Weser-Taxis und neue Brücken Lösungen für die Verkehrsprobleme in der Überseestadt

Die Überseestadt entwickelt sich in rasantem Tempo. Dabei kann die Verkehrsinfrastruktur nicht mithalten. Folge sind lange Staus und Wartezeiten. Ein Gutachten präsentiert Lösungen für die Probleme.
13.09.2017, 13:04
Lesedauer: 3 Min
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Lösungen für die Verkehrsprobleme in der Überseestadt
Von Ralf Michel

Toll, wie sich die Überseestadt entwickelt hat, findet Verkehrsstaatsrat Jens Deutschendorf. „Da entsteht ein neues, wichtiges Stück Stadt.“ Sein Staatsratskollege aus der Wirtschaftsbehörde, Ekkehart Siering, sattelt noch einen drauf: „Wirklich eine große Erfolgsgeschichte.“ Und schiebt dann scherzend einen Halbsatz hinterher. „Fast zu erfolgreich.“

Wer in der Überseestadt wohnt oder arbeitet, weiß, was er damit meint. Es ist die Verkehrsinfrastruktur, die Sorge bereitet. Denn die hat nicht Schritt gehalten mit der ansonsten so überaus dynamischen Entwicklung von Bremens jüngstem Ortsteil. Vor allem morgens und nachmittags, wenn die Berufspendler unterwegs sind, gibt es lange Staus und Wartezeiten. Kein Rein- und kein Rauskommen mehr. Oder, in der Sprache von Verkehrsplanern: „Es gibt Defizite in der Leistungsfähigkeit der verkehrlichen Anbindungen des Gebiets.“ Doch die sollen jetzt mit einer Vielzahl kurz- und mittelfristiger Maßnahmen beseitigt werden.

Ein Gutachter hat die gesamte Verkehrsinfrastruktur der Überseestadt auf den Prüfstand gestellt, die Schwachstellen benannt und Vorschläge zu deren Beseitigung ausgearbeitet. Wie dringend dies erforderlich ist, verdeutlichte Dirk Ohm am Mittwoch bei der Vorstellung seines „Integrierten Verkehrskonzeptes für die Überseestadt“. Ohm ist Inhaber der von Baubehörde und Wirtschaftsförderung mit dem Gutachten beauftragten Ingenieurbüros. Der Verkehrsentwicklungsplaner prognostiziert ein weiteres Anwachsen der Zahl der Beschäftigten und Bewohner. Lebten und arbeiteten 2015 noch 13.750 Personen an Europahafen und Weserufer, so werden es 2030 mit 29.010 mehr als doppelt so viele sein. Entsprechend nehme die Verkehrsmenge zu.

Die Sicherstellung beziehungsweise Wiederherstellung funktionierender Verkehrsströme beginnt mit der Ist-Analyse. Die maßgeblichen Anschlusspunkte am Rand der Überseestadt sind nur unzureichend leistungsfähig, der öffentliche Personennahverkehr ist zu gering getaktet, listet Ohm Schwachpunkte auf. Und weiter: Die Wege im Rad- und Fußverkehrsnetz sind insgesamt zwar in Ordnung, aber lückenhaft und außerdem wegen der Barrierewirkung von Wasserflächen, Gleisanlagen und Hauptverkehrsstraßen nicht attraktiv genug.

Was dagegen getan werden kann, soll in den kommenden Wochen und Monaten in den zuständigen Gremien der Stadt unter Beteiligung der Bürger diskutiert und abschließend in der Bürgerschaft beschlossen werden. Schon jetzt ist klar, worauf dabei das Hauptaugenmerk liegen wird: Wege zu finden, um den motorisierten Individualverkehr in der Überseestadt zu verringern. Etwa über ein attraktives Busangebot, so Ohm. Eine bessere ÖPNV-Anbindung zum Hauptbahnhof sei dafür ein Beispiel.

Insgesamt ist das Konzept auf den Zeitraum bis 2030 ausgerichtet und enthält auch Vorschläge, bis zu deren Umsetzung schon aus Kostengründen noch reichlich Zeit ins Land gehen dürfte. Etwa der Bau neuer Brücken im Bereich Holz- und Fabrikhafen. Hinzu kommen Ansätze mit stark innovativem Charakter – eine autonome Mini-Bus-Linie mit spezieller Trasse, eine Seilbahn, ein Amphibienbus zur Querung der Wendebecken – sowie Gedankenspiele zur Nutzung der Weser als Verkehrsweg. Letztere griff Staatsrat Ekkehart Siering unter dem Begriff „Weser-Taxi“ auf. „Gerne auch mit privater Beteiligung.“

Sofortmaßnahmen sind bereits abgestimmt

Aber Ohms Gutachten wartet auch mit einer Reihe von Maßnahmen auf, die zeitnah umgesetzt werden könnten. Dazu gehören eine geänderte Lkw-Führung zur B 6 und B 75, eine Änderung der Linienführung der Buslinie 20 zur Nachmittagsspitze, die Verbreiterung eines Teiles der Eduard-Schopf-Allee oder auch die Verbesserung der „Grünen Welle“ im Zuge der Straßen Hansator und Hansestraße.

Die insgesamt sieben Punkte umfassende Liste der Sofortmaßnahmen ist verwaltungsintern bereits abgestimmt. Sollten sie in den kommenden Erörterungen bestätigt werden, würden für die konkrete Planung und Umsetzung in den Jahren 2018/19 rund 1,6 Millionen Euro benötigt und bereitstehen, heißt es hierzu seitens der Baubehörde.

Klar ist für Verkehrsentwicklungsplaner Ohm allerdings auch, dass die im Konzept aufgezeigten Maßnahmen alleine nicht ausreichen werden, um die bestehenden und sich abzeichnenden Verkehrsprobleme in der Überseestadt zu beheben. Hierfür müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen, betonte Ohm. Für ihn bedeutet dies unter anderem den Lückenschluss der A 281 zur Entlastung von Nordstraße und Hans-Böckler-Straße. Und die Umsetzung der Maßnahmen des Verkehrsentwicklungsplans zur Förderung des Radverkehrs und des ÖPNV. Nicht zuletzt aber auch ein städtebauliches Konzept, das Schulstandorte und Nahversorger in der Überseestadt vorsieht. „So viel wie möglich vor Ort, um kurze Wege zu schaffen.“

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