Geplanter Neubau des Westbads Linke wollen mehr Platz für Nichtschwimmer

Die Stadt plane am Bedarf der Menschen vorbei - so lautet der Vorwurf der Linken, wenn es um den Neubau des Bremer Westbades geht. Sie fordern mehr Platz für Nichtschwimmer.
14.07.2018, 17:40
Lesedauer: 4 Min
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Linke wollen mehr Platz für Nichtschwimmer
Von Antje Stürmann

Die große Empörung über den geplanten kleineren Neubau des Westbades hat die Bremische Bürgerschaft erreicht. Die Fraktion der Linken kritisiert, die Stadt plane schnurstracks am Bedarf der Menschen vorbei. Ähnliche Sorgen plagen die Beiräte in den Stadtteilen Gröpelingen und Findorff sowie die Vertreter verschiedener Initiativen.

Sie diskutieren seit Monaten mit Sport- und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) über einen größeren Neubau. Die Linken beantragen nun, die Bürgerschaft solle den Senat auffordern, einen neuen Entwurf vorzulegen. Der aktuelle Plan sieht eine neue Schwimmhalle ohne Nichtschwimmerbereich vor; das Planschbecken für Kleinkinder soll auf 17 Quadratmeter halbiert und das Lehrschwimmbecken von 133 auf 100 Quadratmeter verkleinert werden.

Ein Knackpunkt: Die Anzahl der Grundschüler im Bremer Westen, die schwimmen lernen soll, steigt nach Angaben der Linken signifikant. „Und sie wird sich in den nächsten Jahren laut aktueller Schülerzahlprognose um 23 Prozent erhöhen“, fügen die Linken hinzu. Im Mai dieses Jahres habe die Bürgerschaft zwei Anträge beschlossen, die vom Bildungsressort verstärkte Anstrengungen einforderten, um die Anzahl der Kinder, die sicher schwimmen können, deutlich zu erhöhen.

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2016 gingen die Behörden davon aus, dass 20 bis 25 Prozent aller Viertklässler in Bremen als Nichtschwimmer angesehen werden müssten. Der Senat jedoch plant den Neubau vorrangig für den Schwimmsport, um Kosten und Personal zu sparen. Aus diesem Grund soll unter anderem die Wasserfläche um rund ein Drittel reduziert werden.

Eine Sauna und eine Gymnastikhalle soll es künftig nicht mehr geben. 2017 hatte der Senat in einer Vorlage zur Umsetzung des Bäderkonzepts festgestellt, dass das Westbad der „am stärksten frequentierte Begegnungsort im Stadtteil“ ist. Das Angebot des Bades trage erheblich zum funktionierenden Zusammenleben der Kulturen bei und begünstige die Gesundheitsvorsorge, hieß es.

„Genau diese Faktoren werden aber durch die Verringerung der Wasserflächen und Angebote geschwächt und stehen in keinem Verhältnis zu den Bedarfen im Bremer Westen, die in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind“, sagt Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt.

Genügend Möglichkeiten zum Schwimmen lernen

„Tatsache ist aber, dass die Nutzerzahlen des Bades nicht steigen, sondern zurückgehen“, gibt Bernd Schneider von der Sport- und Sozialbehörde zu Bedenken. Das bestätigt die Gesellschaft Bremer Bäder. Schneider: „Für Schülerinnen und Schüler gibt es auf jeden Fall genügend Gelegenheit, schwimmen zu lernen. Denn es sind zwei Faktoren, die die Kapazität bestimmen: einerseits die Wasserfläche, andererseits die zur Verfügung gestellten Schwimmzeiten.“

Und diese ließen sich bei steigender Nachfrage noch ausweiten. Laut Bädergesellschaft wird das neue Westbad für bis zu 280.000 Gäste geplant, obwohl deren Anzahl seit 2008 permanent von 265.000 auf 181.000 im Jahr 2017 gesunken sei. Im Bereich öffentliches Schwimmen hat sich die Besucherzahl demnach fast halbiert.

Um schwimmen zu lernen, gibt es aus Sicht der Bädergesellschaft genügend Möglichkeiten: „Die Bremer Bäder GmbH betreibt in Bremen mehr als 15.500 Quadratmeter Wasserfläche“, sagt Sprecherin Laura Schmitt. „Das ist pro Einwohner mehr als in vielen anderen Städten.“ Schwimmkurse würden in allen verfügbaren Becken durchgeführt. „Die Fläche ist ausreichend.“

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Angaben dazu, um wie viel Quadratmeter die Wasserfläche in den vergangenen Jahren gesunken ist, macht die Bädergesellschaft nicht. Schmitt verweist stattdessen auf die sinkende Nachfrage. Dass die Bremer immer seltener ins Schwimmbad gehen, überrascht die Linken nicht: „Für den im Frühjahr 2018 von der Stadtbürgerschaft verabschiedeten Sportentwicklungsplan wurden Vereine, Bürger und Bürgerinnen nach ihrer Zufriedenheit mit der Qualität und Verfügbarkeit von Sportstätten befragt“, erinnert Claudia Bernhard von den Linken. „Sie haben die Versorgung mit Hallenbädern und den Zugang zu Schwimmzeiten als sehr mangelhaft beurteilt.“

Nach Ansicht von Parteikollege Cindi Tuncel könne daraus nur folgen: Die Schwimmbecken fürs Lehrschwimmen, für Kurse, fürs Planschen und für Kuren im Westbad müssten deutlich größer geplant werden. „Sie sollten mindestens die Größe der bisherigen Schwimmbecken behalten, nach Möglichkeit größer sein.“ Einen entsprechenden Beschluss der Bürgerschaft wünschen sich die Linken nach der Sommerpause.

Die erzwungene Verzögerung des Neubaus durch die ungeplante Erneuerung des Fundaments böte eine letzte Möglichkeit, die Fehler in der Planungen zu beheben, bevor ein billiger Neubau des Westbades realisiert werde, der für die nächsten Jahrzehnte eine unzureichende Infrastruktur festschreibe, so die Linken.

Konzept wurde offenbar schon korrigiert

Die Geschäftsführerin der Gesellschaft Bremer Bäder, Martina Baden, hat angekündigt, den West-Beiräten voraussichtlich Anfang 2019 einen überarbeiteten Plan für den Neubau vorzustellen. Bis dahin will die Geschäftsführerin über die Verbände weitere Anregungen und Ideen sammeln. „Die Diskussion über Beckengrößen lenkt davon ab, dass für optimale Bedingungen beim Schul- und Vereinsschwimmen bislang oft die finanziellen Mittel fehlten", betont Baden. „Die Herausforderungen der Zukunft lösen wir beim Schulschwimmen beispielsweise nicht mit größeren Schwimmbädern, sondern mit Optimierungen hinsichtlich des Konzepts und der finanziellen Ausstattung.“ Als Beispiele nennt sie die frühzeitige Wassergewöhnung und das Stichwort Inklusion.

Ihr Konzept für den Neubau des Westbades hat die Bädergesellschaft offenbar schon korrigiert. Nach dem derzeitigen Stand der Planung soll das Lehrschwimmbecken nun doch eine Fläche von 100 Quadratmetern bekommen, für den Eltern-Kind-Bereich ist laut Bädergesellschaft eine 40 Quadratmeter große Wasserfläche geplant. Die Kosten für den gesamten Neubau kann die Geschäftsführerin nach eigenen Angaben noch nicht beziffern.

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