Bremer SV unterliegt FC Bayern mit 0:12 Nur das Ergebnis störte

Es war die erwartet klare Angelegenheit: Der Bremer SV unterlag im DFB-Pokal dem übermächtigen FC Bayern mit 0:12. Dennoch erlebten die Amateurkicker einige besondere Momente.
25.08.2021, 23:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Olaf Dorow

Einen besonderen Moment gab es schon vor dem Anpfiff in der Umkleidekabine tief unten im Weserstadion. Draußen hofften 10.093 Zuschauer auf einen schönen Fußballabend, vor den TV-Geräten wartete weltweit ein Millionenpublikum auf den Auftritt des FC Bayern beim kleinen Bremer SV. Also baute sich Trainer Benjamin Eta vor seinen Jungs auf und sagte: „Auch wenn das die Bayern sind: Es beginnt gleich da draußen bei 0:0.“ Die Spieler sollten rausgehen und Spaß haben, den Abend einfach genießen und so lange wie möglich mithalten in dieser ersten Hauptrunde des DFB-Pokals.

Und BSV-Kapitän Alexander Arnhold strahlte wenig später bei der Seitenwahl mit Weltmeister Thomas Müller tatsächlich übers ganze Gesicht – da war keine Anspannung zu sehen, sondern nur pure Vorfreude. Entsprechend legte die Mannschaft von Eta auch los: Der BSV versteckte sich tatsächlich nicht, schon nach fünf Minuten schoss Lamine Diop aufs Bayern-Tor, scheiterte aber an Sven Ulreich. Auch oft im Blickpunkt: Der Bremer Torhüter Malte Seemann, der den ersten Konter der Bayern per Kopf außerhalb des Strafraums klärte – wie man es sonst von Manuel Neuer kennt. Der BSV hatte zunächst sogar mehr Ballbesitz und kombinierte schnell nach vorne.

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Das war ein packender und mehr als ausgeglichener Beginn mit forschen Bremern – doch dann schlugen die Bayern halt eiskalt zu: Eric Maxim Choupo-Moting knallte den Ball nach acht Minuten zur beruhigenden 1:0-Führung ins Netz. Nach 15 Minuten erhöhte Jamal Musiala auf 2:0. Damit waren auch die leisesten Hoffnungen der Bremer auf eine Pokalsensation dahin – das aber störte den BSV offensichtlich wenig. Die Spieler genossen den großen Abend einfach weiter, kombinierten mutig durchs Mittelfeld und tauchten auch immer wieder im gegnerischen Strafraum auf. Vor allem Diop beschäftigte Bayerns Abwehr. Der Unterschied zu den natürlich viel besseren Münchnern: Der Ball landete bei den Bremer Bemühungen nicht im Netz, stattdessen erhöhten die Bayern ihre Führung bis zur Pause nach einfachen, aber schnellen Kombinationen: Erst Musiala zum 3:0, dann Choupo-Moting zum 4:0 und 5:0 – diese Führung in der Halbzeit war eigentlich zu hoch gegen die ordentlich auftretenden Bremer.

Zuschauer sind zufrieden

Für den BSV ging es fortan an diesem historischen Abend nur noch darum, das Ergebnis einigermaßen erträglich zu halten. Den Spaß am Fußball ließen sich die Fünftligakicker trotzdem nicht nehmen und wehrten sich nach Kräften. Mit so viel Lust hatte jedenfalls schon lange keine Bremer Mannschaft mehr im Weserstadion agiert. So waren die Zuschauer im Stadion zufrieden: Die vielen Bayern-Fans sahen schöne Tore, die Bremer erlebten den schönsten Tag in der jüngeren Geschichte des traditionsreichen BSV.

