Konzept zur Sportförderung wird konkret Bremen soll ein Sport-Internat bekommen

Die Sportstiftung Bremen will noch in diesem Jahr eine Immobilie in der Stadtmitte umbauen – das sogenannte Haus der Athleten. Damit nimmt das Konzept zur Förderung des Spitzensports konkrete Formen an.
23.07.2019, 17:55
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Bremen soll ein Sport-Internat bekommen
Von Mathias Sonnenberg

Das seit Jahren geforderte Konzept zur Förderung des Spitzensports in Bremen nimmt konkrete Formen an. Die Sportstiftung Bremen will noch in diesem Jahr mit dem Umbau einer Immobilie in der Stadtmitte beginnen, dem sogenannten Haus der Athleten. Dort sollen künftig Sportler und Sportlerinnen aus Bremen und ganz Deutschland leben und gezielt gefördert werden. Peter Gagelmann und Lars Figura aus dem Vorstand der Sportstiftung Bremen haben das Projekt jetzt Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) präsentiert und in dem Gespräch auch um öffentliche Gelder geworben. „Wir sorgen für die Unterbringung und Verpflegung der Athleten, die Trainer und Wettkampfstätten. Die Aufgabe der Betreuung aber fällt ganz eindeutig in den Bereich der Politik“, sagte Figura dem WESER-KURIER.

Debatte nahm Fahrt auf

Die Diskussion um gezielte Elite-Förderung von Bremer Sportlern gibt es seit Jahren. Zuletzt nahm die Debatte wieder Fahrt auf, weil mit Florian Wellbrock zwar ein gebürtiger Bremer bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Südkorea die Goldmedaille gewann, der 21-Jährige aber seit vier Jahren in Magdeburg lebt und dort entsprechend gefördert wird. „Florian Wellbrock verkörpert all das, was wir mit einem Haus der Athleten umsetzen wollen“, sagt Sportstiftung-Vorstand Gagelmann. „Es wäre schön, wenn wir künftig solche Talente in Bremen halten und ausbilden könnten. Wir brauchen Vorbilder im Sport als Leuchtturmfunktion.“

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Die Finanzierung dieses Projektes ist allerdings weiter unklar. Die neue Bremer Regierungskoalition hat das Thema „Haus des Athleten“ zwar diskutiert, doch im Koalitionsvertrag lässt die Randnummer 2265 ff viel Raum für Interpretationen. Dort heißt es wörtlich: „Wir unterstützen die Gründung eines Hauses der Athletinnen und Athleten, in der Erwartung, dass die Kosten zum Bau und Betreibung durch die Akquise privater Mittel aufgebracht werden.“ Gagelmann, früher Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga, und Figura, mehrfacher Deutscher Meister über 400 Meter, gehen allerdings davon aus, dass die Politik sich finanziell engagiert. „Die neue Koalition fordert, dass wir private Mittel einwerben“, sagt Figura. Das habe die Sportstiftung mit der Akquise von Sponsoren aus der Wirtschaft bereits getan und werde es auch weiterhin tun. „Aber im Gegenzug können wir Förderung verlangen, zum Beispiel in Form einer pädagogischen Betreuung.“

Stahmann selbst hält sich mit konkreten Zusagen zurück. „Die Senatorin unterstützt das Projekt und wird auch gegenüber möglichen Sponsoren weiter offensiv dafür werben“, sagt Sprecher Bernd Schneider. Aber sie wolle den kommenden Haushaltsberatungen nicht vorgreifen. Klar ist, dass für die Finanzierung und Durchführung eines Sportinternats in Form des Hauses der Athleten auch andere Ressorts gewonnen werden müssen. Für die pädagogische Betreuung wäre somit das Bildungsressort Ansprechpartner für die Sportstiftung. Denn weil in dem Internat auch minderjährige Sportlerinnen und Sportler untergebracht werden sollen, muss eine 24-stündige Betreuung garantiert werden. Die Kosten für eine Lehrkraft beziffert die Bildungsbehörde intern auf 50.000 bis 60.000 Euro pro Jahr. Noch ist nicht klar, wie viele Lehrkräfte benötigt werden.

Auch die Zahl der Athleten, die gefördert werden sollen, ist noch offen. Denkbar ist, dass zunächst acht Sportler und Sportlerinnen in die Apartments einziehen. Dort stehen Räumlichkeiten für maximal 48 Athleten zur Verfügung. Wer gefördert wird, bestimmt die Sportstiftung und nicht die Sportverbände. „Natürlich hätte der Hockey-Verband am liebsten drei, vier Athleten“, sagt Gagelmann. „Aber wir werden unabhängig entscheiden, wer in das Haus zieht.“ Auch die Sportarten seien nicht begrenzt. „Wenn es einen tollen Schachspieler gibt, den wir fördern können, ist auch das möglich.“ Und Figura ergänzt: „Da sehen wir uns in der Verantwortung.“

Hannover betreibt seit Jahren ein Sportinternat

Bremen ist das einzige Bundesland, indem es außerhalb des Fußballs bislang keine gezielte Förderung von Sport-Talenten in Form einer Sportschule, Sport-Internats oder eben Haus der Athleten gibt. In Hannover hingegen wird seit Jahren ein Sportinternat betrieben, zudem hat Niedersachsen insgesamt zehn Bundesstützpunkte zur Sportförderung. „Die Umsetzung eines Hauses der Athleten entspricht den Bedürfnissen eines Großteils der bremischen Bevölkerung“, glaubt deshalb Figura. Langfristig soll sich auch die Oberschule Ronzelenstraße zu einer Elite-Schule des Sports weiter entwickeln. Mit dem Haus der Athleten ist eine Kooperation geplant. Allerdings sollen nicht nur Gymnasiasten gefördert werden, sondern auch Auszubildende oder Sportler, die sich für einen dualen Studiengang entschieden haben.

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