Illegeale Müllablagerung

Überfüllte Container: So entsorgen Sie Ihren Müll richtig

Altglas ohne Ende und vollgestopfte Altkleider-Container. Fragen und Antworten zu überfüllten Containern, richtigem Entsorgen und illegaler Müllablagerung.
09.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Überfüllte Container: So entsorgen Sie Ihren Müll richtig
Von Pascal Faltermann

Flaschen, ohne Ende Flaschen. Wein, Sekt, Rum, Wodka oder Prosecco. Und dazwischen kleinere Konserven-, Senf- und Marmeladengläser. An der Bremer Humboldtstraße türmten sich die leeren Behältnisse auf und neben den Containern. Vor den Feiertagen und danach erst recht. Ein Bild, das sich aber nicht nur im Bremer Viertel und nicht nur an den Altglas-Containern zeigte. Ähnlich sieht es in anderen Stadtteilen aus. Und: Zahlreiche Recycling-Behältern für Altkleider quellen ebenfalls über, gefüllte Plastiktüten liegen daneben oder obendrauf. Wer räumt den ganzen Kram weg? Wer ist verantwortlich? Hat das alles zugenommen? Und was ist eigentlich erlaubt und was nicht. Fragen und Antworten.

Wer ist zuständig für das Leeren der jeweiligen Altglas- oder Altkleider-Container?

Verantwortlich ist insgesamt die Bremer Stadtreinigung (DBS). Altglas wird in der Hansestadt von der Firma Nehlsen abgeholt, Textilien und Schuhe über die Abfalllogistik Bremen GmbH (ALB). Die E-Schrott-Container werden durch die DBS geleert.

Lesen Sie auch

Warum hat die Stadtreinigung andere Unternehmen beauftragt, die Container zu entleeren?

Verpackungsglas ist wie Leichtverpackungen (gelber Sack) über die dualen Systeme organisiert und finanziert. „Mit Kauf einer Glasverpackung, zum Beispiel einem Konservenglas, bezahlt der Endverbraucher bereits wenige Cent für die Entsorgung mit“, sagt Antje von Horn, Pressesprecherin der Bremer Stadtreinigung. Diese lizenzierten Mengen im Markt werden zur Entsorgung und Verwertung durch die dualen Systeme ausgeschrieben. Die DBS ist demnach nicht zuständig. Zwischen den Beteiligten ist über bestimmte Vereinbarungen geregelt, wer welche Aufgabe übernimmt.

Wie lange laufen die Verträge und wird sich dann gegebenenfalls etwas ändern?

Da DBS nur begrenzt über operatives Personal verfügt, werden Entsorgungsdienstleistungen in europaweiten Verfahren ausgeschrieben und an Externe vergeben. Die Ausschreibung zur Logistik und Entsorgung von Alttextilien hat die ALB für sich gewinnen können. Der Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2024. Danach wird neu ausgeschrieben. „An der Infrastruktur und der Organisation wird sich im Kern aber nichts ändern“, so von Horn.

Was darf nicht in den Altglas-Containern entsorgt werden?

Trinkgläser, Fenster, Haushaltsgeschirr (Keramik und Porzellan), Vasen oder Glühlampen sind kein Verpackungsglas und aufgrund ihrer Materialzusammensetzung über den Restmüll zu entsorgen.

Was kann getan werden, wenn Container überlaufen oder Sachen daneben gestellt werden?

„Die Container werden regelmäßig geleert und die Containerplätze gereinigt. Illegale Müllablagerungen vor den Containern sind eine Ordnungswidrigkeit, diese bereinigen wir“, sagt DBS-Sprecherin von Horn. Sollte sich zeigen, dass die Kapazität der Container zu gering sei oder die Leerungsintervalle nicht ausreichen, könne man vereinzelt nachbessern. „Allerdings sind gerade bei Hotspots die Möglichkeiten von zusätzlichen Leerungen oder Containern in aller Regel bereits ausgereizt“, so von Horn.

Lesen Sie auch

Ist es eine Straftat, wenn Altglas oder Altkleider neben den Container gestellt werden?

Ja, dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.

Was wird gegen die Vermüllung getan?

„Über die Entwicklungen der zunehmenden und teils massiven Ablagerungen sind wir natürlich nicht erfreut“, sagt von Horn. Neben Reinigungsmaßnahmen seien auch weitere Aktionen an einigen Hotspots geplant. So sollen Schilder aufgestellt werden, die auf den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit hinweisen. Auch Kontrollteams sollen vor Ort verstärkt Präsenz in Orange zeigen und nach Hinweisen suchen, um Geldbußen einzuleiten. Dazu sind laut DBS zehn Mitarbeitende in Bremen im Einsatz. Außerdem sollen an bestimmten Standorten die Behälter neu angeordnet oder eingezäunt werden, um illegalen Müllablagerungen vorzubeugen. Auch die Reinigungsintervalle und Leerungszyklen der Behälter sollen angepasst werden.

Wann fängt eine unzumutbare Vermüllung an?

Oft bedürfe es nur eines Gegenstandes, der weitere Personen dazu einlade, ihren Müll dazuzulegen. Dann erreiche man ganz schnell größere Dimensionen. „Es gibt keine klar definierte Grenze des Zumutbaren oder Unzumutbaren, wir sind aber stets bemüht, illegale Ablagerungen zeitnah abzuräumen. Wir können aber nicht permanent überall präsent sein“, sagt von Horn.

Gab es eine Zunahme von Altglas und Altkleidern in der Corona-Pandemie?

Speziell die Mengen an Glas haben sich laut DBS während des Lockdowns und auch rund um die Feiertage deutlich erhöht. An den Feiertagen sei das jedes Jahr der Fall, weil die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen.

Lesen Sie auch

Welche Faktoren beeinflussen die Entsorgungssituation?

„Corona ist einer der Gründe. Die Menschen haben vermehrt Zeit und aus Ermangelung an Aktivitäten wird ausgemistet, was das Zeug hält“, sagt von Horn. Die Lockdowns und die Feiertage führen dazu, dass vermehrt zu Hause konsumiert und gekocht wird, was die Mengen an Wertstoffen in die Höhe treibt. Ein weiterer Grund: Durch die Feiertage verschieben sich die Abfuhr-Rhythmen. „So stößt selbst die sorgfältigste Planung und Organisation an ihre Grenzen. Defizite werden derzeit aufgearbeitet“, sagt von Horn. Das erhöhte Aufkommen erstrecke sich über das ganze Stadtgebiet, wobei zentrale, hoch frequentierte Containerplätze einen noch stärkeren Zulauf erfahren. Diese Plätze fahre die DBS entsprechend öfter an.

Info

Zur Sache

272 Containerplätze

Die Bremer Stadtreinigung (DBS) betreibt 272 öffentliche Containerplätze. Dort können Glas, Textilien und Schuhe sowie kleine Elektrogeräte entsorgt werden. Die Abfallbilanz für 2020 ist noch nicht fertig. Im Jahr 2019 sammelten sich 29.747 Tonnen Papier und Pappe in Bremen an, was 52,13 Kilogramm pro Einwohner bedeuten. Hinzu kommen 5666 Tonnen Papier durch Verkaufsverpackungen. In den Altglas-Container häuften sich 9388 Tonnen Glas an (16,45 Kilogramm pro Einwohner).

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+