Bremer Sparkassengelände Schapiras ziehen den Kauf durch

Der Investor für das Sparkassengelände am Bremer Brill will die Rücktrittsklausel im Kaufvertrag mit der Sparkasse nicht in Anspruch nehmen. Er wird das Areal damit zum Jahreswechsel übernehmen.
22.01.2020, 21:52
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Schapiras ziehen den Kauf durch
Von Jürgen Hinrichs

Die Ungewissheit, wer künftig Eigentümer des Sparkassengeländes am Bremer Brill sein wird, hat ein Ende. Der Kaufinteressent, ein Brüderpaar aus Israel, will das Areal tatsächlich erwerben und trotz der Probleme, auf die das Projekt stößt, nicht vom Vertrag mit der Sparkasse zurücktreten. Möglich wäre das noch bis Ende des Jahres.

„Der Investor plant langfristig mit dem Areal; die Auflösung diesbezüglich abgeschlossener Verträge ist nicht geplant“, teilt ein Sprecher der Schapiras auf Anfrage des WESER-KURIER mit. Offen bleibt, was auf dem 11 000 Quadratmeter großen Gelände in den nächsten Jahren geschieht. Die vom neuen Eigentümer favorisierten Pläne des US-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind sind von der Stadt abgelehnt worden. Libeskind hatte einen spektakulären Entwurf vorgelegt, er wollte vier hohe Türme bauen.

Die Sparkasse gibt ihren Hauptsitz auf und zieht Ende des Jahres in das neu gebaute Domizil an der Universitätsallee. Auf der Fläche am Brill wird nichts von der Bank übrig bleiben, auch in der denkmalgeschützten Kassenhalle nicht. Die anderen Mieter in den Gebäuden sind nach Angaben der Sparkasse größtenteils bereits ausgezogen. Ausnahmen sind das Cafe4U im modernen Anbau der Kassenhalle und das Parkhaus. Beides wird noch betrieben, die Kündigungen der Sparkasse datieren auf den 31. Dezember 2020.

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Das Parkhaus mit seinen rund 270 Stellplätzen wird seit 20 Jahren von der Brepark bewirtschaftet. Ob dies vorerst so bleibt, wenn der Eigentümer wechselt, ist unklar. Die Brepark wollte sich dazu nicht äußern. Das Cafe4U wird auf jeden Fall ausziehen, wie eine Nachfrage bei den Betreibern ergab. „Wenn hier sonst nichts mehr ist, lohnt es sich nicht“, sagt Geschäftsführerin Petra Kunstreich.

Für das Sparkassengelände hatte es vor zwei Jahren einen städtebaulichen Wettbewerb gegeben. Gewinner war das Berliner Architekturbüro Robertneun. Damals wurde mit einer Nutzfläche von 40 000 Quadratmetern geplant. Den Schapiras war das offenbar nicht genug. Sie ignorierten den Gewinnerentwurf und brachten Libeskind ins Spiel, dessen Entwurf annähernd das Doppelte an Fläche umfasst.

Für Bremens Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) kam das nicht infrage. Schaefer teilte dem Investor Ende September mit, dass sie die Vorstellungen von Libeskind zwar für eine „spannende Idee“ halte. „Allerdings sind wir im Rahmen der neuen Koalition in Bremen zu der Einschätzung gekommen, dass dieser Entwurf in der vorgeschlagenen Dimension und der städtebaulichen Einbindung dem Standort nicht gerecht wird“, erklärte die Senatorin.

Trotz dieser Entscheidung ziehen die Schapiras sich nicht zurück, obwohl sie es laut Vertrag könnten. In ihren Antworten auf die Fragen des WESER-KURIER sprechen sie von Abstimmungsgesprächen, die derzeit liefen, auch von Lösungsansätzen für Nach- und Zwischennutzungen, die mit den Beteiligten ausgetauscht würden. Grundlage sei alles das, was bisher auf den Tisch liege, darunter auch das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs. Die Architekten des Siegerentwurfs sind allerdings noch nicht einbezogen worden. „Wir haben nichts gehört, weder von der Stadt noch vom Investor“, berichtet auf Anfrage Tom Friedrich, Inhaber von Robertneun.

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Schaefer hatte sich im September ausdrücklich auf den Gewinner des Wettbewerbs bezogen. Die Pläne der Berliner könnten die Basis sein, wenn mit dem Investor über Baumasse, Höhe der Gebäude, Nutzungsmix und Wegebeziehungen verhandelt werde. Fakt ist, dass beide Seiten nach längerer Funkstille wieder miteinander reden. Das bestätigt auch die Stadt: „Die Brüder Schapira haben nach dem Brief von Bausenatorin Schaefer im Dezember wieder den Kontakt mit dem Senat gesucht“, sagt Behördensprecher Jens Tittmann. Danach habe ein erstes Treffen stattgefunden. „Es wird jetzt weitere Gespräche über das Projekt geben. Beide Seiten haben ein hohes Interesse an einer Weiterentwicklung des Sparkassenareals“, so Tittmann.

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Pinchas und Samuel Schapira investieren auf der ganzen Welt in Immobilien und waren auch schon in Bremen aktiv – mit der damals neu entwickelten Stadtbibliothek im alten Polizeihaus am Wall und einem großen Gebäude im Güterverkehrszentrum. Für das Sparkassengelände zahlen die Brüder dem Vernehmen nach 50 Millionen Euro.

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