Lehrer verunsichert Personalrat fordert Maskenpflicht an Bremer Schulen

Bremen steht wie viele andere Bundesländer kurz vorm schrittweisen Wiedereinstieg in den Unterrichtsbetrieb. Lehrerinnen und Lehrer kritisieren allerdings den Hygieneplan der Behörde und hoffen auf mehr Schutz.
24.04.2020, 21:25
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Personalrat fordert Maskenpflicht an Bremer Schulen
Von Lisa-Maria Röhling

Die schrittweise Schulöffnung vom kommenden Montag an löst bei vielen Lehrkräften Unbehagen aus. Der Personalrat Schulen beklagt, dass Vorgaben über Risikogruppen noch am Freitag unklar waren. Zudem hält die Lehrkräftevertretung eine Maskenpflicht für Personal und ältere Schüler für dringend notwendig. "Wir brauchen endlich deutliche Regelungen, an denen sich die Beschäftigten orientieren können“, sagt Personalratsvorsitzende Angelika Hanauer.

Aktuell gilt in Bremen eine Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und den Einzelhandel, Kinder unter sieben Jahren sind davon ausgenommen. Im fünfseitigen „Musterhygieneplan Corona für Schulen“ ist Mund-Nasen-Schutz nicht vorgesehen, aber zahlreiche Vorgaben für den Schulstart: Abstand von 1,50 bis zwei Meter, maximal 15 Schülerinnen und Schüler pro Klassenraum, versetzte Pausenzeiten und regelmäßiges Händewaschen gehören dazu.

Schüler halten sich nicht an die Abstandsregeln

Insbesondere die Abstandsregelungen, sagt Hanauer, seien unmöglich einzuhalten, das hätten einige Kollegen bereits aus den Notdiensten berichtet. Sowohl Grundschüler als auch Zehntklässler hielten sich oft nicht an die Vorgaben. „Davon ab Montag auszugehen, ist illusorisch und weltfremd.“ Schließlich handele es sich oft um „sorglose Jugendliche“, die sich auch mal unterhalten oder vielleicht sogar provozieren wollten. „Wie soll da der Wiedereinstieg funktionieren?“

Hanauers Forderung: Masken für die Lehrkräfte und ältere Schüler, genaue Regelungen für Risikogruppen. Das ist aus Sicht des Bildungsressorts nicht nötig. Allerdings heiße es in einem Behördenpapier: „Sollte das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit und somit auch für Prüflinge und Personal zur Vorschrift erklärt werden, erfolgt die Umsetzung in Form einer Güterabwägung in Würdigung der verfügbaren Ressourcen.“ Hanauer schließt draus: Wenn es nicht genug Masken oder auch Desinfektionsmittel gibt, müsse man sich anders behelfen. Deswegen hätten einige Schulen bereits von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und auf eigene Faust eine Maskenpflicht eingeführt.

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Dass von der Behörde keine Vorgaben zum Mund-Nasen-Schutz gemacht werden, findet die CDU-Fraktion problematisch. „Das führt zu Verwirrungen bei Eltern und Schülern“, sagt die bildungspolitische Sprecherin, Yvonne Averwerser. Grundsätzlich hält sie die Hygienevorgaben des Bildungsressorts zwar für gut, sieht aber Potenzial für Verbesserungen, beispielsweise durch zusätzliche Reinigungsintervalle.

Die Bildungsbehörde hat am Freitag eine Richtlinie für Risikogruppen vorgelegt, die grundsätzlich die Menschen benennt, für die die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs bei einer Erkrankung an Covid-19 besteht. Die Betroffenen können sich mit Attesten freistellen lassen. Zusätzlich heißt es: „Der Einsatz im Präsenzunterricht ist nicht bereits mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe, mit der Schwerbehinderteneigenschaft oder dem Vorliegen einer Schwangerschaft ausgeschlossen.“

Keine Maskenpflicht

Eine Maskenpflicht an den Schulen wird es nicht geben, sagt Sprecherin Annette Kemp. Lehrkräfte dürfen Masken in den Schulen tragen, älteren Schülerinnen und Schülern wird es „als Akt der Solidarität und zur Minimierung der Ausbreitung des Virus empfohlen“. Die Schulen, die eine Tragepflicht in Eigenregie ausgesprochen haben, sollen sie demnach durch eine Empfehlung ersetzen. „Es bleibt wahnsinnig wichtig, den Abstand einzuhalten und die Hände zu waschen“, so Kemp.

Die Gewerkschaft GEW hofft, die Hygienemaßnahme mit Kerngruppen umzusetzen: Wenn schon Unterricht, dann in überschaubaren Gruppen und nicht mit wechselnden Lehrkräften, um die Infektionsketten gering zu halten, sagt Landesvorstandssprecherin Barbara Schüll. Denn Schutzmasken zu tragen und regelmäßig die Hände zu waschen, das sei bei Kindern und Jugendlichen nicht zu gewährleisten.

Die Belegschaft von Kita Bremen ist in Bezug auf das Tragen von Masken gespalten, sagt der Personalratsvertreter Toren Christians. Viele Erzieherinnen und Erzieher könnten damit nicht arbeiten, andere forderten eine Maskenpflicht. Explizit auf die Kitas bezogene Hygienevorschriften hat die Bildungsbehörde am Freitag veröffentlicht, in denen unter anderem die Arbeit in konstanten Gruppen vorgeschrieben ist. Zusätzlich soll laut Christians kommende Woche ein Arbeitsschutzausschuss tagen. Am meisten bewegen die Erzieher die Abstandsregeln: In den Krippen könne kaum ein Kind mit 1,50-Meter Abstand gewickelt werden, simple Brett- oder Kartenspiele seien ebenfalls undenkbar. „Das ist in Kitas schlichtweg nicht möglich“, sagt Christians.

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