Drei Petitionen eingereicht Neustädter wünschen sich Tempo 30 in der Stadt

Mit gleich drei Petitionen setzen sich Anwohner für Tempo 30 in verschiedenen Gebieten der Neustadt ein. Und in der gesamten Stadt wird derzeit die Einführung von Tempo-30-Gebieten geprüft.
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Neustädter wünschen sich Tempo 30 in der Stadt
Von Sara Sundermann

Viele Anwohner der Neustadt wünschen sich, dass Autos in ihrem Stadtteil langsamer fahren. In gleich drei Petitionen an die Bürgerschaft wird derzeit eine Verkehrsberuhigung in Straßen links der Weser gefordert. Auch der Beirat setzt sich schon länger für langsameren Autoverkehr im Süden ein. Nimmt man die drei Petitionen zusammen, haben mehr als 500 Menschen unterzeichnet.

Die Initiatoren setzen sich für Tempo 30 in Hauptverkehrsstraßen ein, in der Kornstraße, im Kirchweg und im Buntentorsteinweg. Besonders für Gebiete, an denen Schulen, Kitas und Einrichtungen für ältere Menschen liegen, brauche es eine stärkere Geschwindigkeitsbegrenzung, argumentieren sie.

Die Forderung nach Tempo 30 wird nicht nur in der Neustadt und nicht nur in Bremen laut geäußert: Auch in anderen großen Städten wird über Verkehrsberuhigung diskutiert. Und durch eine neue Regelung entstehen tatsächlich in deutschen Städten derzeit immer mehr Gebiete mit niedrigem Tempolimit. In Hamburg sollen deutlich mehr Tempo-30-Zonen eingerichtet werden, zum Teil auch auf Hauptverkehrsadern. Hannover will gleich 130 Tempo-30-Zonen im Bereich von Kitas, Schulen und Pflegeheimen einrichten.

Und auch in Bremen sind nun nach Angaben des Bremer Amts für Straßen und Verkehr (ASV) rund 130 Stellen in der Stadt in der näheren Betrachtung für eine Einführung von Tempo 30, sagt ASV-Sprecher Martin Stellmann. „Die Untersuchung läuft noch, es ist davon auszugehen, dass die Umsetzung im Laufe des kommenden Jahres erfolgt.“

Basis für diese Veränderung ist ein Beschluss des Bundesrats im März und eine bundesweite Änderung der Straßenverkehrsordnung. Demnach soll Tempo 30 künftig vor sozialen Einrichtungen gelten, auch wenn sie an Hauptverkehrsstraßen liegen. Das war bislang nur schwer möglich. Zuvor hatte sich das Umweltbundesamt sogar für Tempo 30 als generelles Limit auf allen Straßen in deutschen Städten ausgesprochen.

Zielkonflikt auf der Straße

„Tempo 30 in der Stadt ist ein bundespolitischer Trend“, sagt Michael Glotz-Richter von der Bremer Verkehrsbehörde. Er weist aber – ebenso wie Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon – darauf hin, dass es mit Blick auf Straßen wie den Buntentorsteinweg einen Konflikt von zwei erstrebenswerten Zielen gebe: Einerseits könne Tempo 30 dort sinnvoll erscheinen, andererseits fahren dort auch Busse und Straßenbahnen, und der öffentliche Nahverkehr solle nicht ausgebremst werden. Czichon betont zudem: „In der Neustadt gilt schon jetzt auf vielen Straßen Tempo 30.“

Doch einigen Anwohnern reicht das nicht. Eine der Petitionen für Entschleunigung hat Malte Prött mit seiner Frau Anne Kirkham eingereicht. Die beiden wünschen sich Tempo 30 auf dem kompletten Kirchweg. Im nördlichen Teil der Kirchstraße gilt das niedrige Tempolimit schon jetzt, zwischen Buntentorsteinweg und Kornstraße, doch dann endet die Geschwindigkeitsbegrenzung. „Und auf dem Stück zwischen Hardenbergstraße und Kornstraße geben die Leute richtig Gas“, sagt Malte Prött. „Es fällt auf, wie sehr hier gerast wird. Vor allem, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, kann es gefährlich werden.“

Der 46-jährige Lehrer hat sogar eine Strichliste zu gefährlichen Vorfällen an der Kreuzung von Kirchweg und Kornstraße geführt. „Hier passiert im Wochentakt etwas, Radfahrer und Fußgänger werden gefährlich geschnitten, Autofahrer passieren die Kreuzung bei Rot“, sagt Prött. Dabei sei die Kreuzung Teil des Schulwegs vieler Kinder – die Wilhelm-Kaisen-Schule und die Karl-Lerbs-Schule liegen in der Nähe.

Die Neustädterin Peggy Diestelkamp hat für ihre Forderung nach Tempo 30 und Fahrradschutzstreifen im kompletten Buntentorsteinweg mehr als 290 Unterschriften bekommen. Bislang gibt es das Tempolimit und die Schutzstreifen in Teilen der Straße. „Man hört hier in der Straße ständig Reifen quietschen und Straßenbahnen bimmeln“, sagt Peggy Diestelkamp, die mit ihren zwei Kindern in der Neustadt wohnt. Es gebe viele gefährliche Situationen. Einig Autofahrer seien im Buntentorsteinweg mit 60 oder 70 Stundenkilometern unterwegs und würden selbst Straßenbahnen überholen.

Der Neustädter Beirat hat sich schon vor Jahren bei der Aufstellung des Verkehrsentwicklungsplans für Bremen für mehr Tempo-30-Gebiete in der Neustadt eingesetzt, erinnert sich Beiratssprecher Jens Oppermann (SPD): „Wir hätten damals gern Tempo für den kompletten Buntentorsteinweg gehabt.“

Er sieht aktuell zudem ein Problemgebiet in der Hohentorsheerstraße, die von vielen Pendlern als Schleichweg genutzt werde, um die B 6 zu umgehen. Zuletzt gingen außerdem verstärkt Beschwerden über Raser im Bremer Süden bei der Polizei ein, teilte unlängst der Leiter des Neustädter Polizeireviers mit.

Schleichwege im Süden

Der Wunsch nach Entschleunigung, der im Süden derzeit geäußert wird, könnte auch noch mit einer anderen Entwicklung zusammenhängen. Die Neustadt ist Bremens bevölkerungsreichster Stadtteil, in dem nicht nur viele Studierende wohnen, sondern auch viele Familien.

Wie stark der Stadtteil von Familien geprägt ist, zeigt ein Blick in die Statistik: 2015 war die Neustadt gemeinsam mit Gröpelingen der Stadtteil, in dem die meisten Kinder in Bremen geboren wurden. In Gebieten wie Huckelriede ist durch die Bebauung des Cambrai-Dreiecks zudem ein neues Wohngebiet entstanden, in das viele Familien gezogen sind.

Auch sie sind nun auf Straßen wie dem Buntentorsteinweg Richtung Zentrum unterwegs. Und in Zukunft dürfte es durch den Bau von 590 Wohnungen in der Gartenstadt Werdersee auf den Straßen noch voller werden.

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