Entscheidung des Stiftungsrates

„Seute Deern“ wird zurückgebaut

Wochenlang wurde über die Zukunft der stark beschädigten Bark „Seute Deern“ diskutiert. Nun hat der Stiftungsrat in des Schifffahrtsmuseums eine Entscheidung getroffen.
23.10.2019, 13:32
Lesedauer: 5 Min
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„Seute Deern“ wird zurückgebaut
Von Lisa-Maria Röhling
„Seute Deern“ wird zurückgebaut

Der Dreimaster Seute Deern liegt im Hafen vom Deutschen Schifffahrtsmuseum (Archivbild).

CARMEN JASPERSEN/dpa

Das Schicksal der „Seute Deern“ ist besiegelt: Der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) hat bei einer Sondersitzung am Mittwochvormittag beschlossen, den maroden Dreimaster zurückzubauen. Grundlage für die Entscheidung war demnach das am Freitag veröffentlichte Gutachten, laut dem drei Viertel der maroden und schimmeligen Schiffsmasse ersetzt werden müssten. Das komme laut DSM-Sprecher Thomas Joppig einem Neubau gleich und sei deshalb nicht mehr im Sinne der Denkmalpflege.

Hafensenatorin und Vorsitzende des Stiftungsrates, Claudia Schilling (SPD), erklärte am Mittwoch, dass der Stiftungsrat sich aufgrund der Sachlage für „Gefahr im Verzug“ ausspreche. Deswegen sei die „Seute Deern“ nun zügig und fachgerecht zurückzubauen. Demnach sollen die Arbeiten auf dem Liegeplatz der „Seute Deern“ stattfinden. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktorin des Schifffahrtsmuseums, erklärte: „Die große Anteilnahme am Schicksal des Schiffes zeigt, dass die ‚Seute Deern‘ einen besonderen Platz in den Herzen vieler Bremerhavener und Gäste der Seestadt behalten wird.“

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Deswegen sollen unter anderem der Anker, das Steuerrad und die Galionsfigur erhalten werden. Weiterhin erklärte die Museumsdirektorin, dass nun auch Gutachten über die übrigen Schiffe des Museumshafens erstellt werden sollen. „Dies ist wichtig, um den finanziellen Aufwand einschätzen zu können“, so Kleingärtner. „Nur so können wir im Schulterschluss mit Politik und Verwaltung eine innovative und tragfähige Perspektive für den Museumshafen erarbeiten.“

Medienberichte, nach denen der Abbau 2,5 Millionen Euro kosten soll, konnte DSM-Sprecher Joppig nicht bestätigen. Die Hafenmanagementgesellschaft Bremenports sei damit beauftragt, ein Konzept zum Abbau und damit einen Kostenplan zu entwickeln. Die „Seute Deern“ sei aber eine Mahnung, eine tragfähige Perspektive für den übrigen Museumshafen zu entwickeln. Viele der Schiffe und anderen Objekte im Außenbereich seien der Witterung ausgesetzt, deswegen müsse es rasche Lösungen geben.

Totalschaden laut Gutachten

Bereits am Freitag hatte ein Gutachterkonsortium von Bremenports einen 50-seitigen Untersuchungsbericht vorgelegt, laut dem die „Seute Deern“ einen Totalschaden hat. Demnach hätten bei einer Instandsetzung oder Sanierung der Bark 75 Prozent der „reinen Schiffsmasse“ ersetzt werden müssen, womit der Dreimasters nahezu komplett neu gebaut worden wäre. Damit sei auch ein Verholen des Schiffes in den Kaiserhafen, wie es das DSM Anfang Oktober geplant hatte, nicht mehr zu verantworten gewesen.

Im Frühjahr 2019 war die „Seute Deern“ durch einen Brand stark beschädigt worden und konnte nur noch mithilfe von Pumpen über Wasser gehalten werden. In der Nacht zum 1. September brach aus bisher ungeklärten Gründen mehr Wasser in die Bark ein, die „Seute Deern“ sank auf den Grund des Museumshafens. Danach konnte sie zwar geborgen werden, nach Angaben des DSM bestand aber weiterhin die Gefahr, dass die „Seute Deern“ erneut trotz des ständigen Abpumpens von Wasser sinken könnte.

