Bremer SV gegen Bayern im DFB-Pokal Das ganz besondere Bonusspiel genießen

Alles ist angerichtet: Am Mittwoch trifft der Bremer SV im DFB-Pokal auf Bayern München. Die Vorfreude ist beim Bremen-Ligisten enorm, auch wenn Stars wie Robert Lewandowski oder Manuel Neuer fehlen werden.
24.08.2021, 20:01
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Das ganz besondere Bonusspiel genießen
Von Yannik Sammert

Die Präsentation des schicken Mannschaftsbusses draußen vor der Tür, das stolze Drapieren des gewonnenen Lottopokals auf dem Podium, großes Medieninteresse und mit der Union-Brauerei ein uriger Schauplatz mit Biergeruch: Bei der Pressekonferenz am Dienstag wurde ein rundum würdiger Rahmen für das große Pokalspiel am Mittwochabend (20.15 Uhr) geboten. Überhaupt stellt Benjamin Eta, Trainer des Bremer SV, fest: „Das Drumherum ist ein ganz anderes, als wir es sonst gewöhnt sind.“ Einschüchtern lassen möchte er sich davon nicht. Im Gegenteil: „Wir werden das Spiel gegen die Bayern und alles Weitere in vollen Zügen genießen.“

Am Spieltag werden die Bremer ab 13 Uhr ausnahmsweise ein Tageshotel beziehen. Zu Ruhe kommen, ein Spaziergang und die taktische Besprechung stehen an. Ebenso besonders wird die abendliche Kulisse im Weserstadion. Mehr als 9000 Karten sind verkauft. „Unser Traumziel, 10.000 verkaufte Tickets, werden wir wohl nicht schaffen“, vermutet Alfons van Werde, zweiter Vorsitzender des Bremer SV. „Ich gehe davon aus, dass wir die 10.000 Karten knacken“, sagt wiederum Eta. Wer Recht behält, wird sich zeigen. Bis 18 Uhr können jedenfalls online Tickets gekauft und anschließend selbst ausgedruckt werden.

Lesen Sie auch

Was ein ungleiches Pokalaufeinandertreffen emotional für den Außenseiter bedeutet, verdeutlicht Eta an einem eigenen Beispiel. 2007 traf er als Spieler mit Victoria Hamburg im DFB-Pokal auf den 1. FC Nürnberg, damals Bundesligist. 0:6 verlor der Außenseiter. „Trotzdem reden wir heute noch über das Spiel“, so Eta. Etwa darüber wie der Club-Trainer Hans Meyer vor der Partie in die Hamburg-Kabine kam und jedem Spieler die Hand schüttelte. „Selbst einen verlorenen Zweikampf vergisst man nicht“, sagt der Bremer Coach. Insofern erhofft er sich einen „Schub für die Saison“ – egal, wie die Partie gegen den FCB ausgeht.  

Auf eines freut sich Eta jedoch ganz und gar nicht: Spielern mitteilen zu müssen, dass sie es nicht in den Kader geschafft haben oder nicht von Beginn an auf dem Spielfeld stehen. Final auf eine Aufstellung festgelegt habe sich Eta noch nicht. Tatsächlich hat er die Qual der Wahl. Nur Verteidiger Sören Tetzlaff und Mittelfeldmann Marvin Ntamag fehlen verletzt. Gleichwohl sind durch die vergangene Corona-Quarantäne nicht alle Spieler komplett fit. Für den Bremer Coach ist jedoch klar: „Wir sind bereit“. Ohnehin komme es gegen den Rekordmeister nicht auf die Beine, sondern auf den Kopf an – also darauf, diszipliniert zu spielen und taktische Anweisungen zu befolgen. "Ein Gegner kann immer viel Einsatz und Körper dagegenstellen, wenn der Gegner fußballerisch besser ist. Da müssen wir dagegenhalten”, meint hingegen Bayerns Trainer Julian Nagelsmann.

Lesen Sie auch

Bei den Gästen sind etablierte Kräfte teils nicht dabei, etwa Leon Goretzka und Kingsley Coman. Auch Torjäger Robert Lewandowki wird nicht antreten. „Es ist aber egal, ob Lewandowski, Müller, Musiala oder wie sie alle heißen spielen“, sagt Eta. Schließlich müsse gegen all diese Qualitätsspieler so oder so im Kollektiv verteidigt werden. Ähnlich äußert sich der Bremer Coach zum Bayern-Verzicht auf Manuel Neuer: „Selbst wenn der dritte Torwart spielt, wird das nichts ändern.“ Denn ganz gleich, wer im Kasten steht: Es sei wichtig, sich bietende Chancen zu nutzen. Eine mutige und freche Spielweise soll es gegen den großen Favoriten sein. Denn: „Wir haben nichts zu verlieren.“

„Mein Ziel ist es, dass Nagelsmann unzufrieden ist“, sagt Eta in Bremen. „Es gibt immer etwas, über das man sich aufregt. Wenn ich aber sehr oft rumspringe, dann werden sie wohl einiges richtig machen”, antwortet in München Bayerns Trainer. Für die Zeit nach Anpfiff schwebt Eta ein Fußballschnack mit seinem Trainerkollegen vor. Eine Frage interessiert den Coach der Gastgeber besonders: Wie bereitet Nagelsmann seine Jungs auf das Duell gegen den Bremen-Ligisten vor? Nach dem Spiel wird Eta es wohl erfahren. An eine Sensation denke er nicht. Aber: „Wenn was geht, werden wir alles dran setzen zu gewinnen. Und es gab schon viele Wunder.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht