Rettungsschwimmer im Interview "Selbstüberschätzung ist das größte Problem"

Der Bremer Rettungsschwimmer und DLRG-Sprecher Philipp Postulka warnt im Interview vor den Gefahren in öffentlichen Gewässern und gibt Tipps für mehr Sicherheit im Wasser.
23.03.2018, 17:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Pascal Faltermann

Was muss ein sicherer Schwimmer können?

Philipp Postulka : Ein Mensch kann dann sicher schwimmen, wenn er das Schwimmabzeichen in Bronze, den Freischwimmer, bestanden hat und alle Disziplinen erfüllen kann. Da sind sich alle Akteure von DLRG bis Kultusministerkonferenz einig.

Warum reicht ein Seepferdchen-Abzeichen nicht aus, wie die DLRG immer wieder warnt?

Das Seepferdchen sehen wir als Etappenziel auf dem Weg zum Schwimmen. Es attestiert, dass das Kind an das Wasser gewöhnt ist und 25 Meter in einem Bad schwimmend bewältigen kann. Dies reicht aber regelmäßig nicht aus, um sich längere Zeit sicher im Wasser zu bewegen. Vor allem im Freigewässer genügt es nicht.

Was müssen Schwimmer in Badeseen in Bremen beachten?

Die Badeseen sind mit einem Schwimmabzeichen Bronze grundsätzlich gut zu bewältigen. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, die es zu beachten gilt. Kennt man diese nicht, kann es gefährlich werden. Die Badeseen sind hauptsächlich künstlich entstanden, weshalb es Abbruchkanten gibt. Das bedeutet, dass das Wasser am Ufer zunächst flach ist und nach einigen Schritten auf bis zu zehn Meter Wassertiefe abfällt. Eltern sollten ihre Kinder deshalb nie unbeaufsichtigt im Flachwasserbereich spielen lassen. Für Nichtschwimmer sind die abgezäunten Nichtschwimmerbereiche Pflicht.

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Welchen Einfluss hat die Wassertemperatur?

Es sollte nicht vergessen werden, dass Badeseen in unterschiedlichen Bereichen unterschiedliche Wassertemperaturen haben können. Das klingt banal, aber wird ein kälterer Seebereich durchschwommen, kann dies zu einem Krampf der Beinmuskulatur führen. Wir stellen immer wieder fest, dass Badegäste mit einem Krampf überfordert sind und teilweise in Panik geraten.

Welche Gefahren lauern noch?

Eine weitere Gefahr ist die Größe der Badeseen, verbunden mit einer Selbstüberschätzung der eigenen Schwimmfähigkeit. Eine Querung der Gewässer reizt viele. Es muss einem jedoch bewusst sein, dass hierfür eine ausreichende Kondition erforderlich ist. Diese Erkenntnis haben manche, nicht zwangsweise junge Badegäste, oft erst in der Mitte des Sees. Ohne unser Einschreiten kann es gefährlich werden.

Was sind die Ursachen für Badeunfälle?

Selbstüberschätzung ist das größte Problem, übermäßiger Alkoholkonsum spielt auch oft eine Rolle. Würden die Baderegeln beachtet, würde weniger passieren.

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Wann muss ein Gewässer verlassen werden?

Grundsätzlich gilt, bei Unwohlsein oder einem Gewitter ist das Wasser immer zu verlassen. Auch wenn unsere Einsatzkräfte die rote Flagge hissen, ist der Aufenthalt im Gewässer lebensgefährlich.

In welchen Bremer Gewässern sollte man nicht schwimmen gehen?

Wir raten vom Baden in Fließgewässern ab. Früher gab es zwar offizielle Weserbäder, seitdem hat sich die Weser aber verändert und wurde gefährlicher. Ein großes Problem stellt die Fließgeschwindigkeit dar. Selbst geübte Schwimmer haben gegen sie keine Chance. Für die Weser gibt es dennoch eine Badeerlaubnis mit vielen Ausnahmen. Badeverbote herrschen beispielsweise in der Nähe von Schiffen, Hafenanlagen, Wasserbauwerken, Einleitungen von Klärwerken und im Mündungsbereich anderer Flüsse. Als Alternative empfehlen wir da ausdrücklich die Badeseen.

Die Fragen stellte Pascal Faltermann.

Zur Person:

Philipp Postulka ist 24 Jahre alt, Rettungsschwimmer und Sprecher des Landesverbands der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bremen.

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