Sportler wie Florian Wellbrock aus Bremen Wie die Deutsche Sporthilfe olympische Athleten unterstützt

Die Deutsche Sporthilfe unterstützt und begleitet olympische Athleten. Auch der Bremer Schwimmer Florian Wellbrock profitiert davon.
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Wie die Deutsche Sporthilfe olympische Athleten unterstützt
Von Mathias Sonnenberg

Die letzte Woche im September hat Oliver Rau auf Fuerteventura verbracht. Klingt nach Urlaub, war aber Arbeit. Die Deutsche Sporthilfe hatte eingeladen, eine Woche Sonne und Spaß für all die Athleten, die in den zwölf Monaten zuvor in olympischen Sportarten eine Medaille gewonnen hatten. „Sporthilfe Club der Besten“ heißt die Aktion, die es schon seit einigen Jahren gibt. „Das ist auch eine Wertschätzung für die Leistung der Athleten“, sagt Oliver Rau, der über 20 Jahre lang im Marketing bei Werder Bremen gearbeitet hat und jetzt im Vorstand der Sporthilfe sitzt. Für viele Sportler bedeutet die Woche in der Sonne aber nicht nur Spaß, sondern auch Netzwerken mit Unternehmern und Medien. Denn eigentlich alle Athleten eint ein Fakt: Sie lieben ihren Sport, ohne davon langfristig leben zu können.

Florian Wellbrock, Doppelweltmeister über 1500 Meter Freistil und zehn Kilometer Freiwasser, war nicht auf Fuerteventura. Der Bremer, seit vier Jahren beim SC Magdeburg, ist schon voll im Olympia-Modus. Tokio 2020, das sollen seine Spiele werden. Der Traum, Doppel-Olympiasieger zu werden, treibt den 22-Jährigen an. Aber die Hoffnung, dass sich seine WM-Erfolge im Sommer dieses Jahres monetarisieren lassen, hat sich noch nicht erfüllt. Wellbrock hatte dafür sogar einen Manager engagiert, der Berliner Holger Drost sollte Werbeverträge an Land ziehen. Kein einfaches Geschäft, in Bremen konnte er immerhin die Bremische Volksbank als Sponsor gewinnen. Wellbrock hat sich jetzt von Drost getrennt und eine Agentur engagiert, die früher schon den Schwimm-Weltmeister Paul Biedermann vermarktete.

„Er kann durch die Decke gehen“

Oliver Rau verfolgt als Bremer den Werdegang von Wellbrock sehr genau. Weil beide aus der gleichen Stadt kommen, aber auch weil Wellbrock von der Sporthilfe gefördert wird. Über 4000 Athleten aus rund 50 Sportarten kommen in diesen Genuss. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe erlöst den Großteil ihrer Fördergelder aus Spenden, der Wirtschaft und seit diesem Jahr auch vom Bundesinnenministerium und leitet diese an die Sportler weiter. Die Höhe ist kein Geheimnis, auf der Homepage ist die individuelle Förderung transparent aufgeführt. Florian Wellbrock beispielsweise erhält als Medaillenkandidat für Olympia monatlich die maximale Grundförderung von 800 Euro, dazu die Mercedes-Benz-Eliteförderung von 400 Euro und die ElitePlus-Förderung von 1000 Euro, die von Pricewaterhousecoopers ermöglicht wird – ergibt 2200 Euro pro Monat. Das Geld muss nicht versteuert werden. Würde Wellbrock zusätzlich studieren, kämen weitere 300 Euro für das Deutsche Bank Sport-Stipendium hinzu. In diesem Jahr hat er eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann abgeschlossen.

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Fußballer würden über diesen Betrag lachen, für olympische Sportler wie Wellbrock aber bedeutet er die Grundsicherung für den Lebensbedarf – nicht mehr, nicht weniger. „Viele erfolgreiche Athleten haben das Problem, dass sie aus ihren Leistungen kein großes Kapital schlagen können“, sagt Thomas Gutekunst, bei der Sporthilfe Mitglied der Geschäftsleitung und dort verantwortlich für den Bereich Athletenförderung. Es sei zwar nicht die Aufgabe der Sporthilfe Sponsorenverträge zu vermitteln, aber sie helfe auf andere Art und Weise.

