Schulen im Wettbewerb Ringen um den guten Ruf

Beliebte Schulen können nicht alle Kinder aufnehmen, andere sind wenig beliebt. Damit keine Schule zur Restschule wird, setzt die Behörde auf starke Schulleiter und ein Campus-Konzept.
31.03.2018, 06:39
Lesedauer: 4 Min
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Ringen um den guten Ruf
Von Sara Sundermann

Der Ruf einer Schule ist heute wichtiger denn je: Manche Schulen in der Stadt sind heiß begehrt, andere so wenig gefragt, dass es zum Problem wird. Nachdem Viertklässler mit ihren Eltern die Wunschschulen für den Herbst benannt haben, richtet die Bildungsbehörde zwei zusätzliche Gymnasialklassen ein. Außerdem benennt sie Strategien zur Stärkung gering angewählter Schulen. Was passieren kann, wenn eine Schule in eine Negativspirale rutscht, zeigt ein Blick in den Bremer Westen.

Daran, welche Schule von besonders vielen Kindern und ihren Eltern angewählt wird, lässt sich ablesen, welche Standorte angesagt sind. Immer wieder wird etwa von Eltern gefordert, an beliebten Schulen zusätzliche Klassen einzurichten. Doch ein starker Ausbau überangewählter Schulen ist zum Teil räumlich schwierig und kann in der Konsequenz Schaden einrichten – schließlich sollten Standorte in allen Stadtgebieten ein gutes Angebot machen. Was für Grundschüler als Ziel gilt, wünschen sich Eltern auch für ältere Kinder: ein kurzer Schulweg statt eine beschwerliche Fahrt quer durch die Stadt.

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Zuletzt forderte die Initiative für eine faire Schulwahl in einem Brief an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), eine zusätzliche Gymnasialklasse einzurichten. Der Hintergrund: Etwas mehr Kinder als im Vorjahr (1,7 Prozent mehr) wählten ein Gymnasium, nicht für alle gab es dort einen Platz.

Ob mehr Gymnasialplätze eingerichtet werden sollen, ist seit Jahren umstritten: Befürworter von Gymnasien wünschen sich mehr Kapazitäten, um die Nachfrage zu stillen. Jahrelang forderten einige Eltern und die CDU sogar ein zusätzliches Gymnasium, zum Beispiel im Bremer Westen. Befürworter der Oberschulen wie die Sozialdemokraten und ein anderer Teil der Elternschaft halten dagegen: Wenn noch mehr leistungsstarke Schüler Gymnasien besuchten, gäbe es an den Oberschulen nicht mehr die Mischung aus besseren und schlechteren Schülern, so ihr Argument.

In diesem Jahr aber herrscht parteipolitisch mehr Frieden an dieser Front: Zuletzt haben sich verschiedene Parteien dazu bekannt, das Bremer System der weiterführenden Schulen fürs Erste nicht grundlegend zu verändern. Zwei zusätzliche Gymnasialklassen will die Bildungsbehörde nun aber zum Start des neuen Schuljahrs einrichten, wenn auch nicht in der Innenstadt. Entstehen sollen eine zusätzliche 5. Klasse am Kippenberg-Gymnasium in Schwachhausen und eine zusätzliche Klasse für Kinder mit und ohne geistige Behinderung am Gymnasium Horn.

Eine Schule in der Abwärtsspirale

Neben der Debatte über Gymnasialplätze stellt sich die Frage, was Schulen und Behörden tun können, damit unbeliebte Schulen nicht abrutschen. Ein eindrückliches Beispiel dafür, was passieren kann, wenn eine Schule in eine Abwärtsspirale gerät, findet sich in Gröpelingen. Dort wurde vor Jahren die Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule so wenig angewählt, dass sie schließlich geschlossen werden musste.

Die Pestalozzi-Schule hatte einen schlechten Ruf und residierte in düsteren Altbauten. 2009 waren die Anwahlzahlen so dramatisch niedrig, dass es nicht einmal für die Einrichtung einer fünften Klasse reichte. Gegründet wurde schließlich eine neue Oberschule: am Standort der alten, aber mit einem sanierten Altbau und einem freundlicheren Neubau.

Ein neues Leitungsteam aus zwei engagierten Schulleiterinnen baute die neue Schule auf, mit dem Ziel, einen Bildungsleuchtturm im Bremer Westen zu gründen. Die Neue Oberschule Gröpelingen (NOG) entstand. Heute ist die NOG, die zum Beispiel auf Projekte zum digitalen Lernen und Kleingruppenarbeit in den großzügigen Fluren setzt, so beliebt, dass sie nicht alle Kinder aufnehmen kann, die die Schule anwählen.

Schulleiter macht Werbung

Doch nicht alle Schulen im Westen können solche Erfolge vorweisen. Die Oberschule im Park in Oslebshausen etwa hat – trotz schöner Lage im Grünen – mit geringen Anwahlzahlen zu kämpfen. Eins der Probleme: Die Turnhalle der Schule wurde vor mehr als einem Jahr durch ein Feuer zerstört. Um die Schule zu unterstützen, habe man der Leitung einen ehemaligen Schulleiter zur Seite gestellt, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde.

Dass sich der Ruf von Schulen auch komplett verändern kann, zeigen andere Beispiele: Schulen wie die Gesamtschule Mitte und die Gesamtschule Ost lagen vor zehn Jahren laut Behörde fast brach – heute sind sie begehrt. Andere Schulen, die ebenfalls zu kämpfen hatten, haben sich auf den Weg gemacht. Zum Beispiel die Wilhelm-Kaisen-Schule in Huckelriede. "Der Schulleiter macht sehr viel Werbung für die Schule, und es gibt Pläne für ein Campus-Konzept: Dort soll eine neue Grundschule entstehen, die an die Oberschule andockt."

Kinder könnten dort künftig nach der Grundschulzeit auf dem gleichen Gelände bleiben. Mit der Campus-Idee will die Behörde auch andere Schulen stützen. Zum Beispiel die zuletzt wenig angewählte Oberschule an der Schaumburger Straße. Sie soll stärker mit der benachbarten Grundschule an der Stader Straße kooperieren.

Es braucht starke Schulleiter

An der Schaumburger Straße aber gibt es nicht nur eine stark gemischte Schülerschaft, sondern auch Probleme bei der Ausstattung: Es dauerte, bis der Schule eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter zugestanden wurde. Und zuletzt wurde massive Kritik am schlechten Zustand der Schultoiletten laut.

Unter Eltern kursieren viele Erzählungen zur Güte der Schulen – und manche Gerüchte verselbstständigen sich. "Da geht es so rau zu auf dem Schulhof", heißt es über manche Standorte. Oder: "Da gehen nur diejenigen hin, deren Eltern es egal ist, auf welche Schule ihre Kinder gehen."

Um den Ruf einer Schule zu verbessern, brauche es auch starke Schulleiter, betont die Behörde. Zentral sei, wie eine Schule sich beim Tag der offenen Tür und bei Aktionen im Viertel präsentiere. "Im Stadtteil präsent zu sein und im Beirat die Stimme zu erheben, ist für Schulen heute sehr wichtig", sagt Behördensprecherin Kemp.

Auf Neubauten und Sanierungen allerdings dürften viele Schulen noch länger warten: Fast jede Schule in der Stadt muss laut Bildungsbehörde in den kommenden Jahren angefasst werden. Und der städtische Eigenbetrieb Immobilien Bremen und die Behörde kommen schon jetzt beim Baubedarf an Kitas und Schulen nicht hinterher.

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