Gastkommentar Wasser ist wertvoller als Gold

Wasser ist wertvoller als Gold, wenn es das globale Gemeinwohl steigert, indem es jedem zugänglich ist, mein Birgit Lange-Ebelui´ing, Leiterin von Unicef Bremen, in einem Gastkommentar zum Weltwassertag
21.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Birgit Lange-Ebeling

Das Thema des Weltwassertags am 22. März lautet „Der Wert des Wassers“ und spannt einen Bogen vom essenziellen Grundbedürfnis bis zu privatwirtschaftlichen Gewinnerzielungsinteressen. Wasser ist ein knappes Gut: Nicht überall steht es in gewünschter Menge und Qualität zur Verfügung. In Zahlen bedeutet dies, dass immer noch 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen und sicheren Trinkwasserquellen haben.

In pandemischen Zeiten ist es besonders fatal, wenn sich in den ärmsten Ländern nur jeder Vierte zu Hause die Hände waschen kann. Langfristig werden Klimawandel und Bevölkerungswachstum das Problem noch deutlich verschärfen; selbst Deutschland leidet mancherorts schon an sinkenden Grundwasserspiegeln und Niedrigwasser führenden Flüssen.

So ist es nur konsequent, dass sich ein Menschenrecht auf Wasser herausgebildet hat. Dieses kann aus dem UN-Sozialpakt abgeleitet werden, dadurch ist es zwar im Regelfall nicht einklagbar, zumindest aber moralisch verankert. Auch im Zielkatalog der UN für eine nachhaltige Entwicklung ist der Zugang zu sauberem Wasser formuliert. Jeder braucht es, und niemand darf von seiner Nutzung ausgeschlossen werden. Dieses Kriterium rückt Wasser in die Nähe eines öffentlichen Gutes und damit in die Verantwortung staatlicher Organe.

Doch gerade arme Länder, neun der zehn ärmsten liegen in Afrika, können häufig die Wasserversorgung ihrer Bevölkerung als staatliche Verpflichtung nicht leisten. Finanzielle Engpässe, vielerorts auch Missmanagement führen zu einer veralteten Infrastruktur, in der Ausbau und Modernisierung unterbleiben. Auch eine vollständige Privatisierung, wie sie Großbritannien unter Margaret Thatcher vollzogen hat, führt in die Sackgasse: Ein Viertel des Wassers versickert aufgrund von Leckagen in maroden Leitungen, da auch hier dringend erforderliche Investitionen unterblieben.

Fazit: Alle Ansätze einer „Good Governance“ als Konzept einer guten Regierungsführung gilt es zu stärken. Nur korruptionsresistente Finanzierungssysteme und fachlich versiertes Management können allen Menschen Zugang zu einer preislich und qualitativ adäquaten Wasserversorgung ermöglichen. Private Versorger müssen staatlicher Aufsicht unterstehen, wobei diese streng auf Nutzeneffizienz achten muss. Nur so lassen sich hohe gesellschaftliche Kosten in Form vermeidbarer Krankheiten minimieren. Wasser ist wertvoller als Gold, wenn es das globale Gemeinwohl steigert, indem es jedem zugänglich ist.

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Zur Person

Unsere Gastautorin ist Diplom-Volkswirtin, Mitglied im Wasserforum Bremen und seit 2012 Leiterin von Unicef Bremen.

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