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Thorsten Raschen, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter aus Bremerhaven, bedauert den Abbau der „Seute Deern“, hält die Entscheidung des Stiftungsrates aber für richtig. Es sei nicht mehr zu verantworten, die Bark im jetzigen Zustand im Museumshafen liegen zu lassen. Trotzdem sei es wichtig, Teile der „Seute Deern“ für das Schifffahrtsmuseum zu erhalten, um weiterhin an das Wahrzeichen zu erinnern. Raschen forderte außerdem, die Ursache für den Wassereinbruch und den folgenden Pumpenausfall auf der „Seute Deern“ Anfang September aufzuklären. Dabei sei vor allem zu untersuchen, welche Sicherungen an dem Schiff zuvor vorgenommen worden seien. Außerdem fordert Raschen, dass die 17 Millionen Euro, die der Bund für die Sanierung der „Seute Deern“ zugesichert hatte, nun für den Erhalt der übrigen Schiffe des Museumshafens verwendet werden sollten.

Auch Martin Günthner, ehemaliger Wirtschafts- und Häfensenator und inzwischen Mitglied der SPD-Bürgerschaftsfraktion, forderte, Konsequenzen aus dem Verlust der „Seute Deern“ zu ziehen. Das Schifffahrtsmuseum müsse den Plan vorlegen, wie mit den verbliebenen Traditionsschiffen verfahren werde. „Einen Totalverlust wie bei der ‚Seute Deern‘ darf es nicht noch einmal geben.”

Rückbau schon länger gefordert

Schon vor der Sitzung des Stiftungsrates hatten sich verschiedene Parteien für das Abwracken des Dreimasters ausgesprochen. „Die Ergebnisse von zwei Gutachten sind leider eindeutig“, hatte Solveig Eschen, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, vor der Entscheidung erklärt: „Wir wissen um die hohe Identifikation der Menschen in Bremen und Bremerhaven mit der ‚Seute Deern‘", so Eschen. Auch sie sprach sich für eine Bewahrung einzelner Schiffsteile aus. „Damit würde die ‚Seute Deern‘ sinnbildlich in die Stadt getragen und der hohen Verbundenheit der Menschen mit der ‚Seute Deern‘ Rechnung getragen.“ Das hatte die Bremerhavener FDP bereits vor einigen Wochen gefordert. Außerdem könnten Teile des Schiffs verkauft werden, hatten die Freien Demokraten erklärt. Aus Sicht von Fraktionschef Hauke Hilz kommt der Abbau der „Seute Deern“ zu spät: Die Masten hätten bereits abgebaut werden können, das wäre auch für eine Verbringen des Schiffes in den Kaiserhafen notwendig gewesen. „Der Rückbau muss jetzt schnell über die Bühne gehen.“

Die Bremer Linken hatten bereits vor einigen Wochen gefordert, die „Seute Deern“ aufzugeben. Miriam Strunge (Linke) bewertete den Beschluss des Stiftungsrates am Mittwoch als „unvermeidlich“. „Die historische Substanz ist unrettbar zerstört, dieser Realität musste man sich stellen.“ Es sei bitter für die Menschen in Bremerhaven, dieses Symbol ihrer Stadt zu verlieren. Deswegen dürfe sich dieser Vorgang nicht wiederholen. „Das Museum ist gefordert, im Detail vorzulegen, in welchem Zustand sich die anderen Schiffe im Museumshafen befinden und welche Schritte zu ihrem Erhalt notwendig sind.“

Eigentlich sollte der Dreimaster aufwendig saniert werden, knapp 30 Millionen Euro waren dafür veranschlagt worden. Neben dem Museum sollten die Stadt Bremerhaven, das Land Bremen und der Bund als Geldgeber an einer möglichen Sanierung beteiligt werden. Allein für die Bergung im September waren 1,1 Millionen Euro von der Politik freigegeben worden, 90 Prozent hatte das Land Bremen gezahlt, zehn Prozent die Stadt Bremerhaven.

Der 1910 gebaute Dreimaster war im Jahr 1971 in den Besitz des neu gegründeten Schifffahrtsmuseums übergegangen. Im Jahr 2002 war die Bark zuletzt umfangreich saniert worden. 2005 wurde die „Seute Deern“ zusammen mit anderen Museumschiffen und den Gebäuden des Museums unter Denkmalschutz gestellt. Sie ist bis jetzt das größte Objekt im Außenbereich des Deutschen Schifffahrtsmuseums.

++Dieser Artikel wurde um 19.24 Uhr aktualisiert.++

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