Maschine unter Quarantäne

Notfall am Flughafen Bremen

Am Flughafen Bremen ist es am Montagabend zu einem Zwischenfall gekommen, weil bei einem Passagier Verdacht auf eine hoch ansteckende Krankheit bestand. Das Gesundheitsamt konnte Entwarnung geben.
24.10.2017, 07:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Carolin Henkenberens und Daniel Kähler
Notfall am Flughafen Bremen

Stand unter Quarantäne: Die Passagiere einer Maschine der Fluggesellschaft Germania durften zunächst nicht aussteigen.

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Am Flughafen Bremen ist es am späten Montagabend zu einem Zwischenfall gekommen. Bei einem Passagier in einer Maschine, die aus dem ägyptischen Hurghada kam, bestand Verdacht auf eine hoch ansteckende Hirnhautentzündung. Dies bestätigten die Feuerwehr und die Polizei Bremen. Die Fluggäste mussten deshalb nach der Landung mehr als eine Stunde lang in dem Airbus bleiben. Erst als das Gesundheitsamt Entwarnung gab, konnten die Passagiere aussteigen.

Der Mann hatte über Kopf- und Rückenschmerzen geklagt, berichtete die Gesundheitsbehörde. Wie die Fluggesellschaft "Germania" mitteilte, sei die Crew schon während des Flugs auf den verschlechterten Gesundheitszustand aufmerksam geworden und habe Erste Hilfe geleistet. Per Funk habe der Kapitän den Flughafen Bremen informiert und medizinische Hilfe angefragt. Als die Maschine gelandet war, habe dann eine Notärztin den Mann versorgt. Der Verdacht auf Meningitis bestätigte sich jedoch nicht. Laut Bremer Gesundheitsbehörde habe es keine Hinweise auf die Krankheit gegeben. Der Mann wurde zur weiteren Versorgung in eine Bremer Klinik gebracht. Die anderen Passagiere wurden nach Angaben der Fluggesellschaft von der Notärztin über mögliche Symptome informiert und angehalten, sich im Verdachtsfall in medizinische Behandlung zu begeben.

Kritik am Krisenmanagement

Nach dem Vorfall kommt Kritik am Notfallmanagement des Flughafens auf. Einem Mitarbeiter des Flughafens zufolge hätten er und seine Kollegen zunächst keine Informationen erhalten, die sie an die Angehörigen weitergeben konnten. "Die Leute wollten wissen, was los ist", sagte der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen möchte. "Es ist ein Unding, dass die Verantwortlichen nicht mal ins Terminal gekommen sind und den Menschen erklärt haben, was da los ist." Später hätten die Mitarbeiter sagen sollen, dass es "Probleme beim Aussteigen" gebe. Auch ein Mann, der seine Frau vom Flughafen abholen wollte, kritisierte im Gespräch mit dem WESER-KURIER: "Wir haben nichts erfahren."

Der Flughafen wies die Kritik zurück und teilte mit, die Abholer seien durch Mitarbeiter des Notfallmanagements des Flughafens und das Betreuungsteam informiert worden, nachdem eine gesicherte Rückmeldung zur Lage von den eingesetzten Kräften der öffentlichen Gefahrenabwehr vorlag. Nicht immer sei gleich klar, welche Maßnahmen getroffen werden müssten. Zunächst müsse immer erst ein Arzt den betroffenen Passagier an Bord untersuchen. Dann könne über das weitere Vorgehen entschieden werden, so der Betriebsleiter des Flughafens.

Vermittlung gesicherter Informationen

Eine Flughafen-Sprecherin ergänzt: "In den Notfallplänen sind Verfahren für die Kommunikation mit Passagieren und Abholern berücksichtigt." Dabei sei es, wie in jeder anderen besonderen Situation, von größter Bedeutung, dass nur gesicherte Informationen weitergegeben würden. "Nur so kann sichergestellt werden, dass keine Falschinformationen oder Spekulationen zu Verunsicherung oder gar Panik führen", führt die Sprecherin fort. Als dem Flughafen von der Notärztin gesicherte Informationen vermittelt wurden, seien diese auch sofort kommuniziert worden.

Den Vorwurf des Mitarbeiters, dass der Notfallplan am Montagabend nicht eingehalten worden sei, wies der Flughafen Bremen am Dienstag entschieden zurück. "Der entsprechende Notfallplan für Krankheitsverdachtsfälle wurde vom Flughafenbetreiber ausgelöst und in Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden vollumfänglich umgesetzt", teilte die Flughafensprecherin dem WESER-KURIER mit. In solchen Sonderfällen arbeite man eng mit den zuständigen Behörden zusammen. Nach Angaben des Betriebsleiters gab es in den vergangenen Jahren erst zwei vergleichbare Fälle auf dem Airport in Bremen. Krankheitsverdachtsfälle an Flughäfen seien aber generell nicht ungewöhnlich.

++ Dieser Artikel wurde zuletzt um 20.40 Uhr aktualisiert. ++

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