Neues Projekt

Museumsschiffe in Bremerhaven erhalten Schönheitskur

Lange war für die Instandhaltung der Flotte im Hafen des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven kaum Geld vorhanden, die „Seute Deern“ sank sogar. Nun gibt es ein vielversprechendes Projekt.
22.09.2021, 14:49
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Von dpa

Der Walfangdampfer „Rau IX“ ist kaum wiederzuerkennen: Es hat einen neuen Anstrich bekommen, marode Teile wurden ausgetauscht. Die große Zeltplane ist verschwunden, die jahrelang einen Bereich des Schiffes verdeckt hatte. Seit Anfang des Jahres setzt ein Team von Langzeitarbeitslosen den knapp 50 Meter langen Dampfer instand, der zur Flotte des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven gehört.

„Der Zustand des Schiffes war katastrophal“, sagte am Mittwoch der Bremerhavener SPD-Politiker Sönke Allers, der die Idee zu der Aktion hatte. Die Langzeitarbeitslosen werden von Fachleuten angeleitet. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Land Bremen und der Stadt Bremerhaven. Auch das Jobcenter ist mit von der Partie.

Die denkmalgeschützte „Rau IX“ hat eine bewegte Geschichte hinter sich: 1939 in Bremerhaven als Walfangschiff ursprünglich für den Margarineproduzenten Walter Rau gebaut, wurde es zunächst von der deutschen Marine beschlagnahmt und als U-Boot-Jäger eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit dem Schiff Wale unter anderem vor Norwegen und Island gejagt. Schließlich ausgemustert, gehörte es im 1975 eröffneten Schifffahrtsmuseum von Anfang an zu den Attraktionen.

Für das Museum sei das Projekt mit den Langzeitarbeitslosen eine Möglichkeit, die „Rau IX“ ohne eigene finanzielle Belastung wieder auf Vordermann zu bringen, sagte Lars Kröger, Projektleiter Museumshafen im DSM. Als nächstes soll sich das Team dem Feuerschiff „Elbe III“ widmen, das aus Sicherheitsgründen schon länger nicht mehr von Besuchern betreten werden darf. 

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Zur Museumsflotte gehörte auch die „Seute Deern“, die 2019 sank und inzwischen abgewrackt wurde. „Das, was in der Vergangenheit geschehen ist, darf sich nicht wiederholen“, sagte Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD). Grantz kündigte für Ende des Jahres Klarheit über die künftige finanzielle Aufstellung des Museums und seines Hafens an, zu dem acht Schiffe und Boote gehören.

Das Schifffahrtsmuseum ist eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Geld bekomme es von der öffentlichen Hand daher vor allem für die Forschung, sagte Katharina Horn, Kaufmännische Geschäftsführerin im Museum. Für die Museumsobjekte könne es eigentlich nicht verwendet werden. „In den letzten zehn Jahren mussten die Arbeiten an der Museumsflotte immer stärker reduziert werden“, betonte Lars Kröger. Als die Schiffe in den Besitz des Museums übergingen, sei damals völlig unterschätzt worden, welche Kosten mit der Instandhaltung verbunden seien.

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Die Arbeitslosen sollen durch das Projekt im besten Fall wieder in Beschäftigung gebracht werden. Bei drei Teilnehmern sei dies bereits gelungen, sagte Udo Bartau vom Jobcenter. Einige seien aber auch schon nach wenigen Tagen wieder abgesprungen. Einer der seit Februar dabei ist, ist der 58-jährige Michael Saß. „Die Arbeit ist toll“, sagt er, während er Holzbretter lasiert. Er will auf jeden Fall dabeibleiben.

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