Ex-Trainer über Bremer Weltmeister Wellbrock

„Florian ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung“

Gerhard Hasler war bis 2016 der Landestrainer beim Bremer Schwimm-Verband und hatte Florian Wellbrock unter seinen Fittichen. Im Interview spricht er über Wellbrocks Anfänge und sein Potenzial.
29.07.2019, 11:54
Lesedauer: 2 Min
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„Florian ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung“
Von Mathias Sonnenberg

Herr Hasler, haben Sie das Gold-Rennen Ihres ehemaligen Schützlings verfolgt?

Gerhard Hasler: Aber auf jeden Fall, im Livestream auf dem Sofa zusammen mit meinem Sohn. Wir haben die Daumen gedrückt und dann gejubelt, als Florian es tatsächlich geschafft hatte. Das war eine taktische Meisterleistung.

Haben Sie während der WM Kontakt zu Florian Wellbrock gehabt?

Ja, auch mit seinen Eltern, die ja vor Ort waren. Ich hatte Florian auch nach dem ersten Gold schon per Whatsapp gratuliert. Und letztes Jahr war ich auch in Glasgow, als er bei der EM den Titel über 1500 Meter gewonnen hat.

Was war er denn für ein Typ als Jugendlicher?

Ein ganz angenehmer und ruhiger Zeitgenosse, ganz abgeklärt. Er ist an das Schwimmen mit viel Verstand ran gegangen. Und er hat damals schon mitgedacht und die Anregungen der Trainer angenommen. Nicht wie einige andere Pubertierende, die eher mal quergeschossen sind.

Wie lange haben Sie ihn in Bremen trainiert?

Bis er 17 war, dann ist er nach Magdeburg gewechselt. Das war eine richtige Entscheidung damals, ich habe sie gemeinsam mit der Familie forciert. Florians Vater Bernd war ja ein guter Radfahrer, die Familie ist mit dem Thema Leistungssport also vertraut gewesen. Florian musste damals aus Bremen weg, da war das Ende der Fahnenstange erreicht. Solch eine Karriere wäre in Bremen nicht möglich gewesen. Aber das er die Grundlagen in Bremen bekommen hat, das macht einen schon stolz.

Wellbrock hat in einem Interview gesagt, dass er früh auf die Langstrecken gesetzt hat, weil er über die kurzen Distanzen chancenlos war.

Ja, das stimmt schon, es gibt eben diese geborenen Sprinter-Typen. Und andere, die von Anfang eher auf Ausdauer setzen. So einer war Florian.

Haben Sie schnell gemerkt, was für ein großes Talent er besitzt?

Ja, das Talent war schnell zu erkennen, er war gut im Gleiten und hatte schon früh eine sehr gute Renneinteilung. Aber ob man dann ein Weltmeister wird, hängt von so vielen unterschiedlichen Faktoren ab: wie schlägt das Training an, stimmt das familiäre Umfeld, wie geht der Körper mit höherer Belastung um? Das weiß man nie. Aber das Florian riesiges Potenzial hatte, war nicht zu übersehen.

Wie geht es jetzt weiter mit ihm?

Florian ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Ich kann mir gut vorstellen, dass er diese Strecken jetzt über ein paar Jahre dominieren wird. Die Ausdauer-Strecken kann man relativ lange schwimmen, da hat er noch ein paar gute Jahre vor sich. Die Strecke über 1500 Meter ist ja sehr europäisch dominiert. Florian gehört für mich zu den Favoriten bei den Olympischen Spielen 2020, das ist nach dem WM-Titel ja fast logisch. Das wäre der nächste Schritt.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg.

Info

Zur Person

Gerhard Hasler (56)

war bis 2016 der Landestrainer beim Bremer Schwimm-Verband und hatte Florian Wellbrock unter seinen Fittichen. Vor drei Jahre wechselte er als Jugend-Trainer zum SSV Freiburg.

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