Serie Nachhaltigkeit (Teil 1) Mangelware Wasser

Eigentlich sollte genug Wasser für alle Menschen da sein: Über zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt. Doch der Schein trügt.
23.08.2019, 20:04
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Niklas Johannson

Wasser bestimmt unser Leben. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht und essenziell für das Überleben und die Entwicklung – ganz besonders für kleine Kinder. Auf den ersten Blick sollte auch mehr als genug für alle da sein, denn über zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt – doch dieser Schein trügt gewaltig. Denn die Vorräte sind begrenzt, weil die weltweiten Wasservorkommen zu 97,5 Prozent aus Salzwasser bestehen. Nur 2,5 Prozent sind Süßwasser, wovon mehr als zwei Drittel in den Eiskappen an den Polen und Gletschern gebunden sind. So bleiben gerade einmal 0,2 Prozent Süßwasser aus Seen, Flüssen und Grundwasser für die Landwirtschaft, Industrie und den persönlichen Gebrauch.

Durch die Umweltverschmutzung sind jedoch auch diese geringen Vorräte bedroht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eignen sich nur 0,007 Prozent als Trinkwasser. Eine winzige Menge, die sich mehr als sieben Milliarden Menschen teilen müssen. Das hat zur Folge, dass 1,2 Milliarden Menschen – also rund ein Sechstel der Weltbevölkerung – in Regionen leben, in denen der Alltag von akutem Wassermangel bestimmt wird.

Wasserbedarf steigt

Und die Auswirkungen des Klimawandels könnten die Situation in Zukunft verschärfen, zumal der Wasserbedarf konsequent ansteigt. Laut einer aktuellen Studie der Vereinten Nationen werden im Jahre 2050 bis zu zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Laura von Vittorelli, Gewässerexpertin der Naturschutzorganisation BUND, warnt deshalb eindringlich: „Langfristig führt die Klimakrise zu gravierenden Veränderungen von Temperatur und Wasserständen und so zum unwiederbringlichen Verlust von Artenvielfalt – viele Pflanzen und Tiere werden aussterben.“ Es sollte in Zukunft also massiv auf die Nachhaltigkeit von Wasser geachtet werden.

Im Land Bremen verbraucht jeder Bürger laut Energieversorger SWB pro Tag etwa 118 Liter Wasser. Durch die Befolgung einfacher Spartipps könnte jeder Mensch seinen Verbrauch ohne Komfortverlust auf 87 Liter reduzieren. Das würde einerseits den Geldbeutel schonen – und andererseits der Umwelt helfen. Der BUND empfiehlt beispielsweise, während des Zähneputzens, Händewaschens oder Rasierens den Wasserhahn nicht laufen zu lassen. Außerdem sollten Obst und Gemüse nur kurz in einer Schüssel gewaschen werden.

Auch beim Duschen kann das Wasser während des Einseifens einfach abgedreht werden. Vom Baden raten Experten ohnehin ab, denn dabei verbrauchen Menschen rund 150 bis 200 Liter, unter der Dusche sind es „nur“ 30 bis 80 Liter. Mit einem Sparduschkopf kann der Verbrauch pro Minute um weitere sechs bis neun Liter verringert werden. Auch beim Spülen und Waschen kann gespart werden. So gilt: den Geschirrspüler oder die Waschmaschine nur voll beladen laufen lassen, eine niedrige Temperatur wählen und die Spar- oder Ökoprogramme nutzen. Im Übrigen verbraucht eine Geschirrspülmaschine weniger Wasser als es beim Abwaschen per Hand der Fall ist.

Weitere Wassereinsparungen sind bei der Pflege des Gartens möglich. Für das Begießen von Pflanzen reicht der in einer Tonne gesammelte Regen. Die meisten Pflanzen sollten zudem eher selten, dafür aber intensiv gegossen werden – am besten am frühen Morgen im Wurzelbereich. Enorm viel Wasser verbrauchen Menschen beim Sprengen des Rasens – was aber eigentlich nur in heißen Trockenzeiten erforderlich ist. Hierzu werden Bewässerungssysteme für Garten und Blumenkästen angeboten, die die Pflanzen tropfenweise mit Wasser versorgen. Der Anteil des Wassers, den die Pflanzen dadurch nutzen, liegt bei 80 Prozent. Ein Sprenger erreicht dagegen nur rund 30 Prozent. Befolgt ein Haushalt all die genannten Tipps, können rund 200 Euro pro Jahr gespart werden.

