Unfallatlas Radfahren im Viertel: nichts für Anfänger

Im Unfallatlas für Bremen taucht das Viertel besonders häufig auf, denn dort haben Radfahrer besonders schwer. Der WESER-KURIER hat sich die gefahrenträchtigsten Stellen genauer angesehen.
08.10.2018, 06:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Radfahren im Viertel: nichts für Anfänger
Von Justus Randt

Was Fahrradunfälle betrifft, ist das Viertel ein heißes Pflaster – was nicht nur mit dem Straßenbelag zu tun hat. Ein vom Statistischen Bundesamt herausgegebener Unfallatlas weist das Viertel als schwieriges Terrain für Radler aus. Unfallschwerpunkte gibt es zwar auch in anderen Teilen der Stadt – wie den Stern, die Stephanibrücke oder die Kreuzung Breitenweg und Herdentorsteinweg –, doch im Steintor und im Ostertor häufen sich neuralgische Punkte.

Stadtweit wurden im vergangenen Jahr 1557 Fahrrad- und Pedelecfahrer bei Unfällen verletzt. 27 Unfälle ereigneten sich allein an fünf Positionen oder Strecken in der Östlichen Vorstadt bis an den Rand der Altstadt. Als Hauptursachen listet der Verkehrssicherheitslagebericht der Polizei Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, Vorfahrtsverletzungen und das sogenannte Nichtbeachten der Lichtzeichen (Rotlicht) auf.

Lesen Sie auch

Unter den in Bremen am häufigsten als Unfallort genannten zehn Adressen findet sich unter anderem der Streckenabschnitt von der Heidelberger Straße bis zur Lübecker Straße. Dort liegt die Verkehrsbeteiligung der Radfahrer bei satten 50 Prozent, der Autofahrer bei 40 Prozent und der Lkw-Fahrer bei zehn Prozent. Fünf der sieben von den Bundesstatistikern auf diesem Abschnitt registrierten Unfälle ereigneten sich an derselben Stelle – beim Überfahren der Straßenbahngleise. Ähnlich heikle Stellen, die die Querung von Gleisen im spitzen Winkel erfordern, sind der Ziegenmarkt und die Sielwallkreuzung, die für die Polizei allerdings nicht mehr zu den negativen Top-Ten zählen.

Sielwall

Drei Verkehrsunfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren – das ist die Bilanz für den Bereich Sielwallkreuzung im Jahr 2017. Unfallkontrahenten waren jeweils Autofahrer. Obwohl in der Achse Vor dem Steintor und Ostertorsteinweg auf der Sielwallkreuzung mehrfach Straßenbahngleise überquert werden müssen, was früher zu Unfällen geführt hat, liegt das Problem mittlerweile an anderer Stelle.

Genau genommen: um die Ecke. Gleich hinter der Ampel in Richtung Osterdeich ist die Straße Sielwall regelmäßig durch Falschparker verengt. Dass der Radverkehr auf die Fahrbahn verlegt worden ist, trägt nicht zur Entspannung der Lage bei. Zwischen der Kreuzung und der Kneipe „Eisen“ gibt es einen Dauerengpass.

Fedelhören

Zu sieben Fahrradunfällen kam es im vergangenen Jahr im Fedelhören: In einem Fall, Ecke Richtweg, gab es einen Leichtverletzten. Die übrigen sechs Unfälle ereigneten sich allesamt an der Einmündung in den Rembertiring. Ein Radfahrer wurde dort schwer verletzt, fünf Radler erlitten leichte Blessuren.

Aus Richtung Rembertikreisel dürfen Radfahrer den Radweg in beide Richtungen befahren – bis einschließlich der Einmündung Fedelhören. Danach müssen Radler, die in Richtung Bahnhof unterwegs sind, absteigen und die Straße an der Ampel überqueren, wenn sie fahren und nicht schieben wollen. Viele ignorieren das Durchfahrtverbot.

Autofahrer, die aus dem Fedelhören rechts in den Rembertiring einbiegen wollen, müssen aus beiden Richtungen kommende Radfahrer passieren lassen, ehe sie sich in den auf zwei Spuren fahrenden Verkehr einfädeln können. Offensichtlich nicht ganz einfach. An den meisten Unfällen an dieser Stelle waren Personenwagen beteiligt.

Osterdeich

Sieben Unfälle haben sich am Osterdeich ereignet – auf dem Abschnitt vom Sielwall bis zum Altenwall hinter der Kunsthalle. Zwei Radfahrer wurden schwer, fünf leicht verletzt. Der Schwerpunkt liegt im Bereich zwischen der Mozart- und der Reederstraße.

Zwischen Theaterparkhaus und Altenwall müssen Radler damit zurechtkommen, dass sich der in beide Richtungen nutzbare und viel befahrene Radweg auf etwa die Hälfte seiner Breite verjüngt. Außerdem wechselt dort, wo der Weg schmal wird, auch der Belag von Asphalt zu Ziegelpflaster. An zwei Unfällen waren ausschließlich Radfahrer beteiligt.

Vor dem Steintor

Vor dem Steintor, zwischen Lübecker und Heidelberger Straße, kam es im vergangenen Jahr zu sieben Fahrradunfällen mit insgesamt zwei Schwer- und fünf Leichtverletzten. Mit einer Ausnahme – bei der ein Personenwagen beteiligt war und eine Person leicht verletzt wurde – handelte sich dabei um reine Radunfälle.

Der rote Fahrbahnbelag für den Radweg-Streifen ist rau und griffig, dennoch: Wer in Richtung St.-Jürgen-Straße und Lüneburger Straße unterwegs ist, kommt nicht drum herum, die Straßenbahngleise zu überqueren. Der Wechsel von der asphaltierten Radspur zwischen den Schienen an den Fahrbahnrand ist nicht ohne: Er muss im spitzen Winkel bewerkstelligt werden. Der verschwenkte rote Radwegstreifen hebt sich optisch gut ab vom Asphalt- und Pflastergrau, wird aber – vor allem abends und in Höhe der St.-Jürgen-Straße-Haltestelle – oft von Autos zugeparkt.

Ziegenmarkt

Am Ziegenmarkt, zwischen Grund- und Helenenstraße, kam es im vergangenen Jahr zu drei Unfällen mit leichtverletzten Radfahrern. In Fahrtrichtung Sielwallkreuzung müssen Radler eine Stelle passieren, die sich als echte Schikane bezeichnen ließe – wäre von einem Hindernisparcours die Rede. Und das auf einer Hauptverkehrsachse des Viertels.

Auf Höhe des Rewe-Marktes müssen Radfahrer vom asphaltierten Streifen zwischen den Straßenbahnschienen über das Gleis an den Fahrbahnrand wechseln. Um auf den dort beginnenden Radweg einzuschwenken, müssen sie eine im Fahrbahnbelag markierte, eher glatte Fußgängerfurt, kreuzen. Die abgeflachte Auffahrt wird gerne mal zugeparkt.

Zwischen dem Ziegenmarkt und der Heidelberger Straße könnte das Radfahren entspannter sein, wenn die Fahrrad-Piktogramme auf den Asphaltstreifen zwischen den Gleisen häufiger aufgefrischt würden. Autofahrern wird damit signalisiert: Es ist Programm, dass die Radfahrer hier mitten auf der Straße fahren.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+