ist von den Kirchenoberen kritisiert worden - jetzt legen auch Uni-Theologen nach. Heute befasst sich zudem der Kirchenausschuss erstmals mit dem Fall.
12.02.2015, 00:00
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Latzel-Predigt auf dem Prüfstand
Von Christian Weth

Heute befasst sich nicht nur der Kirchenausschuss erstmals mit dem Fall Olaf Latzel. Heute kommt auch das Magazin der Bremischen Evangelischen Kirche heraus. Die Kirchenoberen haben die Predigt des umstrittenen Pastors bereits gescholten. Jetzt wird sie in der neuen Ausgabe unisono von Uni-Theologen kritisiert. Die Kirche hatte sie um Einschätzungen gebeten. Das Resultat überrascht Latzel nicht. Für ihn spiegelt es den katastrophalen Zustand der Kirche wider.

Das Urteil fällt einhellig aus, einhellig schlecht für Olaf Latzel. Uta Pohl-Patalong kritisiert, dass sich der Pastor „inszeniert“ und einer „armseligen Sprache“ bediene. Cornelia Richter kommt zu dem Schluss, dass er drei Dinge verwechsele. Erstens: religiöse Positionierung mit Diffamierung. Zweitens: sachliche Kritik mit Selbstüberhöhung. Drittens: Überzeugungsrede mit gefährlicher Agitation. Christoph Schwöbel spricht bei Latzel von „ideologischer Polarisierung“ und Eberhard Hauschildt von einer „schlechten Rede, die Nachbarn gegeneinander aufwiegelt und Selbstkritik verhindert“. Friedrich Wilhelm Graf fragt schließlich, wo der Pastor der St.-Martini-Gemeinde bloß studiert hat und wie ein „solch ungebildeter, gedankenloser Redner“ ein wissenschaftliches Examen bestehen konnte.

Pohl-Patalong und Richter, Schwöbel, Hauschildt und Graf sind allesamt Uni-Theologen, teils im Ruhestand, teils im Amt, in München, Bonn, Tübingen, Kiel. Und alle haben sich mit der umstrittenen Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel auseinandergesetzt, die er am 18. Januar gehalten hat. Die Redaktion des Kirchenmagazins der Bremischen Evangelischen Kirche, „BEK Forum“, hatte um eine Bewertung gebeten. Nicht nur die fünf Wissenschaftler, sondern noch ein knappes Dutzend weitere. Am Ende sind zehn harsche Kritiken herausgekommen, die in der heute erscheinenden Ausgabe in einer Auflage von 8500 Exemplaren zu lesen sind. Es gibt keinen einzigen Theologen, der irgendetwas an Latzels Predigt lobt.

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Von einer Kampagne der Kirche will Sabine Hatscher, Sprecherin der BEK und verantwortlich für das Magazin, nichts wissen. „Wir haben den Professoren nur vorgegeben, wie viel sie schreiben sollen, aber nicht was.“ Die Theologen seien weder eigens ausgesucht noch welche weggelassen worden. Dass es mehr Anfragen gab als Stellungnahmen, begründet sie damit, dass einige Wissenschaftler schlichtweg keine Zeit hatten. Und natürlich wären auch Bewertungen von Professoren abgedruckt worden, die Latzel in Schutz genommen oder verteidigt hätten.

Was die Uni-Theologen von der Predigt des Pastors halten, hat die BEK bereits auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Und zwar so ausführlich und umfangreich, dass Hatscher von einem Novum spricht. „Noch nie zuvor haben wir einem Thema auf unserer Onlineplattform so viel Platz eingeräumt.“ Als Rechtfertigung für die Entscheidung der Kirchenoberen, sich von der Predigt zu distanzieren, will sie die multimediale Neuerung nicht verstanden wissen. Hatscher: „Es geht uns einfach darum, bei vielen den Blick zu erweitern.“ Wie berichtet, gibt es mehr Kritik an der Haltung der BEK als Zustimmung.

Für Latzel ist das kaum verwunderlich. Schließlich habe er nichts Unrechtes getan, abgesehen davon, sich im Ton vergriffen zu haben. „Dafür habe ich mich aber entschuldigt.“ Überrascht ist er genauso wenig darüber, dass er von Uni-Theologen ausnahmslos für seine Predigt gescholten wird. Er wisse von der Veröffentlichung mehrerer Stellungnahmen. Gelesen habe er aber keine. Das brauche er nicht. „Ich kenne die Argumente, die hervorgebracht werden, wenn jemand eine deutliche Sprache zum Thema Glauben spricht.“ Es seien immer dieselben Vorwürfe. Etwa, dass ein alter Text heute nicht eins zu eins übersetzt werden könne. Oder dass nicht textkritisch genug interpretiert worden sei.

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Für Latzel spiegelt die Kritik der Theologen nur eines wider: den katastrophalen Zustand der Kirche. Sie lasse es nicht zu, dass Klartext geredet werde. Dabei seien deutliche Worte mehr wert als eine Predigt, die dem Zuhörer viele Möglichkeiten offen lässt – oftmals so viele, dass sie am Ende nichtssagend sei. „Das ist der Grund, warum immer mehr Menschen die Kirche verlassen.“ Wäre sie ein Konzern, bei dem es um Gewinne und Kunden ginge, hätte ihre Führungsmannschaft nichts zu lachen. Sie wäre längst ausgetauscht worden.

Stattdessen gehe es genau andersherum „Die Kirche will Leute loswerden, die für volle Reihen beim Gottesdienst sorgen.“ So wie er. Und das gelinge ihm nicht bloß an einem Sonntag, an dem die Medien wissen wollen, was er in der Predigt sagt, sondern an jedem anderen Sonntag auch.

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