Neue Coronaverordnung seit 12. Oktober

In der Bremer Fußgängerzone gilt noch oben ohne

Die ausgeweitete Pflicht, auch unter freiem Himmel einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, beschränkt sich aktuell auf Bahnhofsplatz und die Wochenmärkte. Doch dabei muss es nicht bleiben.
13.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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In der Bremer Fußgängerzone gilt noch oben ohne
Von Timo Thalmann
In der Bremer Fußgängerzone gilt noch oben ohne

Laut neuester Corona-Verordnung muss auf dem Bahnhofsvorplatz jetzt auch eine Maske getragen werden.

Frank Thomas Koch

Nicht jeder, aber doch die meisten, die aus dem Bahnhof herauskommen und auf den Vorplatz treten, ziehen sich mit inzwischen geübter Handbewegung ihren Mund-Nasen-Schutz ab. Umgekehrt bleiben viele Passanten vor dem Eingang zur Bahnhofshalle kurz stehen, um sich ihre Maske aufzusetzen, bevor sie das Gebäude betreten. Beides sind seit diesem Montag an dieser Stelle unnötige Handgriffe, denn zunächst befristet bis 25. Oktober ist auch der Bahnhofsplatz laut jüngster Verordnung des Bremer Senats offiziell mit dem Gebot belegt, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Der Beschluss geht auf den Freitag voriger Woche zurück, als Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zusammen mit der Kanzlerin und den Stadtoberhäuptern zehn weiterer Großstädte die jüngsten, stetig steigenden Zahlen der Corona-Infektionen erörterten. „Die Pandemie wird in den Metropolen entschieden“, hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Debatte begründet. Die Videokonferenz repräsentierte tatsächlich knapp 12,5 Millionen Menschen oder 15 Prozent der Bevölkerung. Aber mit einem Anteil von rund 20 Prozent kommen überproportional viele der Corona-Infizierte aus diesen Städten.

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Neben Sperrstunden für die Gastronomie sowie weiteren Einschränkungen für Feiern wurde prinzipiell auch die Pflicht ausgeweitet, Alltagsmasken im öffentlichen Raum zu tragen. In der jüngsten Verordnung des Landes Bremen gilt dies seit 12. Oktober für die Wochenmärkte und als einzigen weiteren Ort für den Bahnhofsplatz. Doch das weiß an diesem Montagmittag dort offenbar noch niemand. „Maskenpflicht? Hier?“, fragt einer der wartenden Taxifahrer vor dem Bahnhof zurück, wenn man ihn darauf anspricht. Er schaut auf den Platz, an dem sich zu diesem Zeitpunkt die Passanten weiträumig verteilen.

„Einer von zehn trägt da eine Maske“, stellt er fest. Eine Dame aus Bremerhaven, die jetzt beruflich „jeden Tag in ein Risikogebiet pendelt“, wie sie sagt, weiß ebenfalls nichts von der Maskenpflicht vor dem Bahnhof. Auch ihr erster Handgriff nach dem Verlassen des Gebäudes galt dem Absetzen des Mund-Nase-Schutzes. „Ob das für diesen Platz unbedingt sinnvoll ist, weiß ich nicht. Ich dachte, das kommt zuerst für die Sögestraße und die Schlachte.“

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Das meinten wohl schon am Sonnabend viele Besucher der Innenstadt, denn die Zahl der Maskenträger in der Fußgängerzone wirkte zumindest optisch größer als in den Tagen zuvor. Es gebe eine Reihe an Vorschlägen für weitere Bereiche, vor allem im Innenstadtbereich sowie Fußgängerzonen, heißt es dazu aus dem Innenressort. Über diese Vorschläge werde der Senat noch entscheiden. „Wir befürworten alles, was uns hilft, den zweiten Lockdown zu vermeiden“, kommentiert Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative, diese Aussichten.

Noch einmal geschlossene Geschäfte wolle niemand. Über den öffentlichen Raum entscheide ausschließlich die Politik. Das betreffe auch die Hygienekonzepte für Areale wie die Lloyd-Passage, auch wenn dort offiziell die CS City-Service GmbH als Managementgesellschaft das Hausrecht ausübt. Die Entscheidung über weitere Orte mit Maskenpflicht orientiert sich laut Innenressort allein an der Frage, wie hoch die Besucherfrequenz ist und welche Schwierigkeiten bestehen, zu jedem Zeitpunkt den Mindestabstand einzuhalten.

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„Dann sollte man mal im Schnoor anfangen und nicht vorm Bahnhof“, kommentiert das ein Passant. Er steht mit seiner Zigarette in einer der ausgewiesenen Raucherzonen, direkt am Eingang zur Bahnhofshalle. Die Maske hat er unters Kinn gezogen. Er zeigt auf die große Straßenbahnhaltestelle. „Da ist auch überall Maske vorgeschrieben, aber mindestens die Hälfte der Leute kümmert das nicht. Nützt ja nichts, für immer mehr Orte eine Maske zu verlangen und das dann nicht zu kontrollieren.“ Auch jetzt sei ja wohl niemand vom Ordnungsamt zugegen. „Und wenn man hier schon Maskenpflicht verhängt, könnte man ja wenigstens Schilder aufstellen. Woher soll man das wissen?“

Auf den Wochenmärkten sorgt der Großmarkt als Veranstalter für entsprechende Hinweise. Die Maskenpflicht für den Obst- und Gemüseeinkauf unter freiem Himmel galt im Frühjahr schon einmal. „Es wird darum wie zu Beginn der Pandemie wieder Aushänge und Schilder an einzelnen Ständen und auf den Wochenmärkten geben, die die Kunden auf die Einhaltung der Regeln hinweisen werden“, sagt Torsten Haar, Teamleiter Wochenmärkte beim Großmarkt. Auf Bremens größtem Wochenmarkt in Findorff hingen etwa schon am vorigen Sonnabend die neuen, alten Schilder.

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Außerdem seien die Händler angewiesen, ihre Kunden auf die Schutzmaßnahmen aufmerksam zu machen. Dazu zähle neben der Maskenpflicht auch weiterhin das Abstandsgebot. „Wir sind allerdings auf die Kooperation der Marktbesucher angewiesen“, sagt Haar. Der Großmarkt und damit auch die Händler vor Ort hätten keine rechtliche Handhabe, Kunden vom Platz zu weisen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. „Die Flächen, auf denen die Wochenmärkte abgehalten werden, sind öffentlicher Raum. Das kann dort nur das Ordnungsamt beziehungsweise die Polizei.“

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