Institut macht Einkaufszentrum Platz

Sparkasse verlässt Hauptsitz Am Brill

Die Bremer Sparkasse will ihr Finanzzentrum Am Brill verkaufen und ihren Hauptsitz in den Technologiepark an der Universität verlegen. Das teilte das Institut am Freitag nach einer Verwaltungsratssitzung mit.
02.12.2016, 19:23
Lesedauer: 3 Min
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Sparkasse verlässt Hauptsitz Am Brill
Von Stefan Lakeband

Die Bremer Sparkasse will ihr Finanzzentrum Am Brill verkaufen und ihren Hauptsitz in den Technologiepark an der Universität verlegen. Das teilte das Institut am Freitag nach einer Verwaltungsratssitzung mit.

Die Bremer Sparkasse will ihr Finanzzentrum Am Brill verkaufen und ihren Hauptsitz in den Technologiepark an der Universität verlegen. Das teilte das Institut am Freitag nach einer Verwaltungsratssitzung mit. Ideen für eine Nachnutzung der frei werdenden Fläche hat die Sparkasse auch: Sie hält ein Einkaufszentrum für denkbar.

„Durch den Verkauf des citynahen Geländes wollen wir einen substanziellen Beitrag zur Attraktivität der Bremer Innenstadt leisten und die Diskussion um ein ,City-Center‘ neu beleben“, sagt Tim Nesemann, Vorstandsvorsitzender der SparkasseBremen. Insgesamt will sich das Institut von einem 11.000 Quadratmeter großen Areal rund um das Finanzzentrum trennen.

Die Gebäude erstrecken sich vom Brill über die Hanken- und Jakobistraße bis zur Bürgermeister-Smidt-Straße. Allein schon dieser Bereich ist ein guter Standort für ein innerstädtisches Einkaufszentrum, teilt die Sparkasse mit. In die Überlegungen für die Nachnutzung bezieht die Bank aber auch noch das gegenüberliegende Parkhaus mit ein. Diese Lage sei „erstklassig“. „Wir wollen so einen Beitrag zur Innenstadtentwicklung liefern“, sagte Sparkassen-Sprecherin Nicola Oppermann dem WESER-KURIER.

Teil des Gebäudes ist sanierungsbedürftig

Die Sparkasse hat den Entschluss gefasst, den Standort weitestgehend aufzugeben, weil ein Teil des Gebäudes an der Bürgermeister-Smidt-Straße stark sanierungsbedürftig ist. Nach eigenen Angaben hätte es komplett abgerissen und neu gebaut werden müssen, hätte die Bank es auch noch weiterhin nutzen wollen. „Solche historischen Bankgebäude in Innenstadtlagen bieten heute aber keinen Kundennutzen mehr und sind in Zeiten mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen wie Niedrigzinsen und EU-Regulierung auch wirtschaftlich nicht mehr vertretbar“, sagte Nesemann. „Gleichzeitig eignen sich die altehrwürdigen Kundenhallen auch nicht mehr, um den Herausforderungen im Zeitalter der Digitalisierung optimal zu begegnen.“

Sollte tatsächlich ein Einkaufszentrum an gleicher Stelle gebaut werden, solle die historische Fassade aus dem Jahr 1906 erhalten bleiben. Das Werk des Berliner Architekten Wilhelm Martens könne innerhalb eines Einkaufszentrums integriert werden. Eine Filiale solle es auf jeden Fall am gleichen Standort.

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Neben dem Gebäude im Westen der Innenstadt will sich die Sparkasse Bremen auch von einem anderen Prachtbau trennen. Im Sommer 2017 soll die Stadtwaage in der Langenstraße den Besitzer wechseln. Seit Ende Januar gibt es laut Mitteilung eine Vereinbarung mit einem Investor aus Bremen, der das unter Denkmalschutz stehenden Gebäude übernehmen will. Man werde es in „verantwortungsvolle, traditionsreiche Bremer Hände“ geben, so Nesemann. Den Namen des Investors wollte die Sparkasse allerdings nicht nennen. Geplant sei, die Stadtwaage einer „offeneren und attraktiveren Nutzung zuzuführen“. Der Senator für Bau muss der geplanten Nutzungsänderung allerdings noch zustimmen.

Am Technologiepark soll neue Hauptstelle entstehen

Einen neuen Standort für ihre Hauptstelle hat die Sparkasse nach eigenen Angaben auch schon gefunden: den Technologiepark an der Universität. Ende 2019 wolle man dorthin ziehen – ein konkretes Grundstück habe man nach eigenem Bekunden allerdings noch nicht. Das werde sich in den nächsten Wochen und Monaten klären, heißt es. Insgesamt sollen dort dann rund 800 Angestellte der Sparkasse arbeiten.

Die Überlegung der Sparkasse, den Standort für ein Einkaufszentrum zu nutzen, dürfte die eigentlich schon längst beerdigten Pläne des City-Centers noch einmal neu beleben. Die Stadt hatte geplant, den Lloydhof und das Parkhaus Am Brill abzureißen, um ein innerstädtisches Einkaufszentrum mit etwa 25.000 Quadratmetern Ladenfläche zu bauen. Daraus wurde jedoch nichts – der einzig verbliebene Investor sprang vergangenes Jahr ab.

Für Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen, kommt die Nachricht vom Verkauf und den Überlegungen für ein Einkaufszentrum überraschend. „Positive Impulse für die City und den Einzelhandel sind dadurch denkbar“, sagte er dem WESER-KURIER. Senatsbaudirektorin Iris Reuther wünscht sich eine behutsame Entwicklung des Areals. „Sie muss der besonderen Qualität des Standortes gerecht werden können“, sagte sie. „Das historische Sparkassen-Gebäude an der Kreuzung Brill/Bür­germeister-Smidt-Straße ist für die Innenstadt eine identitätsstiftende Adresse.“

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