Dass die Bayern nun auch unter Julian Nagelsmann so weitermachen wie vorher unter Erfolgscoach Hansi Flick, zeigte sich gleich nach der Pause und war keine gute Nachricht für den BSV: Die Münchner spielten konsequent und eiskalt weiter nach vorne. Erst Malik Tilman, dann Musiala – viele Zuschauer saßen noch nicht wieder richtig auf dem Platz, da stand es in der zweiten Hälfte schon 7:0.

Schade war somit aus Bremer Sicht nur das zu früh zu hohe Ergebnis, das letztlich sogar 0:12 ausfiel – und vielleicht auch der Verzicht der Bayern auf die drei Leistungsträger Manuel Neuer, Leon Goretzka und Robert Lewandowski, die alle drei die Reise nach Bremen nicht antreten brauchten und geschont wurden. Übrigens waren die Münchner erst am Spieltag angereist, nach einer Trainingseinheit am Morgen auf dem heimischen Klubgelände an der Säbener Straße. Nach einer Übernachtung in der Bremer Innenstadt fliegen die Bayern am Donnerstag zurück. Einer flog noch am Abend, nämlich Bremens Defensivspieler Ugo Nobile nach einem Trikothalten gegen Bayerns Jungstar Tillman. Diese Rote Karte war allerdings eine viel zu harte Entscheidung.

Nagelsmann kommt gerne nach Bremen

Bayern-Trainer Nagelsmann, Etas Lieblingskollege, kommt immer besonders gerne nach Bremen: Im Weserstadion feierte er im Februar 2016 als 28-Jähriger sein Bundesligadebüt als jüngster Trainer der deutschen Erstligageschichte. Damals gelang ihm mit Hoffenheim allerdings nur ein 1:1 gegen Werder. Immerhin blieben seine Bayern nun gegen den BSV erstmals in dieser Saison ohne Gegentreffer.

Notfalls müsse man halt in die zweite Pokalrunde einziehen, um dann gegen seinen Wunschgegner Leverkusen spielen zu können, hatte BSV-Trainer Eta vor der Pokalauslosung geflachst. Das konnte für den Bremenligisten gegen den Rekordmeister nicht gelingen. Da hilft also nur eins: Wieder den Bremer Lottopokal gewinnen – und dann auf Leverkusen hoffen. Wann der FC Bayern wieder zu einem Pflichtspiel nach Bremen kommt, ist sehr ungewiss. Es könnte auch deshalb ein historischer Flutlicht-Abend an der Weser gewesen sein. Oder nicht? BSV-Torhüter Malte Seemann sagte nach dem Spiel: „Das war ein Riesenerlebnis. Ich hätte nichts dagegen, wenn es nächstes Jahr wieder so ist.“ Franz Roskosch aus dem Vorstand des BSV rief ins Stadionmikro: "Jungs, macht euch ein Bier auf!"

Statistik

Bremer SV - Bayern München 0:12 (0:5)

Bremer SV: Seemann (70. Bahr) - Warm, Olatunji (58. Waki), Nobile, Kmiec (58. Wazneh) - Muszong, Kaiser - Diop (58. Matar), Arnhold, Kurkiewicz (70. Kunkel) - Garcia Garcia

Bayern München: Ulreich - Sarr, Nianzou, Süle (46. C. Richards), O. Richards - Kimmich (46. Cuisance), Tolisso - Musiala (61. Gnabry), Th. Müller (46. M. Tillman), L. Sané (68. Booth) - Choupo-Moting

Schiedsrichter: Nicolas Winter (Scheibenhardt)

Zuschauer: 10.093

Tore: 0:1 Choupo-Moting (8.), 0:2 Musiala (16.), 0:3 Warm (27./Eigentor), 0:4 Choupo-Moting (28.), 0:5 Choupo-Moting (35.), 0:6 M. Tillman (47.), 0:7 Musiala (48.), 0:8 L. Sané (65.), 0:9 Cuisance (80.), 0:10 Choupo-Moting (82.), 0:11 Sarr (86.), 0:12 Tolisso (88.)

Rote Karte: Nobile (77./Notbremse) / -

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