Verhandlung unterbrochen Prozess zu Drogenplantage geht ins Jahr 2020

Im Prozess um die Drogenplantage in der Bremer Scharnhorst-Kaserne geht es nur noch um die Frage, ob es zwei oder drei Täter waren. Am vierten Verhandlungstag schlugen hierzu erneut die Wellen hoch.
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Prozess zu Drogenplantage geht ins Jahr 2020
Von Ralf Michel

Der Prozess um die Drogenplantage in der Scharnhorst-Kaserne geht ins nächste Jahr. Am Montag stand nach sechseinhalb Stunden kaum mehr als die Vernehmung von zwei Zeuginnen zu Buche. Und letztlich dann die erneute Unterbrechung. Plädoyers und Urteil sind nun für den 6. Januar 2020 geplant.

Vor dem Amtsgericht stehen drei ehemalige Soldaten, 38, 30 und 28 Jahre alt. Der Fall an sich ist geklärt, zwei aus dem Trio haben ein Geständnis abgelegt. Von September 2015 bis März 2016 haben die Männer in einem Gebäude der Bundeswehr in Huckelriede Cannabis angebaut. Der Erfolg blieb überschaubar: Die erste Ernte, ohnehin nur 13 Pflanzen, war qualitativ zu schlecht für den Verkauf. Vor der zweiten Ernte flog die Plantage auf.

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Die Polizistin, die als Zeugin befragt wurde, sprach trotzdem von einer „professionell betriebenen Plantage“. Aufzuchtbehälter, Hochleistungslampe, Carbonfilter, Luftbefeuchter, Abluftschlauch – alles da. Dazu die Tür von innen mit Folie abgeklebt. Ebenso die Fenster, die allerdings mit einer Gardine kaschiert, damit von außen auf dem Kasernengelände niemand aufmerksam wird. Woher das Material stammte, war schnell geklärt. Die entsprechenden Auftragsbestätigungen und Rechnungen eines Fachgeschäfts aus dem Viertel fanden die Polizei ebenfalls am Tatort.

Beim Wort „professionell“ wurden die Verteidiger hellhörig, bombardierten die Zeugin geradezu mit Fragen zu Indoorplantagen, der notwendigen Technik sowie zum Wirkstoffgehalt der vorgefundenen Pflanzen. Die Strategie dahinter: Aufzuzeigen, dass die Polizistin wenig vom Drogenanbau versteht, und dass die Angeklagten alles andere waren als professionelle Plantagenbetreiber.

Doch angesichts der Geständnisse von zwei der drei Männer ist all dies ohnehin nur ein Nebenkriegsschauplatz. Im Kern geht es in diesem Prozess nur noch um die Frage, wie groß die Tatbeteiligung des Dritten im Bunde war. Ein Fingerabdruck von ihm wurde gefunden, aber nur an der Folie, mit der die Tür abgeklebt war. Und anders als bei seinen beiden Mitangeklagten fanden sich von ihm auch keine DNA-Spuren. Seine beiden ehemaligen Kameraden lieferten hierzu Widersprüchliches. Der 30-Jährige entlastet ihn, der 38-Jährige bezeichnet ihn als Mittäter.

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Auch die beiden Zeuginnen belasteten den 28-Jährigen. Er sei von Anfang an dabei gewesen, bei der Planung und auch beim Einkauf der Materialien, an deren Kosten er sich beteiligt habe, berichtete die ermittelnde Polizistin von den Aussagen des 38-Jährigen bei dessen ersten Vernehmungen. Ähnliches berichtete dessen Freundin. Es sei immer von Dreien die Rede gewesen, auch wenn sie den Eindruck gehabt habe, dass der 28-Jährige nur eine Art Mitläufer gewesen sei.

Damit fußt die Anklage gegen den Dritten allein auf der Aussage des 38-Jährigen. Der jedoch sei ein pathologischer Lügner, sagte der Anwalt des 28-Jährigen und beantragte hierzu ein Sachverständigengutachten. Als die Richterin dies ablehnte, stellte der Verteidiger einen Befangenheitsantrag und damit war dann Schluss im Gerichtssaal. Nicht nur für Montag, sondern auch gleich für das restliche Jahr 2019.

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