Belastungsprobe für Bremer Region Möbelzentrum am Weserpark soll größer werden

Bremen und sein Umland, ein schwieriges Verhältnis. In Osterholz soll gegenüber vom Weserpark ein Möbelzentrum auf Bremer Boden entstehen, das größer werden könnte als ursprünglich geplant.
15.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Möbelzentrum am Weserpark soll größer werden
Von Jürgen Hinrichs

Bremen und sein Umland, ein immer schon schwieriges Verhältnis, das jetzt möglicherweise wieder auf eine harte Probe gestellt wird. In Osterholz soll gegenüber vom Weserpark und auf Bremer Gebiet ein Möbelzentrum entstehen, das größer werden könnte als ursprünglich geplant. Der Investor will nach neuen Informationen 5000 Quadratmeter oben draufschlagen und eine Ladenfläche von insgesamt 50 000 Quadratmetern schaffen, weit mehr als doppelt so viel wie Ikea in Brinkum hat. Die niedersächsischen Nachbarn betrachten diese Pläne mit Argwohn. Klage oder Kompromiss? Die Antwort darauf wird über die Zukunft der nachbarschaftlichen Beziehungen entscheiden.

Die Klammer zwischen Bremen und seinem Umland ist der Kommunalverbund mit 30 Städten, Gemeinden und Landkreisen. Vor zwei Jahren haben die Mitglieder ein Einzelhandelskonzept beschlossen, das vorschreibt, bei so großen Ansiedlungen wie in Osterholz ein Moderationsverfahren vorzuschalten. Das Ergebnis muss in die Planungen einfließen, kann am Ende aber trotzdem ignoriert werden. Bisher kam so ein Verfahren noch nicht zum Tragen, das Projekt Möbelzentrum wäre der erste Belastungstest.

>> Lohse: "Die Konkurrenz bleibt"

Hinter der Investition, die mit der geplanten Erweiterung auf die 80-Millionen-Marke zusteuern dürfte, steckt die Krieger-Gruppe mit ihren Marken Möbel Höffner, Möbel Walther und Möbel Kraft. Sie liegt hinter Ikea auf Platz zwei der größten Möbelunternehmen in Deutschland. Kurt Krieger hatte vor zehn Jahren in Osterholz das ehemalige Gelände von Radio Bremen gekauft. Es folgte ein langer Streit darüber, wie groß der Unternehmer sein Einrichtungszentrum bauen darf und welches Sortiment in den Verkauf geht. Möbelhäuser bieten in der Regel auch andere Ware an und graben damit zulasten der Konkurrenz weitere Kaufkraft ab.

Der Kommunalverbund suchte einen Kompromiss und fand ihn; das Möbelhaus wäre deutlich kleiner geworden und hätte weniger Nebensortiment gehabt. Doch Bremen scherte aus und verfolgte zusammen mit dem Investor weiter die ursprünglichen Pläne. Die Stadt Achim klagte dagegen, ging bis zum Bundesverwaltungsgericht – und verlor.

Heute gibt es mit dem Einzelhandelskonzept zwar einen neuen Verhandlungsmechanismus, der als verbindlicher angesehen wird. Eine Hintertür ist aber immer noch offen. Wer plant, bestimmt letzten Endes. Ungeachtet aller Verabredungen.

>> Kommentar zum Möbelhaus-Konflikt

„Entscheidend ist, was die Vergrößerung bedeutet“, sagt Rainer Ditzfeld, Bürgermeister von Achim. „Sollte es die Möbel betreffen, würde uns das nur ein bisschen wehtun, geht es auch ums Nebensortiment, werden wir das nicht hinnehmen.“ Achim wolle Bremen nicht in die Suppe spucken, so Ditzfeld wörtlich, „wir müssen aber erkennen, dass so eine Entwicklung für alle Kommunen schädlich wäre, die ihre Zentren stärken wollen“.

Bremens Bausenator Joachim Lohse (Grüne), mit dem Kurt Krieger sich für die kommende Woche zu einem Gespräch verabredet hat, geht davon aus, dass der Unternehmer nur bei den Möbeln draufsatteln will. „So hat Herr Krieger das mitgeteilt“, sagt Lohse in einem Interview mit dem WESER-KURIER. Der Senator betont, dass Bremen ein großes Interesse an der Ansiedlung habe. „In der Branche ist das Angebot bei uns noch relativ dünn, da gibt es Nachholbedarf.“ Außerdem schaue Bremen natürlich auch auf die möglichen Einnahmen durch die Gewerbesteuer.

Andreas Bovenschulte, Bürgermeister der Gemeinde Weyhe und Chef des Kommunalverbundes, pocht im selben Interview auf die Vereinbarungen der Nachbarn im Einzelhandelskonzept: „Ich hoffe und erwarte auch ganz klar, dass die jeweilige Kommune, hier also Bremen, sich an das Ergebnis eines Moderationsverfahrens halten wird.“ Bovenschulte, der in Bremen bis 2013 Landesvorsitzender der SPD war, hält mit seiner Skepsis gegenüber dem Krieger-Projekt nicht hinterm Berg, drückt sich aber vorsichtig aus: „Es gab schon deutlich positivere Nachrichten.“

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