Trotz Bestleistung Keine EM-Chance für Stabhochspringer Kass aus Bremen

Während der Bremer Stabhochspringer Philip Kass trotz Bestleistung und erfüllter EM-Norm zu Hause bleiben muss, gehört Sprinter Fabian Linne fest zum Aufgebot für die U20-Europameisterschaft.
01.07.2019, 18:33
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Keine EM-Chance für Stabhochspringer Kass aus Bremen
Von Frank Büter

Auf der Jagd nach der Norm hat Philip Kass in den vergangenen Wochen vieles versucht und vieles erreicht. Er hat Trainingsschwerpunkte verändert. Hat härtere Stäbe eingesetzt. Bestleistungen ist er gesprungen. Hat den Bremer Landesrekord auf 5,35 Meter geschraubt. Kass befand sich sozusagen auf einem Höhenflug – und doch fehlte dem Stabhochspringer des SV Werder noch die Winzigkeit von fünf Zentimetern, um diese vermaledeite Qualifikationsnorm für die U 23-Europameisterschaft zu erfüllen. Bis zu seinem im wahrsten Wortsinn letzten Versuch bei den Landesmeisterschaften in Göttingen vor Wochenfrist gab Philip Kass alles. Als die Latte dann aber bei 5,40 Meter erneut nicht liegen blieb, war klar: Die EM vom 11. bis zum 14. Juli im schwedischen Gävle findet ohne den Werderaner statt. Und nun das ...

Beim 4. Kölner Flutlichtspringen am vergangenen Sonnabend ist Philip Kass 5,41 Meter gesprungen. 5,41 Meter! Mit neuer Bestleistung hat der 20-Jährige im Netcologne-Stadion an der Deutschen Sporthochschule endlich die besagte Normhöhe erreicht – allerdings eine Woche zu spät. „Die Qualifikation ging nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt“, sagt Philip Kass. Und ergänzt mit Blick auf die EM-Nominierung: „Die Tür ist zu.“ Er klingt sehr gefasst, als er das sagt. Die Enttäuschung halte sich in Grenzen, das sagt er auch. Zumal Philip Kass bereits Erfahrung mit zu spät erfüllten Normen hat: „Vor drei Jahren“, schildert er, „habe ich die Qualifikationshöhe für die U 20-EM auch erst eine Woche später übersprungen“. Auch damals, das sei an dieser Stelle ergänzend hinzugefügt, haben ihm fünf Zentimeter gefehlt.

Ein Déjà-vu, das Philip Kass schnell abgehakt hat. Nach der schweren Knieverletzung in den Wintermonaten ist er derzeit einfach nur froh darüber, dass die Saison bisher sportlich für ihn so erfolgreich verlaufen ist. „Ich habe gezeigt, dass ich hoch springen kann“, sagt der Werderaner. Deutschland repräsentieren und sich auf internationaler Bühne zeigen zu können, klar, betont Kass, „das wäre schön gewesen“. Doch der Bremer, der im Herbst ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln aufnehmen wird, blickt nach vorne: „Ich habe noch einige Highlights in dieser Saison vor mir, zum Beispiel die deutsche Meisterschaft Anfang August. Und in den nächsten Jahren habe ich bestimmt noch Gelegenheit, internationale Wettkämpfe zu bestreiten. Ich freue mich darauf.“

International besetzt war auch dieses Flutlichtspringen am Sonnabend in Köln. Beim Einspringen sei es noch etwas zu heiß gewesen, schildert Philip Kass. Doch als der Wettkampf dann in den späten Abendstunden begann, unter Flutlicht und begleitet von lautstarker Musik, hätten die äußeren Bedingungen gestimmt. Bei leichtem Rückenwind gelang es dem bestens vorbereiteten Philip Kass schließlich, seine guten Trainingsleistungen abzurufen. Unter lautstarkem Beifall des Publikums überquerte er die neue Bremer Landesrekordhöhe von 5,41 Metern und scheiterte im Anschluss nur hauchdünn an den aufgelegten 5,51 Metern. „Das war wirklich super knapp“, sagt Kass.

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Während ein Werderaner Ausnahmeathlet also den EM-Zug verpasst hat, wird sich mit Fabian Linne ein weiteres Ausnahmetalent demnächst auf Reisen begeben. Seit diesem Wochenende hat der Sprinter nämlich Gewissheit, zum Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu gehören, das die deutschen Farben bei der U 20-Europameisterschaft Mitte Juli in Boras/Schweden vertreten wird. Bei der stark besetzten Junioren-Gala in Mannheim hatte der 18-jährige Linne mit einer Zeit von 21,07 Sekunden über 200 Meter noch einmal seinen Status als drittschnellster deutscher Sprinter seiner Altersklasse bestätigt – und im Anschluss das Okay für die EM erhalten.

„So richtig realisiert habe ich das noch nicht. Das wird wohl auch noch ein paar Tage dauern“, sagt Fabian Linne, der bei der EM auch auf einen Einsatz in der 4x100-Meter-Staffel hoffen darf, eine stark besetzte Staffel, die sogar Medaillenambitionen hegt. „Wir haben gute Chancen, vielleicht sogar auf Gold“, sagt Linne. Auf seiner Paradestrecke über 200 Meter strebt er unter dessen zumindest den Einzug in den Finallauf an, „und dann schauen wir mal“.

Schauen wird Linne in den nächsten Tagen auch auf den Paketboten. Er erwartet nämlich die Ausrüstung, die der DLV seinen Nationalkaderathleten zukommen lässt, „die Konfektionsgröße musste ich schon angeben“, schildert Linne. Und er wartet noch auf den genauen Abreisetermin zu dieser Europameisterschaft, die für ihn den bisherigen Karriere-Höhepunkt bedeutet.

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Olabisi norddeutscher Meister

Stabhochspringer Joshua Olabisi sorgt weiter für Furore. Der 18-jährige Werderaner meisterte bei den norddeutschen Meisterschaften der U20 in Hamburg alle Sprungversuche von 4,30 bis einschließlich 4,50 Meter im ersten Versuch und sicherte sich so den Titel. Nach längerer verletzungsbedingter Pause erreichte Tim-Ole Silze im Weitsprung der U20 ebenfalls einen Podestplatz. Im dritten Durchgang landete der Schützling von Trainer Roman Fricke bei einer Weite von 6,91 Metern und verpasste nur knapp die magische Sieben-Meter-Marke. Auch im Dreisprung der U20 gab es eine Silbermedaille zu bejubeln: Keno Krieger steigerte sich in nahezu jedem Versuch und landete im fünften Durchgang bei seiner Tagesbestweite von 13,86 Metern. Weitere Medaillen gab es im U16-Bereich. Tom Graap wurde in 37,67 Sekunden Vizemeister über 300 Meter und gewann zudem mit seinen Mannschaftskollegen Jan Luca Wilkening, Björn Seibke und Bastian Lanitz über 4x100 Meter in 47,33 Sekunden Staffel-Silber. In der Altersklasse der weiblichen U16 lief Collien Oliviera Stubbe über 300 Meter Hürden in 46,76 Sekunden auf den Bronzerang.

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