"Das Wappen von Bremen" So soll die junge Generation fürs Hochseesegeln begeistert werden

Die Segelkameradschaft "Das Wappen von Bremen" gibt ihre Begeisterung für das Hochseesegeln an die junge Generation weiter. Für die Ausbildung seiner Segler hat der Verein jetzt einen großen Kauf getätigt.
08.07.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
So soll die junge Generation fürs Hochseesegeln begeistert werden
Von Judith Kögler

Die Kraft des Windes, die Weite des Meeres, die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer. All dies sind laut der Segelkameradschaft "Das Wappen von Bremen" (SKWB) Aspekte, die das Segeln zu einem mitreißenden Sport machen. Um diese Begeisterung auch an die junge Generation weiterzutragen, hat sich der Verein erst kürzlich einen neuen Seekreuzer angeschafft. Die "Löwe von Bremen", wie die Jacht feierlich getauft wurde, soll insbesondere der Jugendausbildung zugutekommen.

Neues Konzept für Ausbildung der Nachwuchs-Segler

"Da die Älteren in unserem Verein aktuell nach und nach ausscheiden, steht bei uns ein Generationenwechsel an", sagt Vorstandsmitglied Christoph Tschernischen. Deshalb habe sich der neue Vorstand mit seinem Antritt die Frage stellen müssen, ob das bisherige Ausbildungskonzept noch zeitgemäß sei. "Diese Frage bewegte vor allem auch unsere Jugendlichen", sagt er. Also arbeitete der Vereinsvorstand in den vergangenen Monaten, gemeinsam mit der SKWB-Jugendabteilung, an einer Neuausrichtung des Ausbildungskonzeptes: Im Mittelpunkt sollte wieder das Hochseesegeln stehen – die Kernkompetenz des Vereins.

Lesen Sie auch

Und so verkaufte der SKWB sämtliche Jollen und kleinere Kielboote und sah sich nach einem Jachttyp um, der es dem Nachwuchs ermöglicht, seine Fähigkeiten mit wachsenden Schiffsgrößen auszubauen. Auch Vereinsmitglied Robert Kose wollte sich weiterentwickeln. Der 20-jährige Student begann bereits als Kind mit den Segeln. Kleinere Booten wie die Optimisten-Jolle und den 20er-Jollenkreuzer beherrsche er bereits gut. Somit wurde es "Zeit für etwas Größeres", sagt er.

Suche nach moderner Jacht

In Zukunft sticht nun eine Jeanneau Sun Fast 3600 mit den Jugendlichen in See. Der Seekreuzer trägt seit seiner offiziellen Taufe am 29. Mai den Namen "Löwe von Bremen" und gilt als modernes, Hochsee-taugliches Ausbildungsschiff, das auch für nationale sowie internationale Wettkämpfe – sogenannte Regatten – genutzt werden kann.

Auf dem aktuellen Markt für gebrauchte Jachten etwas Geeignetes zu finden, das war laut Tschernischen jedoch eine Herausforderung. Der Verein habe sich in Frankreich und England nach Angeboten umgesehen, die Nachfrage sei aber zu hoch gewesen. Dass das Gute jedoch so nahe liegen kann, diese Erfahrung durfte schlussendlich auch der SKWB machen: Kurz vor Vertragsabschluss für den Kauf eines neuen Boots kam eine entscheidende Information. "Wir hatten das große Glück, dass ein Mitglied von uns ein Schiff in dem gesuchten Segment veräußern wollte", berichtet Tschernischen.

Das Vorhaben, die Jugendarbeit umzustrukturieren, hatte sich offensichtlich herumgesprochen und die "Löwe von Bremen" ging zu einem Freundschaftspreis in den Besitz des Vereins über. Der einzige Haken: Das Boot befand sich noch im Winterlager auf Mallorca und musste erst noch überführt werden. Vor dem Hintergrund, dass der Kreuzer für die Jugendabteilung genutzt werden soll, klingt es fast paradox, wenn Tschernischen erzählt, dass ausgerechnet vier der Vereinsältesten in einer 20-tägigen Reise das Schiff von der spanischen Insel bis nach Bremerhaven segelten.

Mittlerweile befindet sich das Schiff aber komplett in der Hand der Jungsegler. Auf der Nordseewoche, Deutschlands größter Segelregatta, konnte es der breiten Öffentlichkeit zu Pfingsten zum ersten Mal präsentiert werden. Mit dabei war auch der 20-jährige Vincent Vahland. Was ihn am Hochseesegeln begeistert? "Man kann die ganze Welt sehen", sagt der Auszubildende. Vor allem das Fahren mit dem neuen Schiff "macht unglaublich Spaß". Es sei schnell, gebe viel Feedback und sei für das Wettkampf-Segeln bestens geeignet.

Überraschendes Regatta-Ergebnis

Diese Tribute zeigten sich auch bei der jüngsten Regatta, der Nordseewoche. Dort wurde die "Löwe von Bremen" überraschend Fünfter, in einem Starterfeld von rund 50 Jachten. "Wir dachten eigentlich, wir fahren mal mit, um das Schiff kennenzulernen und würden dementsprechend den letzten Platz einfahren", sagt Vahland. Mit dem unerwarteten Ergebnis sei er also sehr zufrieden.

Künftig wollen Kose und Vahland weitere Regatten fahren, eine feste Crew aufbauen. In der Zwischenzeit werde der Jugendkreuzer aber für die Ausbildung der jugendlichen Segler bis zum Schiffer für weltweite Fahrten genutzt. Und da das Vereinsleben beim SKWB auf See stattfindet (ein Klubhaus oder einen eigenen Hafen sucht man tatsächlich vergebens), erwerben die jungen Sportler auf regelmäßigen Wochenendreisen auf Nord- und Ostsee, bei mehrtägigen Langfahrten und Ausbildungstörns die nötigen Wachführer- oder Schifferpatente.

"Diese braucht man, um verantwortungsvollere Aufgaben auf unseren Seekreuzern übernehmen zu können", so Tschernischen. Für die Segelgrundausbildung auf Jollen und Kleinbooten arbeite der Verein von nun an übrigens mit regionalen und lokalen Ausbildungspartnern und Partnervereinen zusammen. "Unerfahrene Segel-Interessierte müssen sich also nicht scheuen, auf uns zuzukommen. Durch die Kooperationen haben wir für jeden das passende Ausbildungsangebot."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+