Bahn zwischen Vegesack und Hauptbahnhof Nordwestbahn kündigt Verbesserungen an

Ab dem 21. Oktober sollen die Bahnen häufiger fahren und für die Hauptverkehrszeit die Züge verlängert werden, kündigten Vertreter der Nordwestbahn und Senatorin Maike Schaefer in einer Sitzung an.
26.09.2019, 20:47
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Nordwestbahn kündigt Verbesserungen an
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Seit Monaten sorgt der Personalengpass bei der Nordwestbahn (NWB) für Ärger unter Pendlern im Bremer Norden. Deshalb hat sich der Regionalausschuss Bremen-Nord in seiner ersten Sitzung der neuen Wahlperiode mit dem Thema beschäftigt und das Unternehmen am Mittwochabend zum Rapport einbestellt. Neben NWB-Geschäftsführer Hartmut Körbs und Regio-S-Bahn-Leiter Robert Palm stand auch Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) den Nordbremer Beiräten und Bürgern Rede und Antwort.

Erste Verbesserungen verspricht das Unternehmen bereits für den kommenden Monat. „Die Züge platzen aus allen Nähten. Deshalb erhöhen wir bei einigen Verbindungen die Kapazität. Das bekommen wir mit einer zusätzlichen Schicht hin und können das personell auch leisten“, sagt Palm.

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Ab 21. Oktober sollen deshalb werktags während des 15-Minuten-Taktes einmal pro Stunde wieder zwei Bahnen statt wie bisher einer fahren. Dies gilt für Verbindungen zur Minute 50 ab Vegesack und zur Minute 19 ab Hauptbahnhof. Außerdem sollen die Verbindungen um 5.35, 6.05, 6.35 und 7.05 Uhr ab Vegesack sowie um 7.04, 7.34, 8.04 und 8.34 Uhr ab Hauptbahnhof mit einem zweiten Wagen verstärkt werden. Am Wochenende bleibt das Ersatzkonzept unverändert bestehen.

Das gilt auch für die Freimarktszeit. Allerdings hat Palm während der Sitzung zugesichert, dass die zusätzlich bestellten Fahrten auch angeboten werden. „Für die Freimarktszeit haben wir zusätzliches Personal geordert“, sagt Palm.

Solche Regelungen wünschen sich die Mitglieder der Nordbremer Beiräte auch für den Weihnachtsmarkt oder Spiele von Werder Bremen. Ob die Nordwestbahn allerdings auch für diese Großereignisse zusätzliches Personal beschaffen kann, ließen die Vertreter des Unternehmens offen.

Investition in Ausbildung neuer Mitarbeiter

Damit künftig genügend Triebfahrzeugführer zur Verfügung stehen, investiere die NWB 2,5 Millionen Euro in die Ausbildung neuer Mitarbeiter. „Wir haben eine gute Bewerberlage. Wegen des langen Vorlaufs dauert es aber, bis die neuen Kollegen eingesetzt werden können“, sagt Palm. Im Dezember sowie im Sommer kommenden Jahres sollen weitere Triebfahrzeugführer für das Netz der Regio-S-Bahn zur Verfügung stehen. „Ab wann wir wieder alle Fahrten anbieten können, steht noch nicht fest. Wir gewinnen zwar stetig neues Personal, können Mitarbeiter aber auch jederzeit wieder verlieren“, sagt Palm. In der Adventszeit sei ein weiteres Gespräch mit Maike Schaefer anberaumt, um über die Zukunft zu sprechen.

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Laut Palm fehlen bundesweit derzeit rund 1500 Lokführer, bei der Regio-S-Bahn sind es acht bis zehn. „Das Problem ist nicht die Vergütung. Triebfahrzeugführer bekommen ein Einstiegsgehalt von 2800 Euro und 40 Tage Urlaub im Jahr“, sagt Palm. „Der Job ist nicht mehr mit den gesellschaftlichen Erwartungen vereinbar. Es gibt viele Früh- und Nachtfahrten, deshalb sind unsere Mitarbeiter fast rund um die Uhr im Einsatz. Hinzu kommen die Wochenenddienste.“

Viele Ausfülle durch Güterverkehr

Doch der Personalmangel sei nicht der einzige Grund für die Zugausfälle der letzten Monate. Die Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und Burg wird auch von vielen Güterzügen genutzt, die aus oder nach Bremerhaven fahren. „Züge mit einem kurzen Fahrtweg werden immer den Zügen mit langen Wegen hintenangestellt. Deshalb muss die Regio-S-Bahn den Güterzügen immer wieder die Vorfahrt lassen und fällt infolgedessen aus“, berichtet der Leiter der Regio-S-Bahn. Diese Regelung gelte nicht nur in Bremen, sondern bundesweit. „Der Güterverkehr ist für 50 Prozent aller Zugausfälle auf der Strecke verantwortlich“, sagt Maike Schaefer.

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Abhilfe könnten ein drittes Gleis in Burg oder ein elektrisches Stellwerk schaffen. „Ein elektrisches Stellwerk gibt uns die Möglichkeit, die Taktung zu erhöhen“, sagt Christoph Lankowsky, Fachreferent für den Schienenverkehr im Mobilitätsressort. Fertig werde dies allerdings erst 2024. „Außerdem ist das Stellwerk nur ein kleiner Trost. Ein drittes Gleis brauchen wir dringender“, sagt er.

Entschuldigung von Körbs über aktuelle Situation

Hartmut Körbs nutzte die Versammlung, um sein Bedauern über die aktuelle Situation zum Ausdruck zu bringen. „Wir können uns nur in aller Form bei Ihnen entschuldigen. Wir richten den Blick nach vorn und garantieren, dass wir den Kunden bei unserem Ersatzkonzept immer im Blick haben“, sagt er im Bürgerhaus. Bei den Mitgliedern des Regionalausschusses kamen diese Worte allerdings nicht gut an. „Das ist ein Offenbarungseid. Sie sind Auftragnehmer und können Ihrer Pflicht nicht nachkommen“, sagt Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt. „Ihre Entschuldigung ist nett, mehr aber auch nicht“, sagt SPD-Beiratsmitglied Heike Sprehe.

Aus der Diskussion des Abends heraus hat der Regionalausschuss mehrere Forderungen formuliert. Dazu zählt etwa, dass die NWB schnellstmöglich wieder die vereinbarten Leistungen erfüllen soll. Außerdem verlangt das Gremium, dass Maike Schaefer die Planungen des dritten Gleises in Burg vorantreibt und die Strecke zügig digitalisiert wird.

Neben den Problemen im Zugverkehr hat der Regionalausschuss außerdem Torsten Bullmahn als seinen Sprecher gewählt. Zu seinem Stellvertreter wurde Hans-Gerd Thormeier bestimmt. Beide Wahlen fielen einstimmig aus.

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