35-Millionen-Euro-Projekt So soll die Fernwärmeleitung der SWB durch Bremen verlaufen

35 Millionen Euro will sich der Bremer Versorger SWB eine neue Fernwärme-Pipeline durch mehrere Stadtteile kosten lassen. An einigen Punkten des Trassenverlaufs könnte es Bürgerprotest geben.
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So soll die Fernwärmeleitung der SWB durch Bremen verlaufen
Von Jürgen Theiner

Drei Haken soll sie durch Schwachhausen schlagen und 140 Grad heißes Wasser in die Vahr transportieren: Die Fernwärmeleitung, die die SWB-Tochter Wesernetz vom Hochschulring aus durch dicht besiedelte Stadtteile bauen will, nimmt auf dem Reißbrett bereits Gestalt an.

Nun muss sich zeigen, ob das 35-Millionen-Euro-Projekt auch politisch vermittelbar ist. Mit Widerstand an einzelnen Stellen des geplanten Trassenverlaufs ist zu rechnen. Wie berichtet, will die SWB auf mittlere Sicht ihr Kraftwerk in Hastedt abschalten und so den Einstieg in den Ausstieg aus der Kohleverstromung schaffen.

An dieser Anlage hängt aber derzeit noch das Fernwärmenetz im Bereich Hastedt/Vahr. Das heiße Wasser müsste also anderswo erzeugt und in das vorhandene Leitungsnetz eingespeist werden.

Den Planern der SWB schwebt vor, die Warmwassererzeugung am Müllheizkraftwerk Findorff auszubauen und von einem vorhandenen Leitungspunkt in Höhe Hochschulring eine rund sechs Kilometer lange Pipeline in die Vahr zu verlegen, wo sie auf Höhe des Gaskraftwerks in das dortige Versorgungsnetz einmünden würde.

Rund 100.000 Tonnen klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids könnten nach Angaben von SWB-Sprecher Friedhelm Behrens jährlich eingespart werden, wenn die Fernwärme für Hastedt und die Vahr nicht mehr durch Kohleverbrennung erzeugt würde.

In den vergangenen Monaten untersuchten Behrens’ Kollegen mehrere Trassenvarianten. Am unproblematischsten wäre es sicherlich, die Transportleitung über den Hochschulring zur A27 zu führen und von dort über die Richard-Boljahn-Allee zum Heizkraftwerk Vahr.

Riesiges Steuerbauwerk, das nicht umgangen werden kann

Doch entlang der Autobahn gibt es auf absehbare Zeit kaum Anschlusspotenziale für neue Fernwärme-Versorgungsgebiete. Andere Trassenverläufe scheiden aus technischen Gründen aus – etwa im Bereich der Busestraße, wo sich im Erdreich ein riesiges Steuerbauwerk von Hansewasser befindet, das nicht umgangen werden kann.

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Auch von einer Route, die unmittelbar am Focke-Museum entlang führen würde, mussten sich die Wesernetz-Ingenieure verabschieden. Dort existiert ein Biotop des seltenen und unter Schutz stehenden Eremitenkäfers. Entschieden hat man sich letztlich für eine Trasse mitten durch Schwachhausen.

Sie führt zunächst am Stadtwald und Bürgerpark entlang. Auf Höhe der Kulenkampffallee biegt sie ab, vollzieht dann einen weiteren Schwenk auf die H.-H.-Meier-Allee und schließlich auf den Schwachhauser Ring, von wo aus sie dann über Kirchbachstraße und Kurfürstenallee auf das Gaskraftwerk Vahr zulaufen soll.

Ganz sicher Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs

Friedhelm Behrens bezeichnet diese Variante als „kurz und schmerzarm“. Nicht schmerzfrei also, denn es wird während der Bauphase, die 2020 beginnen und 2022 abgeschlossen sein könnte, ganz sicher Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs geben. So kommt man beispielsweise nicht darum herum, die vierspurige Parkallee monatelang auf zwei Fahrspuren zu reduzieren.

Zeitweilige Engpässe dürfte es auch entlang der übrigen Strecke geben. Der technische Aufwand ist ebenfalls beachtlich – wenn es etwa darum geht, Straßenbahngleise zu unterführen. Heikel droht das Vorhaben an der Kulenkampffallee zu werden. Dort müssen 60 bis 70 Bäume gefällt werden, um die Pipeline ins Erdreich senken zu können.

Auf welcher Straßenseite das passieren soll, darüber sind sich die Planer noch nicht im Klaren. Auf der betroffenen Seite wären laut SWB-Sprecher nach der Rodung keine Nachpflanzungen möglich, weil von dem Doppelstrang (heißes Wasser hin, abgekühltes Wasser zurück) trotz guter Isolierung auch Wärme ins Erdreich abgegeben wird. „Dem Wurzelwerk der Bäume würde dadurch vorgegaukelt, dass immer Sommer herrscht“, so Friedhelm Behrens.

Anders gesagt: Bei einer Umsetzung der SWB-Pläne würde der Alleecharakter der Kulenkampffallee zumindest streckenweise empfindlich gestört. Nicht umsonst erwartet das Versorgungsunternehmen möglichen Widerstand gegen das Projekt vor allem aus Schwachhausen, zumal der Stadtteil derzeit nur eine Art Transitraum wäre, aber selbst nicht davon profitieren würde.

Karin Mathes, die das Ortsamt für Schwachhausen und die Vahr leitet, erwartet daher, „dass es natürlich Widerstände geben wird“. Sie selbst begegnet dem Vorhaben der SWB mit gemischten Gefühlen. Einerseits handele es sich – mit Bremer Maßstäben – um ein „Jahrhundertprojekt für unsere Energieversorgung“.

Wort haben die Beiräte

Stadtteilpolitisch sei es aber mit großen Schwierigkeiten behaftet. „Mir wäre eine Trasse entlang der A 27 am liebsten“, bekennt sie ihre persönliche Präferenz. Das Wort haben nun zunächst die Beiräte. In dieser Woche befassen sich die Stadtteilparlamente in Schwachhausen und der Vahr mit dem Vorhaben, Mitte November dann der Beirat Horn-Lehe. Für den 1. und 7. November lädt die SWB zu Anwohnerversammlungen ein, bei denen das Unternehmen über das Projekt informieren will.

Das gesamte Jahr 2019 wird vom behördlichen Genehmigungsverfahren in Anspruch genommen. Für die Pipeline ist nämlich eine sogenannte Planfeststellung erforderlich, wie für jedes größere Infrastrukturprojekt im öffentlichen Raum.

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