Maschinenfleet

Re­na­tu­rie­rung im Blockland zeigt Wirkung

Eigentlich ist das Maschinenfleet, das südlich des Blocklands bis zur Lesum verläuft und die nördliche Grenze zu Gröpelingen und Burglesum bildet, nur ein Zuggraben. Doch inzwischen leben hier 30 Fischarten.
14.03.2021, 23:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Das Gewässer mit einer Länge von 6,6 Kilometern wurde einst von Menschenhand angelegt, doch das Maschinenfleet zeigt, dass auch Gewässer aus zweiter Hand eine hohe ökologische Qualität erreichen können. Als einziges erfüllt es nach Angaben des Bremer Umweltressorts die ökologischen Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Jedenfalls, was Fische, wirbellose Tiere und die Pflanzenwelt betrifft.

Die WRRL ist ein Instrument, das die Wasser-Politik der Europäischen Union stärker auf eine nachhaltige und umweltverträgliche Wassernutzung ausrichten soll. Dazu wird der ökologische Zustand der Gewässer in fünf Stufen bewertet – sie reichen von sehr gut bis schlecht. Anschließend werden Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet.

Auch Ochtum, Kleine Wümme, Kuhgraben und Wümme haben gute biologische Qualität

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gewässer sind die Chemie des Wassers und die Lebensgemeinschaften. Zwar haben in Bremen auch Ochtum, Kleine Wümme, Kuhgraben und Wümme eine gute biologische Qualität erreicht, sie erfüllen aber noch nicht die Kriterien für einen guten ökologischen Gesamtzustand, berichtet das Umweltressort.

Das Maschinenfleet hat eine klare Funktion: Es transportiert große Mengen Wasser, das aus dem Blockland, aber auch aus Oberneuland und dem Bremer Westen kommt. Bei Wasserhorst wird es in Richtung Lesum abgelassen. Bereits im Jahr 1985 bemühte man sich, das Maschinenfleet naturnäher zu gestalten: Ufer wurden zurückverlegt und abgeflacht und mit Röhricht bepflanzt, und der gradlinige Verlauf wurde soweit aufgelockert, dass das künstliche Gewässer heute abschnittsweise naturnah ist.

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Üppige Vegetation unter Wasser

„Der Deichverband hat Gewässer-Randstreifen aufgekauft und an diesen Stellen für eine naturnahe Uferbefestigung gesorgt“, sagt Wilfried Döscher, Geschäftsführer beim Bremischen Deichverband am rechten Weserufer. So entwickelten sich im Uferbereich Gehölzsäume, aber auch Schilfröhrichte und Schwimmblattgürtel, die zusammen mit einer üppigen Vegetation unter Wasser auch für eine hohe Selbstreinigungskraft des Gewässers und damit für eine gute Wasserqualität sorgen.

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„Es gibt allerdings Qualitätsdellen bei Starkregen, weil das Maschinenfleet dann große Mengen von Mischwasser mit sich führt“, sagt Wilfried Döscher, und das bedeute im Anschluss zwar verdünntes, aber trotzdem belastetes Abwasser. „Die Wasserqualität nimmt dann kurzzeitig ab, doch wir sorgen dafür, dass Mischwasser schnell abgepumpt wird.“

Die Uferbereiche des Maschinenfleets sind empfindlich: Vor allem zu schnell fahrende Boote lösen einen starken Wellenschlag aus, der Sedimente heraus spült. „Doch inzwischen halten sich die meisten Bootsfahrer an die Höchstgeschwindigkeit“, sagt Wilfried Döscher.

„Weil das Maschinenfleet permanent Wasser führt und es so stark fließt, dass es genügend Räumkraft besitzt, muss das Gewässer nur relativ selten ausgebaggert werden“, sagt Michael Schirmer, Deichhauptmann beim Bremischen Deichverbands am rechten Weserufer.

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Solche Ausbaggerungen bedeuten auch eine Entnahme von Tieren, die auszutrocknen drohen. „Doch wir sorgen dafür, dass bei diesen Reinigungsarbeiten keine wertgebenden Tierarten vernichtet werden“, so Döscher. „Wir haben eine schnelle Eingreiftruppe, die bei Ausbaggerungen die empfindlichen Arten wieder zurücksetzt.“

Moderlieschen, Schlammpeitzger und Steinbeißer leben im Maschinenfleet

Eine Vielzahl von kleineren Fleeten und Gräben ist mit dem Maschinenfleet verbunden, die ein zusammenhängendes Netzwerk bilden. „So ist der Fischartenreichtum des Maschinenfleets beachtlich“, sagt Michael Schirmer, „in ihm leben alle Arten, die für das norddeutsche Flachland typisch sind: insgesamt mehr als 30 Fischarten, darunter auch Seltenheiten wie das Moderlieschen, Schlammpeitzger oder Steinbeißer. Und wenn sich bei Starkregen durch das Mischwasser die Wasserqualität kurzfristig verschlechtert, können sich Fische in die angeschlossenen Gräben zurückziehen“, sagt der Gewässer-Experte.

An den Ufern des Maschinenfleets blühen nicht nur die gelben Teichrosen, sondern auch die weit selteneren Seerosen in strahlendem Weiß. Und an Abschnitten mit üppigen Weidengebüschen kann der Eisvogel von Zweigen aus nach Fischen jagen.

Doch auch wenn das Maschinenfleet einen guten ökologischen Zustand erreicht hat, wird auch noch weiterhin an seiner Verbesserung gearbeitet: „Noch mehr Renaturierungsarbeiten, wie zum Beispiel die Abflachungen von Ufern, stehen in Zukunft an“, sagt Wilfried Döscher. Sie laufen parallel mit Planungen, die das Bremer Umweltressort bis zum Jahr 2027 vorgesehen hat, wie zum Beispiel an der Varreler Bäke und an der Ochtum.

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