Wasserverschmutzung durch virtuelles Wasser

Von hoher Bedeutung sind auch die Wassereinsparungen in Bezug auf „virtuelles Wasser“, das Menschen indirekt verbrauchen. Denn für die Herstellung vieler Produkte wird Wasser benötigt. Beispiel: Für ein Kilo Rindfleisch sind 15 500 Liter fällig. Laura von Vittorelli betont: „Mit dem Verbrauch von virtuellem Wasser tragen wir zur Wasserknappheit und Wasserverschmutzung bei. Dieser Bereich wird oft nicht gesehen, doch durch unser Konsumverhalten werden wir ihn nachhaltig schädigen.“

Um den Verbrauch von virtuellem Wasser zu verringern, kann jeder Mensch seinen eigenen Beitrag leisten, indem er regionale, faire und ökologische Produkte kauft, keine Lebensmittel verschwendet, den Fleischkonsum reduziert, den Papierverbrauch verringert und Produkte – wie zum Beispiel Autos, Handys oder Textilien – länger nutzt.

Ein großes Problem hat Deutschland auch mit der Wasserverschmutzung. „Durch über 200 Millionen Kubikmeter Gülle gelangt Ni-trat ins Wasser. Und je mehr Nitrat im Grundwasser ist, desto mehr Wasser ist notwendig, um es zu verdünnen, damit das daraus gewonnene Trinkwasser nicht den Nitratgrenzwert überschreitet“, erklärt von Vittorelli. „Wenn die Nitratbelastung weiter ansteigt, muss das Nitrat technisch aus dem Wasser entfernt werden. Dann haben die Kläranlagenbetreiber mehr Aufwand, wodurch die Trinkwasserpreise steigen werden.“

Lesen Sie auch

Auf die Frage, ob die Wasserverschmutzung in Deutschland unterschätzt wird, hat von Vittorelli eine klare Antwort. „Ja! Deutschland belegt bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie einen hinteren Platz. Und in der EU sind die Nitratwerte nur in Malta schlechter als in Deutschland. „Rund 92 Prozent unserer Seen und Flüsse sind in einem beklagenswerten Zustand.“ Um dagegen anzugehen, müsse das Schutzgesetz für Gewässer konsequent umgesetzt werden, und alle Politikfelder müssten sich an das europäische Recht halten. „Alle müssten an einem Strang ziehen. Stattdessen kämpfen Wasserbehörden und Umweltschützer oftmals allein gegen die übermächtige Lobby aus Agrarindustrie, Verkehr und Wirtschaft. Außerdem sind die Wasserbehörden mit zu wenig Geld und Personal ausgestattet, um die nötigen Maßnahmen einzuleiten“, sagt von Vittorelli.

Ausreichend Trinkwasser in Bremen

Nichtsdestotrotz ist in Bremen genügend Trinkwasser vorhanden. Aber: Nach Angaben des Versorgers SWB stieg der Wasserverbrauch in der Hansestadt bis auf eine positive Ausnahme im Jahre 2017 stets leicht an. Während die Bremer 1995 noch 35,5 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchten, sind es im vergangenen Jahr 37,8 Millionen Kubikmeter gewesen.

„Insgesamt halten sich die Veränderungen jedoch in Grenzen, weil Modernisierungen in Haushalten, Industrie und Gewerbe gleichermaßen über die Jahre zu Einsparungen führten und Mehrverbräuche kompensierten, die eigentlich durch Bevölkerungswachstum und höheren Industrie-Output hätten zustande kommen müssen“, sagt Christoph Brinkmann von der SWB. Es sei jedoch wichtig, in Zukunft nachhaltiger mit dem Rohstoff Wasser umzugehen – damit dieses wichtige Gut auch in Zukunft in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht.

Info

Zur Sache

Stark gefährdet ist der Nahe Osten

In vielen Ländern der Erde herrscht extreme Wasserknappheit, Deutschland ist davon noch nicht betroffen. Trotzdem ist auch hierzulande ein sorgsamer Umgang mit der lebensnotwendigen Ressource Wasser nötig. Denn im Zuge des Klimawandels nehmen bereits in einigen deutschen Regionen – etwa in Brandenburg – die Trockenperioden zu. Global betrachtet ist die Entwicklung viel dramatischer: Laut einer Untersuchung der Organisation World Resources Institute (WRI) könnte bis zum Jahr 2040 etwa ein Fünftel aller Länder von einer akuten Wasserknappheit bedroht sein.

Die Hauptursachen sind die durch den Klimawandel veränderten Niederschlagsmuster und der erhöhte Bedarf der wachsenden Weltbevölkerung. Besonders gefährdet ist der Nahe Osten. Es könnten aber selbst große Wirtschaftsnationen wie die USA, China und Indien große Probleme bekommen. Ebenfalls von einem hohen Risiko großer Wasserknappheit sind bedroht: Australien, Indonesien, Mongolei, Namibia, Südafrika, Botswana, Peru, Chile, die Philippinen und Regionen Nordafrikas.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+