Corona-Pandemie Wie das Testen an den Bremer Schulen läuft

Jeder Schülerin und jeder Schüler in Bremen soll derzeit mindestens einmal pro Woche einen Test machen können. Zuletzt wurden 32.500 Tests durchgeführt. In der Behörde wird eine Testpflicht diskutiert.
28.03.2021, 05:00
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Wie das Testen an den Bremer Schulen läuft
Von Sara Sundermann

Der Bildungsbehörde zufolge wurden in der vergangenen Woche allen rund 74.000 Schulkindern der Stadt ein Selbsttest angeboten. 32.500 Tests wurden tatsächlich durchgeführt. Demnach hätten rechnerisch rund 44 Prozent der Schülerinnen und Schüler an den Tests teilgenommen. Möglich ist aber, dass real weniger Kinder und Jugendliche durch die Tests erreicht wurden, denn ein Abstrich soll ein- bis zweimal pro Woche angeboten werden. Wenn viele Schüler zweimal getestet wurden, ergibt sich aus den Zahlen ein größerer Anteil von Kindern, die gar nicht getestet wurden.

Bei den Beschäftigten wächst die Beteiligung: 7.600 Nasenabstriche wurden in der vergangenen Woche von Lehrkräften selbst durchgeführt, in der Woche zuvor waren es 5300. Bremen hat schneller als andere Bundesländer umgesetzt, was auf Bundesebene weiterhin gefordert wird: regelmäßige Schnelltests für die Schulen. Der Behörde zufolge wurden an allen Bremer Schulen genug Tests verteilt. Auch Kita-Beschäftigte können sich wöchentlich testen, dort werden die Kinder allerdings nicht regelmäßig getestet.

Doch wie finden Eltern und Lehrkräfte die Selbsttests für Schulkinder? Und reicht es angesichts der steigenden Inzidenzen aus, wenn nur ein Teil der Kinder sich testet? In Bremen sind die Tests bislang freiwillig, Eltern entscheiden, ob ihr Kind daran teilnehmen soll, volljährige Schüler entscheiden selbst.

Sachsen hat bereits seit 15. März eine Testpflicht eingeführt: Dort darf das Gelände weiterführender Schulen nur noch von Personen betreten werden, die einen negativen Coronatest vorweisen können. Gegen diese Regelung klagten mehrere Eltern und Schüler, vom Obersten Verwaltungsgericht wurde die Regelung aber bestätigt.

Auch in Bremen könnte eine solche Pflicht noch kommen, im Bildungsressort zieht man dies offenbar zumindest in Betracht: „Wir diskutieren die Testpflicht“, heißt es zu dem Thema auf Anfrage knapp aus der Behörde.

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Beim Zentralelternbeirat (ZEB) gibt es zunächst einmal Lob: „Erst einmal scheint es ja so zu sein, als wäre Bremen das einzige Bundesland, welches das flächendeckende Versprechen, zweimal pro Woche alle in Schule testen zu können, eingehalten hat“, sagt Martin Stoevesandt vom ZEB-Vorstand. Dies sei ein „weiterer echter Erfolg“ für Bremen als „notorisches Schlusslicht in der Bildungslandschaft vor Corona“. Alle seien sich einig, dass solche Tests „elementar wichtig“ seien, um Schulen in Präsenz offenhalten zu können.

Den ZEB hätten zu dem Thema bislang nur wenige Beschwerden von Eltern erreicht, so Stoevesandt. Es gebe aber auch kritische Stimmen, zudem werde die Umsetzung der Tests von den Schulen unterschiedlich gut gelöst. „Die größte Kritik gibt es am mangelnden Datenschutz, wenn eine große Gruppe getestet wird, und es dann einen Positivfall gibt“, sagt Stoevesandt. Es gebe die Sorge, dass ein positiv getestetes Kind stigmatisiert werde. Insgesamt scheine Bremen bei den Tests an Schulen aber „einen gut gangbaren Weg gefunden zu haben“, urteilt der Elternvertreter.

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Auch Barbara Schüll von der Bildungsgewerkschaft GEW beurteilt Bremens Umsetzung der Schülertests überwiegend positiv: „Wir finden die Tests gut, weil sie mehr Sicherheit geben.“ Sie arbeitet an einer Grundschule und schildert, dass der Nasenabstrich auch für die Kinder gut machbar sei: „Anfangs klang das schwierig, aber nachdem ich selbst einen Test gemacht habe, muss ich sagen, es ist kein Hexenwerk.“ Bei manchen Beschäftigten gebe es Sorge mit Blick auf den Umgang mit dem potenziell „hochansteckenden Nasensekret“, so Schüll: „Aber gerade in der Grundschule haben wir es sonst ja auch ständig mit den laufenden Nasen der Kinder zu tun.“

Zur Sorge um eine mögliche Stigmatisierung erläutert sie: „Für die Grundschulen ist das Verfahren so, dass die ganze Klasse nach Hause geschickt wird, wenn es einen Positiv-Fall gibt.“ Das werde so gemacht, „damit es nicht heißt: Ayse ist positiv“, sagt Schüll. Die betroffene Klasse müsse in diesem Fall ohnehin in Quarantäne gehen.

Die Gewerkschaft befürwortet in einem Punkt allerdings eine Veränderung: Die Selbsttests sollten aus den Schulen heraus verlagert werden, fordert Schüll: „Wir fänden es gut, wenn die Eltern die Kinder zu Hause testen würden, dann würde ein positiv getestetes Kind gar nicht erst in die Schule kommen.“ Zudem gehe durch das Testen im Klassenraum wertvolle Zeit verloren. „Es heißt ja immer, jede Unterrichtsstunde zählt, aber jetzt machen wir in den ersten zwei Stunden erst mal die Tests.“

Stoevesandt vom Elternbeirat verweist mit Blick auf die Forderung nach Testen zu Hause auf Erfahrungswerte aus Österreich. Bremen habe sich dagegen entschieden, die Schülertests zu Hause zu machen, weil in Österreich mit diesem Verfahren viele Tests falsch durchgeführt worden seien.

Info

Zur Sache

Corona-Fälle in Bremer Schulen und Kitas

Durch die insgesamt 40.100 Selbsttests in der vergangenen Woche an Bremer Schulen sind laut Behörde bei Schülern 15 durch einen darauf folgenden PCR-Test bestätigte Corona-Infektionen zutage getreten und keine Infektion bei Beschäftigten.

Infektionen an Bildungseinrichtungen können auch auf anderem Wege bekannt werden, Schul- und Kita-Beschäftigte können sich zusätzlich anderweitig testen lassen. Daraus ergeben sich andere Gesamtzahlen für die Infektionen an Bildungseinrichtungen. Insgesamt sind laut Gesundheitsamt in den Schulen zuletzt mit Stand vom 26. März derzeit 112 Kinder und Jugendliche, acht Schulbeschäftigte positiv getestet. In den Kitas der Stadt waren mit Stand vom 26. März 16 Kinder und 28 Beschäftigte positiv getestet.

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