Dancing-Superstars-Festival Die Leichtigkeit des West Coast Swing

Cliff Pereira und Birte Jetter präsentieren die amerikanische Tanzsportvariante des West Coast Swing beim Dancing-Superstars-Festival im Bremer Con­gress-Centrum.
01.06.2019, 20:12
Lesedauer: 4 Min
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Die Leichtigkeit des West Coast Swing
Von Ruth Gerbracht

Wenn Birte Jetter beim Dancing-Superstars-Festival im Bremer Con­gress-Centrum einen kurzen Blick auf die schwingenden Standardkleider beim Paartanz wagt, wird sie für einen kleinen Moment ein bisschen wehmütig. Aber wirklich nur ganz kurz. „Dann ist es auch schon schnell wieder vorbei“, erklärt die 26-jährige ehemalige Standard-Tänzerin aus Münster. Denn Birte Jetter hat tänzerisch umgesattelt. Ihre große Leidenschaft ist seit ein paar Jahren der West Coast Swing. Zusammen mit Cliff Pereira hält sie in Bremen erstmals einen Workshop für die aus Kalifornien stammende Tanzsportart ab. Die Resonanz ist großartig, die Begeisterung bei den Teilnehmern nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Es wird konzentriert geübt, anschließend viel gelacht und am Ende der Übung der Tanzpartner gewechselt.

Dieser Wechsel ist eine echte Besonderheit des West Coast Swing, den Birte Jetter und Cliff Pereira besonders mögen. Zum einen, weil dadurch ihrer Meinung nach unglaublich viel kommuniziert wird, und zum anderen, weil „viel improvisiert werden muss und am Ende meist tänzerisch Innovatives herauskommen kann“, erklärt der 37-Jährige, der zusammen mit seiner Partnerin in Düsseldorf seine tänzerische Heimat gefunden hat. Auch Pereira hat 15 Jahre Standard getanzt, S-Klasse sogar, hat unter anderem beim Mitveranstalter der Dancing-Super-Stars, Marc Schulze-Altmann, trainiert. Doch als er zufällig einen Video-Clip über West Coast Swing bei Youtube gesehen hatte, war er hin und weg. „Das sah so elegant, so leicht und so ungemein rhythmisch aus“, erinnert er sich.

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West Coast Swing wurde ursprünglich in den USA ausschließlich nach der traditionellen Swingmusik getanzt. Das hat sich in Europa ausgeweitet. Hier wird nach modernem Pop, Disco, Hip Hop oder Blues getanzt. Diese musikalische Vielfalt übt schließlich einen ganz besonderen Reiz auf die Tanzsport-Fans aus.

Ständige Wechsel fördern Kreativität

Zusammen mit Birte Jetter, die er übers Tanzen in Münster kennengelernt hatte, besuchte Cliff Pereira 2014 einen Schnupperkurs zum Thema West Coast Swing beim Deutschen Tanzsportverband. Marc Heldt, renommierter Tanzlehrer und der West-Coast-Swing-Gründer in Deutschland, überzeugte die beiden mit einem ganz neuen Tanz-Erlebnis. „Bei den klassischen Tanzsportarten studiert man eine feste Choreografie, die begleitet dich durch alle Turniere“, sagt Birte Jetter, „es verändert sich so gut wie nichts.“ Beim West Coast Swing würden Musik und Bewegung perfekt miteinander verbunden und immer wieder während des Tanzens neu gestaltet. „Man geht mehr auf die Musik ein“, ist Birte Jetter überzeugt. Für Cliff Pereira war es zu Beginn gewöhnungsbedürftig, dass er nicht länger der Führende war, wie es beim Standardtanzen üblich ist. „Beim West Coast Swing kommt deine Partnerin und erklärt dir eine Idee, und dann wird gemeinsam etwas Neues entwickelt“, sagt er.

Vor allem auch der Partnerwechsel beim West Coast Swing wird von den beiden als kreativer Ideengeber angesehen. Durch die ständige Kommunikation mit anderen Tänzern würde es zwar oftmals schwieriger, aber das mache auch großen Spaß, erklären die beiden Coaches. Und es würde lustiger. Lustiger und überraschender deshalb, weil man nicht unbedingt bei Wettkämpfen mit seinem angemeldeten Partner oder seiner Partnerin gewinnt. Man meldet sich an und dann wird der Tanzpartner zugelost. Cliff Pereira ist beispielsweise 2018 deutscher Meister geworden, wusste zu Beginn des Turniers aber nicht, mit wem er am Ende gewinnen könnte.

Rasanter Zulauf

Der Zulauf beim West Coast Swing hat innerhalb der vergangenen Jahre rasant zugenommen. Fast jedes Wochenende sind die beiden unterwegs. Mittlerweile werden überall große Tanzpartys veranstaltet, wo dann Wettbewerbe im West Coast Swing eingebettet sind. „Die Atmosphäre auf den Partys ist großartig“, schwärmt Birte Jetter. „Man ist das ganze Wochenende zusammen und reist nicht wie nach den üblichen klassischen Turnieren direkt nach Hause.“ Unter der Woche trainieren die beiden in Düsseldorf, wo sie schließlich auch als Coach Kurse anbieten.

In diesem Jahr erfüllen sich die beiden einen besonderen Wunsch. Im August geht es nach San Francisco, ins Mutterland des West Coast Swing. Dort nehmen sie an einem Festival teil, das dem Dancing-Superstars-Festival ähnelt. Neben den Wettbewerben finden Workshops statt mit den renommiertesten Trainern. „Das wird echt spannend, dort können wir eine Menge dazulernen“, erklärt Cliff Pereira. Vor allem beim traditionellen West Coast Swing, der nach Angaben der beiden in den USA noch immer nach der traditionellen Swing-Musik getanzt wird.

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Am Ende soll der Tanzsport für beide aber Hobby bleiben. Cliff Pereira ist beruflich als IT-Berater gefordert, Birte Jetter als Beraterin für Migration und Integration. Sie wollen aber auch zukünftig beides verbinden, dafür macht ihnen der West Coast Swing zu viel Spaß. Und dieser Spaß ist offensichtlich übertragbar. In Bremen haben sie ihre Trainingsgruppe jedenfalls mit ihrer Begeisterung angesteckt.

Info

Zur Sache

Grün-Gold-Nachwuchs auch international erfolgreich

Auch für die Jüngsten des Grün-Gold-Club lief es beim ersten Wettbewerb während der Dancing Superstars ziemlich erfolgreich. Beim erstmals ausgetragenen internationalen Junioren-I- Standard-Wettbewerb tanzten sich Alexander Kuzmichenko und Edera Gulpe zur Freude ihrer Trainer ins Finale. Dort mussten sie der starken Konkurrenz aus der Ukraine, Litauen und Moldawien allerdings den Vortritt lassen und landeten auf Rang fünf.

Während die Junioren- und Seniorenlateinpaare am späten Sonnabendabend noch um Medaillen und Platzierungen kämpften, geht es für viele Paare an diesem Sonntag in diversen Workshops darum, den nötigen tänzerischen Feinschliff für die Turniersaison zu bekommen. Andreas Stölting von der Bremer Tanzarena wird im Standardbereich wertvolle Tipps geben, Cliff Pereira und Birte Jetter werden Techniken im West Coast Swing intensivieren.

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