„Wir haben viele Kontakte in die Wirtschaft und können den Sportlern so immer wieder Hilfestellungen geben. Es gibt Mentorenprogramme und Netzwerkveranstaltungen mit Sportlern und Wirtschaftsvertretern“, sagt Gutekunst. Und Rau fügt an: „Es geht ja oft auch um die Karriere nach der Karriere. Wir wollen den Sportlern helfen, sich auf das Leben nach dem Sport vorzubereiten. Diesen Ast wollen wir bei der Sporthilfe noch dicker machen.“ Denn Leistungssportler seien in vielen Unternehmen willkommen, weil sie gezeigt hätten, dass sie sich fokussieren können und eine extreme Leistungsbereitschaft hätten. „Das sind sehr gute Voraussetzungen, um später im Berufsleben zu bestehen“, findet Gutekunst.

Sponsorenmarkt sehr überschaubar

Rau, vor vielen Jahren ein erfolgreicher Ruderer, kennt die Probleme der Athleten genau. „Einige Sportler haben überzogene Erwartungen und können sich und den Markt für Sponsoren nicht genau einschätzen.“ Denn der Sponsorenmarkt ist für die meisten olympischen Sportler sehr überschaubar. Die meisten Gelder saugt nach wie vor der Fußball ab – kein neues Phänomen. Wie frustrierend die Suche nach Sponsoren- und Werbeverträgen selbst für einen Schwimm-Doppelweltmeister sein kann, erlebt Florian Wellbrock derzeit. „Florian ist der klassische olympische Athlet, der wahnsinnig viel trainiert und Zeit opfert für seinen Sport, aber nur wenige Momente im Fernsehen und in der Öffentlichkeit hat. Da ist es schwer, sich zu vermarkten“, sagt Gutekunst. Es sei denn, der Sportler sucht aktiv die Öffentlichkeit.

Wie das funktionieren kann, zeigt Gina Lückenkemper. Die Leichtathletin ist international noch ohne großen Titel, trotzdem gilt sie als das deutsche Gesicht der Leichtathletik. Das sichert ihr gut dotierte Sponsoren- und Werbeverträge, auf die ein Florian Wellbrock derzeit vergeblich hofft. Rau und Gutekunst kennen das Phänomen. „Die Frage ist ja auch immer: Wie weit begebe ich mich in die Öffentlichkeit? Es reicht oft nicht aus, nur schnell zu schwimmen oder zu laufen, sondern man muss auch bereit sein, sich medial über den Sport hinaus darzustellen.“ Für eine Lückenkemper kein Problem, sie gewährt über ihre Social-Media-Kanäle immer wieder Einblick ins Privatleben. Den gibt es bei Wellbrock weniger. Mit Folgen, wie allein die Zahl der Follower bei Instagram beweist. Bei Lückenkemper sind es über 152.000 User, bei Wellbrock gerade mal 8600. Dabei ist Währung Instagram gerade für Unternehmen extrem wichtig, weil sie viel junge Kunden zieht.

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Oliver Rau glaubt trotzdem, dass Wellbrock auf lukrative Werbeverträge hoffen kann. „Ich sehe für ihn gute Möglichkeiten bei mittelständischen Unternehmen.“ Und auch Sporthilfe-Kollege Gutekunst glaubt an Perspektiven der Vermarktung. „Florian Wellbrock kann 2020 in Tokio bei Olympia durch die Decke gehen. Das wäre dann schon besser zu vermarkten als beispielsweise ein Ruderer, der noch mit anderen Sportlern in einem Boot sitzt und die sportlichen Erfolge teilt.“

Info

Zur Sache

Schnell unterwegs in Berlin

Florian Wellbrock hat sich zum Start des Weltcups in Berlin in guter Form präsentiert. Der WM-Champion über 1500 Meter im Becken und zehn Kilometer im Freiwasser war im Vorlauf über seine Nebenstrecke 400 Meter Freistil der Schnellste und schlug nach 3:53,48 Minuten an. Die Finals des ersten von drei Wettkampftagen finden am frühen Abend statt. Auf sieben Weltcup-Stationen schwimmen die Sportler um insgesamt etwa 2,27 Millionen Euro Preisgeld.

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